Dienstag, 25. November 2014

Wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht

Fruchtfliege in über siebentausendfacher Vergrößerung
Unfreiwillig (denn ich glaube nicht, daß das Heribert Jones Absicht war) führt das von ihm verfaßte Werk (danke, Thomas!) bei mir immer wieder einmal zur Erheiterung.

Jone wollte dem Beichtvater eine Hilfe an die Hand geben. Die Detailfreudigkeit, mit der das indessen tat, ist das, was zumindest bei mir für den gewissen Erheiterungsgrad sorgt. Man kann darin wirklich für jede Lebenslage etwas finden – wenn etwa genau unterschieden wird, wann und in welcher Weise die Einnahme von Tabletten in der Nacht vor dem Empfang der heiligen Kommunion eine läßliche Sünde darstellt oder auch nicht (Hervorhebungen von mir):
Wohl aber wird die Nüchternheit gebrochen, wenn man Zucker oder Tabletten vor Mitternacht in den Mund nimmt, die sich dann nach Mitternacht langsam auflösen und so genossen werden. Hätten sich aber zum Beispiel Hustentabletten, die man lange vor Mitternacht genommen hat, rein aus Zufall nicht aufgelöst, so dürfte man … demnach kommunizieren, wenn man etwas davon nach Mitternacht verschluckt hätte.
Well, thanks for clearing that up! Im Folgenden finden wir unter anderem dann noch, für den Zelebranten zur Beruhigung (unter der Überschrift, daß die eucharistische Nüchternheit nicht gebrochen wird, durch etwas, das zufällig mit ihr in den Mund gelangt, wie auch immer):
Wer bei der ersten Messe an Allerseelen mit dem heiligen Blute zugleich auch eine Mücke verschluckt hat, darf ruhig die beiden anderen Messen lesen.
Nun kann ich als Meßdienerin bestätigen, daß tatsächlich schon öfter Mücken im oder um den Wein gesichtet wurden (was niemanden daran hindert, immer wieder und auch sommers die Kännchen unbedeckt bereitzustellen). Der Erzählung eines altehrwürdigen Küsters zufolge soll es sich auch einmal zugetragen haben, daß beim Abnehmen der Palla eine riesige Fliege aus dem Kelch kroch und in die Runde blickte, woraufhin der Küster schweigend neue Elemente und einen anderen Kelch holen ging. Von meinem Platz aus bin ich schon öfter in würdiger Attitüde zur Kredenz geschritten, um die Kännchen abzudecken, weil über ihnen eine Mücke oder etwas noch Größeres kreiste. Noch besser ist, mit würdiger Attitüde eine Mücke zu entsorgen, die sich bereits ins Vergnügen gestürzt hat, und das womöglich noch rechtzeitig. Ausgerechnet bei der Gabenbereitung eines sehr genauen Zelebranten (ein Ästhet!) entfleuchte eines Tages aus dem Weinkännchen eine Mücke, als er gerade danach griff,  und zog noch ein paar torkelige Kreise über dem Kelch, bis sie mir schließlich ins Gesicht surrte. Neuen Wein wollte er trotzdem nicht (schließlich hatte ich ja die Mücke im Gesicht…).

In Antonia Whites Maifrost äußert eine potentielle Konvertitin bei der Erläuterung des Unterschieds zwischen läßlichen und schweren Sünden: „Ihr Katholiken seid herrlich bestimmt in solchen Dingen! Es muß wunderbar sein, zu wissen, wo man steht.“ Jone hat nun wenigstens klargestellt, daß Mücken im Kelch keine Sünde sind. Nichtsdestotrotz scheint das Aufblasen einer Mücke zu einem Elefanten hier trefflich gelungen. Wer nimmt denn eine Mücke zu sich, um sie genießen?

Irgendwie hat mich das auch an die Geschichte erinnert, als sich vor einiger Zeit rund um Father Z. einmal Kleriker zum Abendessen getroffen hatten, die zu fortgeschrittener Stunde im Scherz die Frage verhandelten, was man als Zelebrant zu tun habe, wenn nach der Wandlung eine Maus auf den Altar spränge und sich mit dem Allerheiligsten davonmachte. Da die verschiedenen Variationen des Umgangs mit dem Leib des Herrn, wenn er aus diesem oder jenem Grund nicht kommuniziert werden kann, entweder Verbrennen oder das Auflösen in Weihwasser hergeben, lag die Lösung nahe: eine Katze hinterherschicken, die die Maus fängt, anschließend die Katze verbrennen und die Asche in Weihwasser auflösen.

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Zu letzterem kenne ich noch die Variante: Die Kirche niederbrennen (die Maus wird schon mitverbrennen) und die Asche ins Sacrarium geben ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Kreisch! In welches Sakrarium übrigens? ;)

Anonym hat gesagt…

Ich glaube, den Ausdruck "genießen" verwendet Jone nach dem seinerzeitigen Sprachgebrauch als Synonym für "verzehren, verspeisen, essen". Dass eine Mücke essbar ist, will ich gerne glauben, aber dass sie ein Genuss sei, das muss mir erst einmal jemand beweisen.

Und als Freizeit-Kanonist kenne ich von Jone natürlich nur seinen "als Übersetzung getarnten Kommentar" (zum CIC von 1917), wie das einmal ein Professor genannt hat.

Zwetschgenkrampus

Braut des Lammes hat gesagt…

Daß er den Ausdruck als Synonym fürs verspeisen genommen hat und weniger für „Genuß“ im Sinne von sinnlichem Vergnügen, glaube ich schon auch, immerhin klabüstert er das ja bei den Hustentabletten fein säuberlich auseinander. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, daß man eine Mücke zu sich nimmt, um sie zu verzehren (id est, um des Verzehrens willen), selbst bei einer Heuschrecke würde ich hierzulande nicht davon ausgehen.

Bei anderen Beispielen in diesem Kontext (sinngemäß: Zahnfleischbluten verschlucken ist OK, das Blut von einem Nadelstich im Finger wegsaugen ist dagegen ein Bruch des Gebots der Nüchternheit), konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

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