Freitag, 23. April 2021

The reluctant fundamentalist



Es war einmal ein Mensch, der in einem bekannten Online-Lexikon etwas nachlesen wollte und dabei zufällig an einer haarsträubenden Stilblüte vorbeikam. Der Mensch, dem solches ein Greuel ist, meldete sich kurzerhand an und betätigte sich fürderhin in seiner Freizeit gerne einmal als Autor und Besserwisser. Nach einiger Zeit lud man ihn ob seiner Verdienste seitens der Enzyklopädie sogar zu einer Reise nach Westdeutschland ein, wo er mit anderen einen Preis entgegennehmen sollte. 

So ging es einige Jahre, fast hätte er man ihm noch Gratulationen zum 10jährigen Jubiläum geschickt, da geschah es, daß ein anderer, dem erst vor kurzem völlig zu Recht ein Zeugnis als geprüfter „völlig fanatischer Religionshasser mit diktatorischem Gebaren“ ausgestellt wurde, anfing, dem Menschen nachzusteigen, sich für Artikel, in denen unser Mensch zu tätig war, zu interessieren und dort „schöpferisch“ tätig zu werden. Fortan tat der gar nichts anderes mehr, jahrelang.

Dabei legte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt darauf, ganze Artikel dergestalt umzufrisieren, daß alles Positive aus einem Artikel herausgestrichen würde, weil es aus papistischen Quellen stamme, hingegen alles irgendwie erdenklich abträgliche in den Artikel hineingeschrieben wurde. So bleibt vom Artikel eines veritablen Heiligen oft nichts anderes übrig, als die Aussage, jener sei ein arger Betrüger gewesen und habe wahrscheinlich Läuse gehabt.

Auch brachte er seinen höchsteigenen Neusprechdiktionär zur Anwendung, der etwa so ging:
Kommunion = Stückchen Brot 
Reliquien = Leichnam, Leichenteile, Knochen 
Reliquienschrein = Glassarg, „oder wie man ein solches Ding auch immer physisch nennen mag“ 
schrieb ihre Visionen nieder = halluzinierte, phantasierte 
Kasteiung = Selbstbeschädigung, Selbstverstümmelung

Beliebt und dabei bis heute täglich zu beobachten ist die Bezeichung eines jedweden als „Fundamentalist“, obwohl derjenige einen Fundamentalisten offenbar nicht von einem Milchkrug unterscheiden kann. Zwar hatte sich unser Mensch noch nie für einen solchen gehalten und kennt auch wohl niemanden, der ihn so bezeichnen würde, wie auch immer. Bemühungen, herauszufinden, was eigentlich unter einem „Fundamentalisten“ verstanden werde, verliefen im Sande. Ein Fundamentalist ist, so scheint es möglicherweise, einfach nur einer, der anderer Meinung ist als der Schikanierer selbst. Aha. 

Darüber hinaus erwartet man in einem Nachschlagwerk wie einem solchen unbedingt, dass es sich dümmlicher Wertungen enthält und jemand nicht schon deshalb disqualifiziert wird, weil er Exorzist seiner Diözese ist, im Wege allfälliger Kritelei auch nicht deshalb, weil er katholisch ist, Ordensfrau oder Ordenspriester, Weltpriester, Papst, an Wunder glaubt oder sie wenigstens für möglich hält, an einer Hochschule die katholische Theologie lehrt, Biographen, die über Katholiken publizieren oder Biographen, die über Heilige oder andere Katholiken schreiben, ohne aber selbst Katholiken zu sein, ferner auch nicht solche, auf die einige Punkte oder sogar fast alle auf dieser Liste zutreffen. 

Derjenige welcher sammelt zwar Sperren wie andere Leute Rabattmarken, es stellte sich jedoch immer wieder einmal heraus, daß die Wikipedia zwar Regeln hat, denen zufolge bestimmte Dinge wie etwa das Verfolgen bis ins Privatleben hinein, das Pöbeln und Beleidigen unzulässig sind, das Genannte aber irgendwie doch permanent geht, wenn man nur die Richtigen verfolgt, bepöbelt und beleidigt. Wohingegen es ganz arg schlimm sei, wenn ein permanent Schikanierter sich dem Schikaniertwerden einfach entziehen möchte. Wo kommen wir denn da hin? 

