Dienstag, 9. September 2014

Zwischen zwei Gefühlen

Unterseite des Primizkelchs Kardinal Sterzinskys
In dieser Woche geht es mit den Pontifikalämtern Schlag auf Schlag. Schon als wir am Sonntagnachmittag unseren Erzbischof Rainer in einem feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale verabschiedet haben, galt unser Gedenken bei der Heiligen Messe auch Georg Kardinal Sterzinsky. Wie gern hätten wir die 25. Wiederkehr seiner Konsekration als Bischof mit ihm gefeiert! Etwas früher im Jahr, zum Fest des Täufers, haben wir, wohl von vielen unbemerkt, des 25. Jahrestages seiner Ernennung zum Bischof von Berlin gedacht. Heute abend feiern wir ein Pontifikalamt aus Anlaß seines Bischofsjubiläums, das er, wie seinen Ruhestand, leider nicht mehr erlebt hat. Ich muß sagen, er fehlt mir immer noch.

Lange blieb mir von Georg Kardinal Sterzinskys Requiem, bei aller Gewißheit, daß er jetzt in der ewigen Freude ist und ausruhen darf von seiner schweren Last, der herzzerreißende Moment, als er zur Aufbahrung ein letztes Mal in die Kathedrale zurückkam und wir ihn zur Totenwache liturgisch empfangen haben. Als Leuchterträgerin stand ich unmittelbar neben dem Sarg und ich dachte, du armer Mensch, was hast du gelitten! Über diesen Hader, daß Gott einen guten Menschen im Sterben so leiden läßt, bin ich innerlich glaub ich immer noch nicht ganz hinweg. Immerhin ist er mir nicht so in Erinnerung geblieben, sondern wie er war auf der Höhe seiner Kraft, die klaren Predigten, die er uns gehalten hat, die Mahnwachen, zu denen er selbst hingekommen ist, bei der Spendung der Sakramente und beim Stundengebet, unser lieber Erzbischof Georg, halt.

1 Kommentar:

Bettina Klix hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes,
danke für dieses schöne Gedenken.
Meine schmerzlichste Erinnerung an den Kardinal ist die an den Aschermittwoch der Künstler, als der ökumenische Gottesdienst in St. Matthäus von einem Kirchenstörer heimgesucht wurde. Nachdem er allzu sanft entfernt worden war, fühlte er sich ermutigt, zur Predigt des Kardinals ncoh einmal nackt nach vorn zu gehen und sich im Altarraum aufzustellen , seine Worte waren nicht zu verstehen, vermutlich bezogen sie sich auf den gerade aufgedeckten Missbrauchsskandal. Sterzinsky muste seine Predigt unterbrechen, man sang ein vorgezogenes Lied, sprach begütigend auf den Störer ein und überredete ihn zu gehen. Von der Predigt weiß ich nichts mehr, ich war entsetzt und zutiefst unglücklich, da ich - damals noch evangelisch- gerade an diesem Tag einen katholischen Künstler mitgebracht hatte, der sich von der Kirche entfernt hatte.Was durch diesen Tag auch nur schlimmer werden konnte.
Ja, ich sehe noch das tapfere, traurige Gesicht des Kardinals. Das ist die Färbung meiner Erinnerung. -

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