Sonntag, 14. September 2014

Hilf uns, o lebensspendendes Kreuz – zum Fest der Kreuzerhöhung


Das lebenspendende Kreuz deiner Güte,  das du uns Unwürdigen geschenkt hast, Herr,  tragen wir zu dir hin als unsere Fürbitte. (aus dem Troparion zur Erhöhung des heiligen und kostbaren Kreuzes)

Einen Vorgeschmack auf das Fest der Kreuzerhöhung hatten wir unerwartet schon am Dienstag, als wir der 25. Wiederkehr der Konsekration Kardinal Sterzinskys gedachten und diese Messe in roten Paramenten als Votivmesse zum heiligen Kreuz gefeiert wurde. Weihbischof em. Weider hielt eine bewegende Predigt wie sehr Georg Kardinal Sterzinsky in seinem Leben das Kreuz erfahren und auch bewußt sein Leben unter das Kreuz gestellt hat. Besonders eindringlich finde ich die Worte der Präfation Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegründet.

Das Fest der Kreuzerhöhung ist eine Reminiszenz an die Kreuzerhöhung am Karfreitag, ohne deren vornehme Trauer. Stattdessen gedenken wir der Herrlichkeit des Kreuzes. Daß wir seiner Glorie gedenken können, ist wiederum nur möglich, wenn wir auf das schauen, was das Kreuz für uns bedeutet. Genauer noch als in unserer Sprache bringen die Lateinische (und auch die Englische) die doppelte Bedeutung des Festgeheimnisses zum Ausdruck: In exaltatione Sanctæ Crucis, exaltation of the cross, wobei exaltatio nicht nur die Erhebung, sondern auch das Hochgefühl, der Jubel ist. Wir sollen mit Stolz auf das Kreuz blicken und dankbar dessen gedenken, was für uns daraus geflossen ist. Die Liturgie verehrt das Kreuz als lebenspendend und kostbar, und wie recht hat sie damit. So rufen die Gläubigen in der ostkirchlichen Liturgie aus, „Juble, kostbares Kreuz! Hilf uns, o lebensspendendes Kreuz“, und ein diesen Ausfruf betrachtender Eremit schreibt dazu:
Wie kann das angehen? Warum rufen wir solches aus? Hat das Kreuz Ohren? Hat es eine Seele, daß wir zu ihm sprechen könnten, als wäre es lebendig? Natürlich nicht. Wir sprechen nicht zum Kreuz, sondern richten unsere Bitten an den, der, indem er ans Kreuz geheftet wurde, alle Kreatur vereint und allen Dingen Leben eingehaucht hat, sogar der unbeseelten Natur. Die dem heiligen Kreuz innewohnende Gnade erfüllt uns mit solcher Freude, daß wir sie nur ausdrücken können, indem wir das Kreuz selbst als Freund und Beschützer anrufen.
Für die verfolgten Christen unserer Tage hat dies eine bedrückend erscheinende Dimension. Wie kann für sie nun das Kreuz, an das sie vielleicht selbst geschlagen werden, „herrlich" sein? Und doch ist es das, denn in ihm liegen Heil, Leben und – Hoffnung! Möge ihnen wie uns das Kreuz Freund und Beschützer sein, in der Gewißheit, daß wir niemals verlassen sind, wenn wir darauf blicken.

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