Donnerstag, 11. September 2014

Katholische Stilfragen

Es kann kommen was will, Frauen haben ihre eigenen Themen (deshalb verschwinden sie in Gesellschaft auch meist zu mehreren an den gewissen Ort). Etwa, ob dieses Outfit des Stabes einer Botschafterin am Heiligen Stuhl wohl das Rechte wäre?

Selber hätte ich – außer einem hohen Wiedererkennungswert – gar nichts dran gefunden, aber auf Facebook wird fleißig kommentiert und in der Luft zerrissen. Schreckschrauben, amische Röcke, Verkleidung, Heuchelei, oberpeinlich, et ceteri, et cetera. Gut, Schleier zum Hosenanzug „sieht nicht aus“, manche von uns haben, wie ich höre, dies aus sogar aus bischöflichem Munde vernommen. Aber sonst? Vorausgesetzt, der Rock ist ausreichend lang (einen der Röcke finde ich von daher leicht grenzwertig), warum soll man ihn dann nicht in der Länge tragen, in der man sich wohlfühlt? Wann sich dieses Gefühl einstellt, kann im übrigen in gar nicht allzulanger Zeit verschieben, wie ich schon vor der Kandidatur an mir selbst feststellen konnte. Wohl könnte ich knielange Röcke tragen, ich fühle mich aber sehr unwohl darin, warum sollte ich es dann tun?

Margaret Atwood schreibt im Report der Magd, allerdings über die totalitäre Republik Gilead, zu dieser Verschiebung der Wahrnehmung (die Mädge begegnen japanischen Touristen):
Ich kann nicht anders, ich muß sie anstarren. Es ist schon lange her, daß ich Frauen mit so kurzen Röcken gesehen habe. Die Röcke reichen bis eben über die Knie und die Beine sehen darunter hervor, fast nackt in ihren dünnen Strümpfen, auffällig, die hochhackigen Schuhe mit den an den Füßen befestigten Riemchen – wie zierliche Folterinstrumente. Die Frauen schwanken auf ihren mit spitzen Dornen versehenen Füßen, als gingen sie auf Stelzen und wären aus dem Gleichgewicht geraten; ihre Rücken sind in der Taille gebogen, der Po nach hinten gestreckt. Ihre Köpfe sind unbedeckt, das Haar frei und bloß in all seiner Dunkelheit und Sinnlichkeit. Sie tragen Lippenstift, das Rot umreißt die feuchten Höhlen ihrer Münder wie Kritzeleien an Toilettenwänden in der Zeit davor.
Ich bleibe stehen. Desglen neben mir bleibt ebenfalls stehen, und ich weiß, daß auch sie die Augen nicht abwenden kann von diesen Frauen. Wir sind gebannt, aber auch abgestoßen. Sie kommen uns unbekleidet vor. Wie wenig Zeit es gebraucht hat, um unsere Ansichten über solche Dinge zu verändern!
Dann denke ich: Ich habe mich früher auch so angezogen.
Muß oder sollte man sich als „Schreckschraube“ bezeichnen lassen, wenn man als katholische Frau irgendwo im wadenlangen Kleid oder Rock aufschlägt? Und nicht einmal irgendwo, sondern zur päpstlichen Audienz? Ich glaube nicht.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

"Einer der Rocke grenzwertig"

Ich denk schon die ganze Zeit darüber nach welcher der beiden, in meinen Augen gleich langen Röcke, Du grenzwertig findest und warum nicht den anderen.... :-)

Aber hier ist der Mann wohl wieder mit Blindheit geschlagen......

Braut des Lammes hat gesagt…

Sind die gleichlang? Mir kommt der linke etwas kürzer vor und auch enger, der rechte kräuselt sich wegen seines Saumes so gerade noch irgendwie zurecht.

Admiral hat gesagt…

Ich seh da keinen Unterschied..... Selbst bei Vergößerung.

Braut des Lammes hat gesagt…

Männer und Frauen sind wirklich verschieden.

Admiral hat gesagt…

Unbestritten!

Psallite Deo hat gesagt…

Also, wenn man es weiß, ist wirklich der linke minimal kürzer...
Wadenlange Röcke kann ich persönlich überhaupt nicht tragen, da seh ich aus wie meine eigene Großmutter - also entweder richtig lang (da muß man allerdings außerhalb von Konzerten oder Bällen aufpassen, daß es nicht overdressed aussieht, also einen rustikaleren Stoff nehmen oder so...), oder kurz, zwischen kurz überm Knie so eben unterm Knie - und dann einfach ne richtig blickdichte Strumpfhose, und das Problem ist erledigt...

Braut des Lammes hat gesagt…

Die blickdichte Strumpfhose hilft mir persönlich da nicht wirklich, es geht ja nicht ums Knie, sondern um das Ausmaß dessen, ab wann ich mich als nicht ausreichend angezogen empfinde. Bodenlang ist dann wieder eher was für abends, jedenfalls brächte ich das tagsüber nicht; für diese Länge bin auch zu klein, da sehe ich aus wie ein wandelndes Zelt.

Anonym hat gesagt…

Seht! Gottes Zelt auf Erden... ;-)

Psallite Deo hat gesagt…

Man muß sich selber natürlich wohl- und dem Anlaß angemessen fühlen, das ist klar (wobei manche sich so fühlen und es objektiv nicht der Fall ist - es gibt ja noch krassere Beispiele als auf diesem Bild - sehe ich regelmäßig bei Hochzeitsgesellschaften, wo die etliche schulterfrei laufen o.ä.)

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