Auch hat der Schikanierer, wiewohl selbst weder mit großer Intelligenz noch Eloquenz gesegnet, einen Büttel, der ihn immer wieder raushaut. Frei nach dem Motto, steckt man zehn Katholiken in einen Sack und haut drauf, trifft man immer den Richtigen. 

Nach einigen Jahren des Leidens überlegte sich unser Mensch, daß er auch noch etwas anderes und sicherlich viel besseres zu tun hätte und wandte sich anderem zu, zumal er sich über die Haltung, die anderen beständig einen solch fanatischen Streithammel zumutet, zeitweise nicht wenig erbittert hatte. Und auch, um dem Schikanierer nicht eines Tages doch einmal das zu bezeichnen, als was er sich so beständig gebärdet. Sowieso kann man Exkrement bei der Wikipedia nicht einfach Exkrement nennen, auch wenn es das ist, man muß es die längste Praline der Welt nennen. Jedenfalls beschloss der Mensch, diesem Projekt fürderhin auch nicht einen einzigen Buchstaben mehr zu spenden. 

Unterdessen warfen auch ein renommierter Schriftsteller auf dem Gebiet der Mystik Gertrud von Helftas und ein durchaus bekannter österreichischer Priester und Hochschullehrer das Handtuch, womöglich aus genau demselben Grund. Und auch heute noch kann man den Religionshasser gelegentlich über die erfolgreich Weggeekelten herziehen hören und dabei lügen, daß sich die Balken biegen. Und lange schallts im Walde noch: Der Fundamentalist, er lebe hoch!

Donnerstag, 17. Dezember 2015

O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten

O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –

die Welt umspannst du von einem Ende zum anderen,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!


Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. (Jes. 11,1-3)
Mit dem 17. Dezember beginnt jene hohe Zeit vor dem Weihnachtsfest, an dem die Kirche ihre Stimme in den O-Antiphonen erhebt. Komm, heißt es von Tag zu Tag drängender, zögere nicht länger, befreie uns, die wir sitzen im Dunkel und im Schatten des Todes!


Die Zeit des Advents und die uralte messianische Anrufung O Weisheit erinnern daran, daß einer der Ehrentitel der Gottesmutter Sedes sapientiae lautet – Sitz der Weisheit. Buchstäblich hat sie dem eine Wohnstatt, einen Sitz geboten, der gekommen ist, die Menschheit zu erlösen, der noch ganz klein, verborgen und unerkannt ist. Durch die Botschaft des Engels geht er hervor aus dem Munde des Höchsten und wird Mensch.

Auf diesem Kind wird sich eben jener Geist des Herrn niederlassen, der auch der Geist der Weisheit ist. Daß der Prophet die Gottesfurcht zweimal erwähnt, indem er bedächtig wiederholt: Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht, hat vielleicht seine Ursache darin, daß sie der Anfang der Weisheit ist.

Aus dem Reis, der aus dem Baumstumpf Isias hervorwächst, wird einmal der Baum des Kreuzes, der Frucht bringt für alle Welt.

Dienstag, 17. November 2015

Me three! (viertes Bloggertreffen)

Ich weiß gar nicht, was alle mit dem Wetter haben…
der Hahn, der kein Wetterhahn, sondern ein Christussymbol
ist, hat mir gut gefallen.
Zum dritten Mal (von vieren) machte ich mich am Freitag zum Treffen katholischer Blogger auf, diesmal nach Essen, keine Stadt, die ich mit irgendeiner Art von Idylle verbunden hätte. Um so verwunderlicher war es, am Fuße einer solchen aus der S-Bahn zu steigen. Überraschend war, daß man in Essen grüßt, auch völlig Unbekannte, etwa, wenn man sich in der S-Bahn hinsetzt. Das müßte mir hierherum einmal passieren!

Bahnfahren liebe ich ja. Man sitzt da, guckt ins Weite und sieht schöne Dinge an sich vorüberziehen: Muh-Kühe, Schäfchen und Pferde, Riesenfelsen, Windmühlen mit Flügeln und Windmühlen ohne Flügel. Erstaunlicherweise fuhr mein Zug pünktlich und kam auch zur rechten Zeit an, weshalb ich erst einmal Zeit für einen längeren Spaziergang hatte, auf dem mich erstaunte Hirsche mit großen Augen beäugten.

