Sonntag, 8. Juni 2014

Hauchst in Hitze Kühlung zu – Pfingsten, die Sequenz, eine Hitzewelle und Seifenblasen

In jedem Kirchenjahr einer glücklichsten und erfülltesten Momente ist für mich der Gesang der Pfingstsequenz. „Flüchtig“ trifft es nicht einmal recht, denn wenn der Gesang auch schnell vorübergeht – um ihn etwas auszudehnen, summe ich auch die Teile mit, die die Schola vorsingt – so trägt man ihn doch eine ganze Weile im Herzen, in der Pfingstnovene und noch lange nach Pfingsten. Ganz verstummt dieses Flehen der Kirche wohl nie, im Kreislauf der Jahreszeiten nicht und auch nicht im Laufe aller Zeiten. Bis ans Ende der Erde werden Menschen den Geist darum bitten, daß er sie erleuchte, erfülle und entzünde, die dunkle Nacht zerreiße und Licht in ihre Welt strahle. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

Ein Grund, sich an der Pfingstsequenz zu freuen, so lange sie dauert. Irgendwie läßt mich die Geschichte über Paul VI. nicht los, der Tränen über die abgeschaffte Pfingstoktav weinte. Mit der Pfingstoktav ging auch die tägliche Wiederholung dieses wunderbaren Gesangs dahin. So hatte Papst Paul das sicher nicht beabsichtigt oder sich auch nur vorgestellt.

Hauchst in Hitze Kühlung zu singt sich bei 34 Grad wirklich aus ganzem Herzen und läßt einen diese zeitweilig völlig vergessen. (Ich hab zwar einen Talar ohne Ärmel aufgetrieben, dessen Saum hinter mir nicht auf der Erde schleppen würde, dieser war allerdings doch etwas lang und dabei so weit, daß er sich beim Ausschreiten um meine Beine gewickelt hätte, was zumal bei der Gabenprozession nicht das Rechte ist. Ich hätte allenfalls winzige Tippelschrittchen machen können wie eine von diesen Chinesinnen mit eingebundenen Füßen. Ich weiß gar nicht, ob es das Problem mit diesem Talar löste, wenn ich ihn beim Schneider kürzen ließe.)

Apropos Dahinschreiten in einer Prozession; liebe unbekannte Gläubige, die ihr vermutlich in einer der Konchen saßet: wenn vor dem Gottesdienst eine Ministrantin einige Gesangbücher und eine Lesebrille hinter der Kathedra deponiert, dann hat das schon einen Sinn, etwa den, daß die Gesangbücher später von der Prozession gebraucht werden. Für die Pfingstsequenz etwa hätte man sie doch sehr gern – viele Ministranten auch schon für die sechs Strophen des Eingangsliedes. Es macht dann und auch sonst keinen Spaß, wenn man nach dem feierlichen Einzug erst nochmal in die untere Sakristei hinunterwendeln muß, um noch mehr Bücher heranzuschleppen und gerade zur letzten Strophe noch zurecht zu kommen. Wenigstens haben sie mir die Brille gelassen.

Liturgisches Detail des Tages: heute stellte sich anstelle nicht kreierter Fazzoletti die Frage, warum man dem Kardinal nicht wie früher auch zur Händewaschung nach der Firmspendung Salz reichen kann? Stattdessen gibt man ihm so ein neumodisches Glibberzeug, mit dem er noch beim Lavabo nach der Gabenbereitung zu tun hat und größere Seifenblasen produziert. