Donnerstag, 2. Oktober 2014

Engel (solche und solche)

Am 29. September wurde in vielen Gemeinden erstmals schmerzhaft das Fehlen eines Liedes offenbar, das früher™im Gotteslob stand, und das ich sehr geliebt habe. Morgen wird es noch einmal so sein: Unüberwindlich starker Held konnte man eigentlich nur an Michaelis und zum Tag der Deutschen Einheit singen: der heilige Michael ist der Schutzpatron Deutschlands und der Deutschen. Nicht nur das, er ist der Schutzpatron der ganzen Kirche. Die Kirch dir anbefohlen ist, du unser Schutz- und Schirmherr bist – welches andere Lied bringt das so zum Audruck?

Obwohl das Lied mit seiner charakteristischen Melodie so wunderschön ist, daß man es gerne öfter gesungen hätte, gab eben die Seltenheit seines Gesangs dem Ganzen noch den Reiz des Flüchtigen, das erst im nächsten Kirchenjahr wiederkehrt, wie etwa die Sequenzen oder das Gloria laus et honor – noch so ein Gesang, der im neuen Gotteslob verschwunden ist. Warum, das ist mir in beiden Fällen unerklärlich.

Beim ersten Mal, als ich das Lied in der Gemeinde hörte, stand neben mir ein älterer Mann, der das Lied so begeistert geschmettert hat, daß es mich anrührte. Dem Sänger lag der hl. Michael sichtlich am Herzen, jedenfalls das Lied. Ich lernte es und liebte es fortan.

Froh bin ich, daß ich mir extra alte Gotteslöber aufgehoben und keine solchen Papierengelchen draus gefaltet habe. Eine bescheuerte Idee, wie ich finde, und letztlich ein trauriger Anblick. Das war einmal ein Buch, das in der Liturgie verwendet wurde. Könnte man ihm da nicht mit etwas mehr Achtung begegnen? Ich kann daher nicht verstehen, daß manche Diözesen oder Pfarreien zu seiner Zerstörung geradezu aufriefen. Aus einem alten Gotteslob kann man immer noch einen (oder viele) Liederzettel zaubern, aus einem Faltengel niemals mehr. (Gibts eigentlich nicht genug mit Unfug bedrucktes Papier, aus dem sich wenigstens solche Engel falten ließen?)

Es dient dir eine große Schar von tausendfachen Feldherren.
Das Kreuz jedoch, des Heiles Schild, erklärt der siegreich Michael.

Dieses Bildchen im Stil des Benziger Missales hat mir gefallen und mich darauf gebracht, daß es einen ganzen lateinischen Hymnus zu Ehren des Festes des hl. Michael und aller Engel gibt; Te splendor (das Spruchband ist diesem entnommen) – dich heller Glanz, des Vaters Kraft, an dessen Lippen hängen wir, wir loben unter Engeln dich. Diese tägliche Vereinigung im Loben, Danken und Staunen mit den Engeln läßt nicht nur sie uns nahe sein, sie bringt uns näher zu Gott selbst.
Te splendor et virtus Patris
Te vita, Iesu, cordium,
ab ore qui pendent tuo,
laudamus inter angelos.

Tibi mille densa milium
ducum corona militat;
sed explicat victor crucem
Michael salutis signifer.

Draconis hic dirum caput
in ima pellit tartara,
ducemque cum rebellibus
caelesti ab arce fulminat.

Contra ducem superbiae
sequamur hunc nos principem,
ut detur ex agni throno
nobis corona gloriae.

Patri, simulque Filio,
tibique, Sancte Spiritus,
sicut fuit, sit iugiter
saeculum per omne gloria.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Nun ja, lieber Engelchen falten als das Buch in die Tonne treten, denke ich mal. Jedenfalls bemerke ich im Diakonie-Laden in letzter Zeit ein erhöhtes Aufkommen an Gotteslob-Büchern. Ich will nicht wissen, was damit geschieht, wenn aus den Regalen wieder länger dort liegende Bücher "ausgemistet" werden; wahrscheinlich werden sie als Altpapier verhökert. Wenn Du magst, kann ich Dir gerne eines schicken, hatte dieser Tage noch eines in der Hand, Leder, Goldschnitt, fast neuwertig (mit Freiburger Anhang) *seufz* ... ;-)

Eugenie Roth hat gesagt…

Ich hab' sogar noch das alte diözesane Liederbuch, dann noch ein paar aus Internet-Auktionen erstanden ...

Das neue GL - wenn ich es denn mal brauche - nehme ich mir aus dem Regal, dafür möchte ich kein Geld ausgeben ...

Braut des Lammes hat gesagt…


Für Andachten aufheben, einlagern, an Friedhofskapellen oder auch an deutschsprachige Gemeinden im Ausland abgeben, gut erhaltene oder schöne Exemplare antiquarisch verkaufen (ein anderer freut sich drüber) oder gar nicht erst aus neue GL umsteigen – so ziemlich jede Form der Bewahrung kommt mir besser vor als diese Basteleien. Ich finde, sowas macht man einfach nicht.

Die Akademiekirche hatte jahrlang Exemplare, die vom Ordinariat ausgemustert worden waren, womöglich weil dort noch die alten Texten drin waren, in denen die Brüder lobten. Bei den Piusbrüdern hab ich jüngst in der Kirche ein Uralt-Gesangbuch des Bistums gesichtet, das dürfte mittlerweile schon nostalgischen Charme haben (wie die ganze Kirche, obwohl sie neu ist).

Psallite Deo hat gesagt…

Ich denke auch, lieber Engel als Altpapier...
Bei uns standen sie lange in den Büchereien rum, zu verschenken, aber die meisten waren in zu schlechtem Zustand, so daß keiner sie haben wollte.
Der Chef hat die Küster aufgefordert, die Plastikhüllen abzureißen, da diese nicht ins Altpapier können...
Aber es waren bei uns so viele, da wäre gar kein Platz gewesen, sie irgendwo zu lagern für Andachten o.ä. (aufgehoben wurden nur die Großdruck-Bücher, die noch heile waren) - und die in meinem Chornotenschrank - aber das weiß keiner...
Wie hätte man sie sonst sinnvoll "entsorgen" sollen? Im Osterfeuer verbrennen wie sonstiger "liturgischer Abfall"? Wohl kaum...

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