(Auf der Rückfahrt habe ich dann ausprobiert, wie man bei möglichst häufigem Umsteigen unter Benutzung erstaunlich vieler Regionalzüge dennoch mehr als anderthalb Stunden früher in Berlin ankommt als mit der gebuchten ICE-Sparpreisverbindung zur nachtschlafenen Zeit. Das hat ganz ausgezeichnet geklappt, ich hatte sogar noch das Vergnügen, mit dem Nachtzug nach Interlaken vom Hauptbahnhof zum Südkreuz zu gondeln.)
Hier lang zum Bloggertreffen… (aber nein!)

Woher das Gefühl rührt, man erklärte uns bei Bloggertreffen zum wiederholten Male, wir verbrächten unsere Zeit vorwiegend damit, das was wir täten auf die falsche Weise zu tun, weiß ich auch nicht zu sagen, es mag, wie gesprächsweise erwähnt, an mir liegen, vielleicht aber auch nicht. So zerflossen für mich in Referat und Diskussion stellenweise irgendwie der – gerechte – Wunsch nach einer Sprache, die dem anderen seine Würde und seine Katholizität läßt, viel zu sehr mit dem, anderen einen bestimmten Duktus oder auch die Wahl ihrer Themen oder Inhalte nahelegen zu wollen. Vielleicht nehme ich aber auch wieder einmal alles viel zu ernst. Selbst hatte ich mich ja auch schon darüber ausgelassen, daß es schön wäre, man wählte seine Worte so, daß nicht andere an der Kirche Gottes irre würden.

Natürlich interessiert es im Blick auf die Weltkirche und vor dem Auge der Ewigkeit sowieso kaum jemanden, wie es mir in einer bestimmten Heiligen Messe ergangen ist. Und natürlich ändert der Satz, den ich darüber verloren habe, auch nichts. Obwohl: manchmal tragen solche Niederschriften, zumal sich dieser Blog ja auch an der Struktur des Kirchenjahres orientiert, dazu bei, Dinge irgendwann dann doch dauerhaft zu verinnerlichen, um im nächsten Jahr nicht unversehens an derselben gefühlsmäßigen Haltestelle herauszukommen. Im Ernst: worauf ich hinauswollte, war eigentlich: diese Messe mit all ihren Gnaden oder auch Nichtgnaden war an jenem Abend ein Mosaiksteinchen meiner Lebenswirklichkeit. Über die zu bloggen – und nicht über irgendein Abstraktum – war ja mein Anliegen.

Du führst mich hinaus ins Weite…
Hier zog es mich – neben Kirche und Kapelle – immer wieder
hin, denn ohne vernünftigen Espresso lebe ich nicht,
ich existiere nur. Man beachte die Stelle aus Jesaja über dem Automaten:
Auf ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser. Auch wer kein Geld hat, soll kommen!
Mir wurde auf der Stelle ganz österlich zumute.
Die Kirche mit posaunenblasenden Engeln (des jüngsten Gerichts?) 

das sah dann schon eher nach „stürmischen Tagen" aus
etwas zu essen am Wegesrande
Auch gabs einen Kreuzgang mit noch blühenden Rosen drin.
Mit der rechten Kombination aus Stundenbuch und Capuccino
paradiesisch zu nennen.


Jemand hat einmal gesagt, die Feste des Kirchenjahres seien herrlich, weil man sie in jedem Jahr von einer anderen Höhe aus betrachte. Eine andere Höhe, wohlgemerkt, nicht eine größere. Ich stelle mir das immer ein wenig vor wie bei den Greifvögeln am Himmel, die ihre Kreise ziehen. So ein Adler mag schon einmal etwas an Höhe verlieren, um sich das eine oder andere näher zu betrachten.

Es nutzt meiner Ansicht nach nicht viel, auf schreibende Menschen einzuwirken, sie möchten die Art ihrer Themenwahl überdenken, weil sich in China oder Afrika die Menschen für ganz andere Dinge interessierten. Mag sein, sie (die Autoren) aber interessieren sich hier und jetzt dafür, deshalb schreiben sie darüber.

Sonntag, 1. November 2015

Allhallowtide

Also, besser als hier kann ich es in diesem Jahr auch nicht sagen. Insofern hab ich mich gestern über umherziehende Kinder, einen gabensammelnden weißen Hund(!) und eine Frau gefreut, die mir freundlich mit dem Rosenkranz zuwinkte, die sie um den Hals trug.

