Mittwoch, 16. Juli 2014

Präraffaelitisches

Verkündigungsszenen gibts ja die unterschiedlichsten, manche ältere finde ich zum Teil manchmal etwas unfreiwillig komisch anmutend, wenn das Erschrecken Mariens in einer Handbewegung angedeutet wird, als weise sie die vom Erzengel mitgebrachte Lilie mit einem „Bah!“ zurück oder überlege sich, wie man spiralförmig in Ohnmacht fällt.

Le porte de la Terre di Mezzo hat zum Hochfest unserer Lieben Frau vom Berge Karmel das Bild eines Präraffaeliten: Die heilige Jungfrau, in ihrer Kammer auf dem Bett sitzend, weicht ängstlich in eine Ecke zurück. Bald genug wird sie selbst eine Kammer sein, aus der ihr Sohn hervorgeht – aus seiner Mutter Kämmerlein geht er hervor als klarer Schein. Jetzt ist mir am Hochfest der Gottesmutter auf einmal wieder ganz adventlich zumute – schön! Der Engel wirkt etwas statisch, scheint aber unmittelbar aus dem Glanz Gottes herauszutreten. Das alles vor einem blauen Wandschirm, bitte schön! Ich kann nicht sagen, ob mir das Bild wirklich gefällt, es ist zum mindesten eigenartig.

Zu den Präraffaeliten muß ich gestehen, daß ich zu Hause John Everett Millais’ Ophelia als Mausmatte hatte und mich an der zarten Ausführung der Details nie sattgesehen habe. Für die präraffaelitische heilige Cäcilia John William Waterhouses dagegen gilt eher: genau so habe ich mir die hl. Cäcilia nicht vorgestellt, auf einem Balkonstuhl sitzend und relaxed das Martyrium erwartend.


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