Montag, 22. September 2014

Menschen guten Willens sind die „Vor-Vorgestrigen“ – Marsch für das Leben 2014

Die Hand eines zwanzig Wochen
alten Kindes greift nach der
seiner Mutter
Der Berliner Kurier schießt dieses Jahr für mich den Vogel ab – wenn es auch ein häßlicher ist (passend zum Online-Header dieses virtuellen Fishwraps):
13 Uhr wirds voll am Hauptbahnhof. Die Teilnehmer werden weiße Holzkreuze und Schilder mit der Aufschrift „Ungeborene sind keine Rohstoffe“ durch Mitte tragen. Klingt erstmal vernünftig. Doch es steckt mehr dahinter.
Also, so kann man es natürlich auch machen. Logisch, wenn etwas vernünftig klingt, aber von denen kommt, die ich sichtlich gefressen habe, muß natürlich „mehr dahinterstecken“. Das, obwohl der Gesetzgeber findet, die Würde des Menschen sei unantastbar und es sei Ziel aller staatlichen Gewalt, sie zu achten und zu schützen. (Ich will nicht sagen, es läge daran, daß viele Menschen Artikel 1 des ersten Absatzes unseres Grundgesetzes auf Nachfrage nicht einmal zu nennen wissen, in der Tat ist aber letzteres so.)

Leute, ich hab das in gewisser Weise so über, von euch und anderen in jedem Jahr aufs neue in die rechte Ecke gestellt zu werden, weil ich ein Holzkreuz trage, an einer friedlichen Demonstration für das Leben teilnehme, und finde, daß Ungeborene keine Rohstoffe sind noch sein sollten. Satt habe ich diese Strategie, Menschen guten Willens dauernd mit Dreck zu bewerfen, in der Hoffnung, wenigstens etwas davon werde schon hängenbleiben und dann auszurufen, „Guckt mal, die sind ja ganz schmutzig!“ Wird mich das davon abhalten, beim nächsten Marsch für das Leben wieder mitzugehen? Wird es andere abhalten? Nein! Ärgerlich bleibt es trotzdem.

Über die unheilige Allianz, das mangelnde Demokratieverständnis und die Handlungsweise derer, die den Marsch für das Leben gewaltsam (durch Aktionen wie unter anderem die Schändung von Kreuzen, das Werfen mit Farbbeuteln und das Schlagen[!] von Teilnehmern) gestört haben, schreibt Marcus Böttcher von der Berliner Zeitung, der Die gruselige Allianz der Vor-Vorgestrigen titelt, kein Wort. Dabei ist das viel gruseliger.

Papst Franziskus hat sich mit den Teilnehmern durch Gebet und Segen verbunden und geht in Rom auch selbst mit, wenn der dortige Marsch vom Kolosseum zum Petersplatz zieht. Wahrscheinlich auch wieder so ein Vor-Vorgestriger… 6000 (in Worten: sechstausend) Menschen guten Willens sind nach zurückhaltenden Schätzungen der Polizei in diesem Jahr in Berlin dem Aufruf zum Marsch für das Leben gefolgt, und im nächsten Jahr werden es wieder mehr.

Kommentare:

Norbert hat gesagt…

Ich war dabei - soviel Haß und Anpöbelei habe ich noch nicht erlebt. Es wurden von Autonomen Kreuze zerbrochen und entweiht, es wurde versucht die Demo zu sprengen, man wurde mit übelsten Sprüchen beleidigt, vor mir in der Demo wurde eine geistig behinderte Frau mit Farbe beworfen und war anschließend völlig verängstigt. Für mich kann es nur heißen: das nächste Mal werde ich wieder teilnehmen und andere mitnehmen.

Bartimäa hat gesagt…

Hallo, weil ich grad über Deinen Artikel gestolpert bin, möchte ich exemplarisch Dir stellvertretend für all die anderen 4999 Teilnehmer meinen Dank aussprechen. Ich finde es toll, dass Ihr das trotz all der Anfeindungen Jahr für Jahr so durchzieht.
Ich hatte auch mal darüber nachgedacht, ob es nicht eine gute Sache wäre, sich daran aktiv zu beteiligen, aber abgesehen davon, dass ich mir eine Berlinreise grad nicht leisten kann, hätte ich tatsächlich auch viel zu viel Angst.
Ich halte mich von allem fern, wo es potentiell zu Gewalt kommen könnte, und leider ist das ja auch bei dieser eigentlich friedlichen Demonstration nicht wirklich ausgeschlossen.
Umso mehr ziehe ich bildlich meinen Hut vor Eurem Mut! Danke! ;-)
LG, Bartimäa.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Bartimäa, danke. Allerdings war ich in diesem Jahr erstmals nicht dabei, da ich an diesem Wochenende nicht in Berlin war.

An sich ist der Polizeischutz (traurig, aber wahr) ganz gut, was aber Attacken einzelner nicht ausschließt. Ich werde trotzdem wieder hingehen. Gerade habe ich festgestellt, daß sich die Teilnehmerzahl in diesem Jahr seit 2012 (3000 Teilnehmer) verdoppelt hat. Das ist schon etwas!

Anonym hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes,
in einem Kreis von Demokraten gibt es weder rechte noch linke. es gibt nur Argumente, die mal von der einen und mal von der anderen Seite in die Mitte vorgetragen werden, sozusagen mitten unter die Leute, damit es alle besser erkennen können.
So ist es auch mit den ungeborenen. Sie kommen aus unserer Mitte, also aus unserem Kreis und landen mittendrin für alle als Menschen .
Manche wollen zusammen sein also Teil des Kreises sein aber ihm doch nicht angehören.
So als würde Demokratie funktionieren,
Wenn jeder niemand anderen wählen würde,
Und niemand sich selber auswählen ließe.

So als würde auch nur ein einziger Mensch geboren ohne die Qual der Wahl zwischen Frau und Mann.
So als wäre die Freude zwischen frau und Mann
Autonom und eigenständig existent ohne seinen
Gegenpart dem Leid.

Vielleicht aber ist all dies so gekommen, weil
Jahrhundertelang der Bund der Demokratie keineswegs kreisrund war, sondern Leibeigenschaft.
Und vielleicht auch deshalb weil jahrhundertelang Frauen in der Ehe nicht ihren Partnern gegenüberstanden, sondern den Besitzern ihrer Körper.
Nun wollten sie endlich sich selbst gehören,
Und vergaßen wer sie sind - menschgewordene Liebe,
Ewige Freude und ewiges Leid.

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