Wer, wenn nicht wir Katholiken, hätte ein Recht, (auch) Halloween zu feiern? - immer vorausgesetzt, er läßt dem All hallows' eve auch noch das Begängnis des Allerheiligenfestes und des Gedächtnisses Allerseelen folgen. Das Englische hat für diese Tage den schönen Begriff Allhallowtide geprägt (Tide ist hier ein altertümlicher Ausdruck für Zeit, der so auch noch im Niederdeutschen erscheint). Jedenfalls schön zu wissen, daß es im Kirchenjahr eine Allerheiligenzeit gibt, wenngleich wir uns mit der triumphierenden und der leidenden Kirche im Hochgebet jeder Heiligen Messe verbunden wissen. Besonders gefällt mir jene Abbildung über die Gnaden der Heiligen Messe, die diese schöne Verbindung, auch mit den armen Seelen, zum Ausdruck bringt.

Vielleicht denkt ja im nächsten Jahr auch der eine oder andere, der Allerheiligen eine Vorabendmesse feiert, daran, daß es die Vorabendmesse von Alllerheiligen ist und sie schon daher nicht notwendigerweise genauso brotig-nüchtern und ohne irgendeinen besonderen Segen oder Gesang daherkommen muß wie „irgendeine“ andere Messe im Kirchenjahr? Allerheiligen ist, wie (ad nauseaum?) bemerkt, eines der schönsten und lichtvollsten Feste, die wir überhaupt haben. Grund für mich jedenfalls, nächstes Jahr die Vorabendmesse von Allerheiligen ministrierenderweise zu meiden. Mich dauerte halt die Messe am Vorabend eines Hochfestes ohne auch nur einen Meßdiener. Immer wieder einmal wundert mich, daß die Kirche heuer oft so wenig aus dem macht, was ihr anvertraut ist, fast, als wenn sie es herunterspielen möchte. Meiner bescheidenen Meinung nach suchen die, die in die Kirche kommen, das Mysterium und die Schönheit des Gottesdienstes, weshalb mir lästerlicherweise zwischendurch in den Sinn kam: und da wundern sie sich, wenn die Gottesdienste leerer werden, während anderswo, etwa in St. Afra, die Bude voll ist (letztere Feststellung hatte unmittelbar vor selbigem Gottesdienst noch jemand getroffen).

Am Freitagnachmittag hingegen war mir Allerseelen besonders nah, da hab ich vor dem Fernseher gesessen und geweint, weil sich herausgestellt hat, daß der kleine Elias, nachdem man so lange und verzweifelt gesucht hat, tot ist, ermordet und weggeworfen wie Abfall. Mir kam Hiob in den Sinn, eine der Lesungen in den drei Messen des Gedächtnisses Allerseelen:
Daß doch meine Worte geschrieben würden, in einer Inschrift eingegraben mit eisernem Griffel und mit Blei, für immer gehauen in den Fels. Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. (Hiob 19, 23-27)

(Ein Kraut-und-Rüben-Beitrag, wie ich beim nachträglichen Durchlesen merke, aber so ist das Leben.)

Freitag, 16. Oktober 2015

Spindlers Fabrik

Gerüchtehalber sollte man am abgebildeten Ort ganz wundervolle Fotos machen können, was sich im Sommer bei mehreren Gelegenheiten auch prompt als wahr erwiesen hat. Nicht erst bei dem Anlaß, bei dem diese Fotos entstanden, habe ich mich gefragt, was mögen das wohl für Leute sein, die eine Wohnung kaufen, bevor sie überhaupt existiert? Das Projekt, vollmundig als „Wasserstadt“ angekündigt, hätte eigentlich in diesem Jahr fertig sein sollen, stattdessen sprießen dort weiterhin Bäume aus dem Dach. Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!

Was man von der Bausubstanz der alten Spindlerschen Fabrik getrost noch hätte retten können, hat man in vielen vergangenen Jahren unnütz verkommen lassen: mehrmals hat es gebrannt, im letzten Jahr waren noch alte Fenster drin, auch noch vorhandene Fliesenböden sind wohl hin. Nun hält die Baustelle eine weitere Winterruhe − die Vermarktungsgesellschaft in spe verbitterts, die Spindlersfelder freut es. Zumal der Bezirk Treptow-Köpenick vor einiger Zeit eingeräumt hat, auf die Gestaltung der Baupläne aus irgendeinem Grunde letztlich kaum noch Einfluß zu haben: entschieden die Bauherren sich sich, das Gelände neben der eigentlichen alten Fabrik kleinteilig oder auch potthäßlich zu bebauen, muß offenbar auch das hingenommen werden.Warum eigentlich?

