Montag, 3. November 2014

Neulich, beim Einkaufen…

…drehte ich neugierigerweise ein paar Preisschilder um, schon weil ich früher™ Auftragsarbeiten und Filmrequisiten (die natürlich auch Auftragsarbeiten waren) gestrickt habe. Daß man damit in theoretischer Hinsicht keinen vernünftigen Stundenlohn erzielen kann, war mir auch damals schon klar, allerdings strickte ich an allen möglichen Orten – also zum Beispiel in Vorlesungen, in der Bahn, bei einfachen oder glatten Mustern auch beim Lesen oder beim Fernsehen. Wenn man sowieso liest oder durch die Gegend fährt, kann man dabei auch stricken, finde ich. Man könnte auch stricken, anstatt im Internet zu surfen und hätte dabei immer noch Zeit übrig. Man kann auch noch mehr gleichzeitig tun, etwa beim Lesen in der Bahn stricken. Oder statt auf dem Klo lesen auf dem Klo… – ach, lassen wir das.

Irgendwann jedoch, wohl mit der zunehmenden Öffnung des Ostblocks und der Verlagerung der Aufträge in noch ganz andere Länder, lohnte es sich das Auftragsstricken einfach nicht mehr; zwischenzeitlich waren handgestrickte oder handgestrickt wirkende Sachen (ja, da ist ein qualitativer Unterschied!) auch mal völlig out. Dann kamen Strickanleitungen und Wolle auf und in Mode, bei denen die Arbeiten so richtig schön grobschlächtig aussehen, möglichst mit Nadeln anzufertigen, die so dick sind wie Baseballschläger. Sowas zu arbeiten macht einfach keinen Spaß (mir jedenfalls nicht), auch wenn man auf diese Weise an einem einzigen Abend eine ganze Cappa magna stricken könnte.

Nun aber das! Daß in der Sache immer schon ein grobes Mißverhältnis zwischen dem Arbeitslohn, der bei der Strickerin ankommt, und dem, was als Zwischenhandelsspanne draufgeschlagen wird, gesteckt hat, war wie angedeutet, schon klar. Aber soo?! Sagt mal, ihr seid wohl vom wilden Affen gebissen, da bei den Galeries Lafayette?! Und: wer kauft sowas (eine simple Wollmütze) zu diesem Preis? Wer auch immer es sein mag – ich stelle günstiger her.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Saftig!

... Und da habe ich mich neulich noch in mich gegrollt, daß eine hiesige Bäckereikette mit extrem vielen Filialen neuerdings Zweifuchzig für eine Käsesahneschnitte vom Blech verlangt. Ich rechne das noch immer in Mark um ... und 320 Mark für eine Wollmütze ... nee, ich mag da garnicht weiter drüber nachdenken. Die haben doch echt einen an der Klatsche ...

Tarquinius hat gesagt…

Na, das Beispiel hilft doch wenigstens beim Abnehmen!

kalliopevorleserin hat gesagt…

Wirklich übel. Und dabei kann man genau diese Wollmütze vermutlich woanders als bei Lafayette (zum Beispiel auf dem Markt in Kreuzberg) für neun bis zwölf Euro bekommen.

Cinderella01 hat gesagt…

Ja, dann lohnt sich ja das Selberstricken wieder. Ich weiß gar nicht, ob ich das noch kann ... Oder verlernt man das auch nicht - so wie Radfahren und Schwimmen?

Braut des Lammes hat gesagt…

Meiner Meinung nach ist das so ähnlich wie beim Radfahren und Schwimmen, die Bewegungsabläufe, etwa, wie man Maschen anschlägt, haben sich dem Hirn eingeprägt, insofern vergißt man das nicht, weil der Körper sich daran erinnert.

montan hat gesagt…

Kann ich dann ein gestricktes Säckchen für meinen Handrekorder bestellen? Eine Freundin hat mir mal ein sehr hübsches für ein ähnliches Gerät gestrickt, und es ist furchtbar praktisch. :)

Braut des Lammes hat gesagt…

Das hinge natürlich mit von der Größe des Handrekorders ab ;) Hilfreich wäre ggf. ein Bild des Säckchens, das gefällt bzw. der bevorzugten Machart. Nicht, daß ich ein rosa Säckchen mit grünen Sternen stricke… (Btw. bist du sicher, daß das gestrickt und nicht gehäkelt war?)

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