Montag, 28. Juli 2014

Ein Marsupilami in Burundi

Seit Mitte Juli geht eine Meldung um die virtuelle englischsprachige Welt, derzufolge jemand, der früher Ted genannt wurde und ein Buch geschrieben hat, „the world's first openly transgender consecrated virgin in the Roman Catholic church“, nun im Begriff sei, in einen Konvent einzutreten, wodurch aus ihm nach der „first openly transgender consecrated virgin“ die „first openly transgender nun in the Roman Catholic Church“ würde. An anderer Stelle heißt es, derjenige sei bereits „nun-in-training“ (die erste, wohlgemerkt, die et cetera). Das wichtigste daran, wir ahnen es schon, war natürlich the first openly transgender…

Einerlei, was man von dem Phänomen Transgender halten mag – ich möchte das an dieser Stelle gar nicht vertiefen –, schon ob des ersten Teils der Meldung war ich nun doch ein wenig erstaunt: „the first openly transgender consecrated virgin“? Was kommt als nächstes – „the world's first openly transgender catholic priest “?

Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, an dieser Meldung, die es in der einen oder anderen Form in verschiedene größere Zeitungen geschafft hat, ist kaum etwas wahr, allenfalls, daß ein Buch geschrieben wurde. Auch scheint derjenige sich selbst gern farbenreich in Szene zu setzen, zumindest war das mein Eindruck. Darüber hinaus, selbst wenn, frage ich mich, ob man diesem Menschen oder auch der Kommunität, die ihn etwa aufnehmen wollte, wirklich einen Gefallen täte, wenn das vorher in dieser Weise durch das Internet gezerrt wird? Und ob sich Schreiber und auch Gegenstand derlei Berichterstattung das vorher ausreichend klar gemacht haben?

Also, die fragliche Person ist nicht eigentlich transgender, sie ist nicht geweihte Jungfrau, sie befindet sich nicht in irgendeiner Art der kanonischen Vorbereitung auf die Ablegung der Profeß und tritt nicht einen klausurierten, noch überhaupt in irgendeinen Konvent ein, weder bei den „Caroline sisters“ (an der Stelle habe ich mich gefragt, wer soll das denn sein? Aber neue Gemeinschaften gibts ja bekanntlich einige), noch bei den „Carmelite sisters“, noch auch bei den „Carmelite women“. Sogar London in Ontario wurde teils mit London in England verwechselt, nicht, daß das nun eine große Rolle spielte.

Zutreffend ist, daß derjenige intersexuell ist, als Junge aufwuchs und bis zum Alter von 30 Jahren als Mann gelebt hat. Nun hat er sich offenbar für ein Leben als Frau entschieden, warum, wissen wir nicht, müssen wir auch nicht wissen. Zutreffend ist auch, daß er oder sie sich selbst in der Vergangenheit via Bildchen mit Beschriftung auf Facebook als „Consecrated maiden“ etikettiert hat (was immer das sein mag [1]), und derzeit mit seiner geistlichen Begleitung prüft, ob es wohl eine gute Idee wäre, sich der Teresianischen Karmelgemeinschaft anzuschließen, etwas, das Frauen und Männer gleichermaßen tun können und das keine Aufnahme in den Stand des geweihten Lebens begründet. Eventuell (!) möchte man, nach der Erfüllung familiärer Verpflichtungen, in derzeit nicht absehbarer Zeit dann Karmelitin werden. Hierzu, siehe oben. Ich frage mich, was sie bei den Karmelitinnen davon halten werden?

Auch hat mich die Art und Weise, wie diese Berichterstattung überhaupt zustandegekommen ist und deren Ergebnis an das Stille-Post-Spiel erinnert, nur mit dem Unterschied, das hier, statt ins Ohr geflüstert, ziemlich viel getwittert wurde. Ein Tweet geht um die Welt. Was dabei herauskam, auch in namhaften Zeitungen, hatte Ähnlichkeit mit der versuchten Wiedergabe eines geflüsterten: 1983 hangelte sich ein Marsupilami in Burundi an den Mahagonibäumen entlang, um sich Kohlenhydrate zu verschaffen.

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[1] womit er/sie in er Tat der erste wäre, denn Consecrated maidens kennt die katholische Kirche nicht. Diese Bezeichnung wurde später medial teils übernommen, der Nächste hat dann im Wege der Flüsterpost gleich Consecrated virgin daraus gemacht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Stille Post, fürwahr! Wenn wir das Marsupilami-Spiel noch weiter treiben, dann kommt womöglich heraus, dass statt "consecrated" eigentlich gemeint war "dedicated" (in der Bedeutung von "engagiert") oder gar "constipated" (übersetz' ich nicht).

Pompous Ass

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Ergebnis des obigen Satzes lautet nach nur so etwa fünfundzwanzigmal Weitersagen übrigens Acht und drei sind Hexen und hängen neben einem Spaßvogel.

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