Montag, 13. Juli 2015

Zwischendurch…

Am Wochenende konnte ich in den Nachrichten den folgenden, wundervollen Satz lesen: „Als zu Affären neigender Schauspieler von Weltrang mit Hang zu einem aufwendigen Leben und den Spieltischen war Sharif auf seinem Zenit in den Schlagzeilen und gleichzeitig ein Publikumsliebling.“ Na bravo! Manchmal kann einen das, was man heute unter Journalismus versteht, zur gefühlten Verzweiflung treiben. Wir entnehmen diesem verschachtelten Satz eine Fülle unterschiedlichster, gleichwohl offenbar als völlig gleichranging betrachteter Informationen:

  • Omar Sharif hatte Affären
  • Omar Sharif war ein Schauspieler von Weltrang
  • Omar Sharif liebte es aufwendig
  • Omar Sharif spielte gern mal Roulette oder sonstwas, jedenfalls hatte er einen „Hang“ zu allem, was auf Tischen gespielt wird
  • Omar Sharifs Karriere hatte einen Zenit (immerhin!)
  • Omar Sharif war in den Schlagzeilen (wahrscheinlich wegen allem aus der obigen Liste)
  • Omar Sharif war ein Publikumsliebling

Ich wette, mit ein klein wenig Mühe hätte sich sicherlich noch mehr in einen einzigen Satz packen lassen, von dem einem der Kopf schwirren kann (manche Sender haben sicherheitshalber angemerkt, daß es sich bei Sharif um einen „Darsteller“ handelte).

Was mir von Sharifs Werk am eindringlichsten bleibt, ist ironischerweise die Beerdigungsszene aus Dr. Zhivago, in der sein Sohn Tarek spielt. Hier hat mich immer schon der eindringliche Gegensatz zwischen den Elementen und Jahreszeiten, dem Leben über der Erde und der Stille unter ihr fasziert. Außerdem natürlich der violette Samt des Sarges samt Goldkreuz. Kann ich bitte auch so beerdigt werden, in der Einöde und unter fallenden Blättern? Jedenfalls: Omar Sharif ist gestorben, möge er in Frieden ruhen.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Wenn ich mich an den Beitrag, den ich gesehen habe, recht erinnere war Omar Sharif zeitweise ein professioneller und gar nicht unerfolgreicher Bridge Spieler, als es mal gerade mit der Schauspielkarriere nicht weiterging.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das mit dem Roulette habe ich in irgendeiner Hirnwindung, wo es inzwischen ganz staubig geworden ist, wiedergefunden. Ich war nur einigermaßen erstaunt über ein solches Potpourri. Nun ja, was soll man von einem Nachruf erwarten, dessen zweites Wort „Schnauzbart“ ist?

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