am Uferweg
Der wundervolle Uferweg, eine herrliche Verbindung aus wildwuchernder Natur und dem Charme alter Eisengitter im Stile der 60er Jahre, wird jedenfalls dahin sein. Immerhin bleibt er, wie gerade gestern verlautbart wurde − eine Mitteilung, die ich als ausgesprochen arrogant empfunden habe −, „weiterhin für die Allgemeinheit zugänglich“. Vielen Dank auch! Etwas, das der Allgemeinheit gehört, da der Schwager Spindlers, Albert Mentzel, weiland den Park seiner Villa der Stadt stiftete, bleibt auch weiterhin für sie zugänglich. Die Spindlersfelder, deren Ortslage von dieser Fabrik (oder ihrem Errichter, Wilhelm Spindler) ihren Namen hat, wären gut beraten, sich die bis jetzt noch nicht vorgelegten oder gar bewilligten Baupläne bei der Auslage dann genau anzusehen und womöglich Widerspruch einzulegen. Geld ist nicht alles (und bezahlbarer Wohnraum für dich und mich entsteht dort eh nicht, da braucht man sich nichts vorzumachen).

Natürlich kann man nicht jedes Stück Brachland zum Denkmal erklären (auch wenn es das eigentlich schon ist). Bei so manchem Geschenk, das sich aus der Verbindung von Politik und Natur ergab, fragt man sich aber doch, warum kann das nun nicht so bleiben oder vielmehr: muß das denn nun unbedingt zerstört werden? Hier nistet die Fledermaus, hier gibt es geschützte Wasservögel wie den Kormoran. Es gibt bereits einen Plan, der vorsieht, welche Bäume des entzückend verwilderten Ufers gefällt werden, um Platz für etwa 200 Bootsanlegeplätze zu machen. Die braucht man ja unbedingt. Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Kormoran vertrieben, der letzte Wohnturm und die letzte Marina ans Ufer geknallt sind, werdet ihr merken, daß ihr etwas Unwiederbringliches zerstört habt.






Der herzloserweise ausgesetzte Stuhl Nr. 161
(wo mögen wohl seine 160 kleineren Brüder sein?)
hat bei dieser Gelegenheit übrigens
ein gutes neues Zuhause gefunden.

Mittwoch, 30. September 2015

Ein Abend in Verblödistan

Wenn ich schon mal ein paar Tage so gut wie nicht online bin, verpasse ich prompt solche Schmankerln wie den Versuch Reinhard Kardinal Marxens, eine Hypothese darüber aufstellen zu wollen, daß etwas, das er eigentlich gar nicht kenne, jedenfalls zur (fortschreitenden?) Verblödung führe.

Zugegebenermaßen habe ich in diesem Jahr noch kaum gebloggt (dazu später mehr). Ob das jetzt Zeichen fortschreitender Verblödung oder beginnender Genesung ist, lasse ich dahingestellt. Spaß beiseite – ich fühle mich eigentlich gar nicht angesprochen, kann aber nichtsdestotrotz diejenigen verstehen, die über ein solches Statement – des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz immerhin, bitteschön! – verärgert sind. Für ein blödes Geschwätz, wie der Schwabe sagen würde – wenn er nicht gleich sagt, laß ihn doch schwätzen! -, erfährt die Äußerung des Herrn Kardinals allerdings wahrscheinlich bei weitem zuviel Beachtung. Dank erwartet als Blogger, ob in der katholischen Kirche oder anderswo, wohl keiner – auch hat wohl keiner damit angefangen, damit man ihm dankt –, Beschimpfungen allerdings auch nicht.

Blöde, um im Bild zu bleiben, ist es, sich markig und mit Bestimmtheit zu Dingen zu äußern, wenn man einen Blog nicht von einem Milchkrug unterscheiden kann. Noch blöder ist es allenfalls, sich aus höchst durchsichtigen Gründen und geradezu mit Schadenfreude auf ein solch unqualifiziertes Statement des Herrn Kardinals zu stürzen. Ob beides auch zur dauerhaften Verblödung führen muß, vermag ich nicht zu sagen, ich möchte es auch gar nicht. Ich möchte mit Liebe und Achtung an unsere Oberhirten denken können, eben weil sie unsere Oberhirten sind. Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach! heißt es im Hebräerbrief. Der Apostel läßt diesem Satz unmittelbar die Worte folgen: Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Also, mir genügt das.
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