Montag, 30. Juni 2014

Vanitas vanitatum oder: es ist ein Irrsinn!

Kathedralenmodell in der Kathedrale –
Gullivers Reisen läßt grüßen
Seit einiger Zeit hatte ich schon den Eindruck, daß im Wege der Vorbereitungen auf die Umgestaltung des Kathedraleninneren einiges ein wenig …tütü würde. Diesen Eindruck brachte kürzlich ein hoher Geistlicher auf den Punkt, in dem er von „einem Irrsinn“ sprach (mit hörbarem Ausrufezeichen).

Konkret gemeint ist damit aktuell die Bekanntgabe der Entscheidung, für welchen der fünfzehn Entwürfe zur Umgestaltung des Kathedraleninneren, die in der Endausscheidung des Architektenwettbewerbs waren, man sich denn nun entschieden hat. Dabei werden die Modelle der Entwürfe, die es von den eingereichten 169 in die Endrunde geschafft hatten, den Gläubigen im Wege einer Ausstellung gezeigt. Nun findet diese Ausstellung nicht, wie man ohne weiteres meinen könnte, nur im Bernhard-Lichtenberg-Haus statt, sondern vorrangig, tada!, in der Kathedrale. Bis Ende Juli. Ich muß sagen, für eine solche Anordnung fehlt mir jedes Verständnis. Bei dem Kathedralenmodell, welches das Bistum für den Wettbewerb hat anfertigen lassen, konnte ich noch halbwegs nachvollziehen, wieso es in der Kathedrale steht, die Leute sollen wissen, wofür sie spenden (außerdem hat man, wenn man davorsteht, noch dieses lustige Puppenstubenfeeling, wenn etwas sonst sehr Großes auf einmal gleichsam „zum Spielen“ einlädt). Eine Kirche ist jedoch eine Kirche und eine Ausstellung eine Ausstellung. Gelegentlich mag es einmal Überschneidungen geben, wenn etwa Besucher einer Kirche ein sakrales Bau- oder Kunstwerk so besichtigen, als seien sie in einem Museum. Wir müssen doch aber als Kirche nicht noch selbst dafür sorgen, daß man die Kathedrale mit dem Guggenheim-Museum für moderne Architektur verwechseln kann!

Wegen der Ausstellungseröffnung – und das hat mir an dieser Stelle den Rest gegeben – wird übrigens erstmals seit ich weiß nicht wie langer Zeit am Dienstagabend keine Heilige Messe gefeiert, da die Eröffnung am nämlichen Ort natürlich unbedingt genau zur Zeit der Abendmesse stattfinden muß. Wer also den Herrn Weihbischof em. Weider gerne predigen hört, kommt am besten eine Woche später wieder oder so. Wirklich, staatliche Verfolgung und Unterdrückung, Bombenalarm vor der Staatsoper, Unwetter und schwere Umbauten um die Kathedrale herum haben uns nicht vom Meßfeiern abhalten können, aber diese Modellgeschichte kann es ganz offenbar. Eigentlich, dachte ich, die wichtigste und vornehmste Aufgabe der Kirche sei die Feier und Spende der Sakramente. Tja.

1 Kommentar:

Maid of Montserrat hat gesagt…

Oh ja, Kirche und Ausstellung muss man trennen! In dem Kloster, in dem ich meine Ausbildung gemacht habe, bekamen wir durch die kreativen Beratungen durch eine Werbeagentur (!) poetzlich vor die sakralen Kunstgegestaende so kleine etwa 1.5x1.5m grosse Alu-Würfel mit kunstgeschichtlichen Erlaeuterungen, Oberfläche in strahlendem Pink (super in einer schlichten Sandsteinkirche). Schon am ersten Tag haben wir beschlossen, dass die Wuerfel im Chorraum beim Stundengebet weg muessen. Seitdem umfasste die Vorbereitung auch etwas sportliche Aktivitaet, denn die Dinger hatten ihr Gewicht..... Tolle Ideen :-/

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