Donnerstag, 24. Juni 2021

Erste Vesper des hl. Johannes des Täufers

Kennt ihr das Gefühl, bei der Betrachtung der Texte des Stundengebets (das heißt mittelbar auch: bei ihrem Gesang oder ihrer Rezitation), es käme eine Pranke aus den Zeilen der Liturgie und schlüge einem mitten ins Gesicht? 

Die Schreiberin dieser Zeilen hat Tage hinter sich, die als Drehbuch für einen Film wie Tage wie dieser hätten dienen können. Anders gesagt: Murphys Law[1] wurde jeweils übererfüllt.

Um überhaupt noch durchzublicken, legte sich die Endesunterzeichnende Listen an, um Erledigtes dann durchstreichen können – und ans Ende Liste unter Umständen weitere Punkte anzufügen, die sich zwischenzeitlich ergeben hatten oder einem noch eingefallen waren. Dazu macht man sich, wo möglich, in iCal Termine, die zur rechten Zeit aufpoppen und herumnerven. Oder aber man freut sich, weil man das gerade gestern noch erledigt hat, obwohl es heute erst dran gewesen wäre. Oder man macht sich Sorgen, wie dieses oder jenes hinkommen wird. Erfolgreich abgeschlossene Recherchen führen zu immer neuen Recherchen. Und so weiter, man versteht schon. 

Dazu braucht man für (fast) alles die gefühlt vierfache Zeit und muß alles und jedes nochmals gegenprüfen. Weil der Mr. Monk in einem das so will, oder auch, weil es tatsächlich nötig ist. Etwa, weil über dem hiesigen Land die ebenfalls gefühlt oder auch tatsächlich schlimmste Hitzewelle aller Zeiten lastet und einfach nicht weichen will. Der hauseigene Kater muß derweil drin bleiben, die Hitze brächte ihn einfach um. Das versteht er heuer nicht und dauermiaut.

Beim Abarbeiten der Listen erleidet die Schreiberin dieser Zeilen den ersten Arbeitsunfall ihres beruflichen Lebens überhaupt – gleichfalls in Verbindung mit einem klassischen Murphy. Der Schutzengel verhindert Schlimmeres. 

Zu all dem liest man Schweigen von Shūsaku Endō oder Endō Shūsaku, wie man will. Ein wunderbares Buch, das aber wegen all der Ambivalenzen, die es enthält und die sich beim Lesen in einem auftun, viel Nachdenken und inneres Argumentieren erfordert. Teils grübelt man auch regelrecht darüber.

Zur ersten Vesper des hl. Johannes verheddert man sich trotz vorherigen Markierens der richtigen Texte prompt im Hymnus der Laudes und wundert sich, warum alle anderen viel mehr Strophen haben als man selbst. Hint: der Hymnus zu den Laudes ist ein Kondensat des Vesperhymnus, mit nur drei statt sechs Strophen. Zu den letzten beiden Strophen kommt man dann wieder zurecht. Dabei steht über dem Laudeshymnus in Großbuchstaben LAUDES. See what I mean? 

Nun ja. Rein musikalisch gesehen gerät die Vesper übrigens zur Vollkatastrophe, entweder weil alle übrigen genauso verwirrt sind wie ich oder weil kein Organist da ist und offenbar auch keine Stimmgabel. (Disclaimer: ich habe auch nicht gerade angelisch gesungen.) Aber dann: 

Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen. 

Vergleiche dazu auch Ps. 115: 

Tote können den Herrn nicht mehr loben, keiner, der ins Schweigen hinabfuhr. Wir aber preisen den Herrn von nun an bis in Ewigkeit.

Was bedeutet dagegen etwa zehn Tage Leben mit Murphys Gesetz? Ich höre jetzt auf, noch weitere Check- und sonstige Listen zu führen und zu recherchieren. Heiliger Johannes, bitte für uns!

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 [1] Um dem Leser weitere Recherchen – hihi! – zu ersparen: Murphy's Law bedeutet: was immer schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

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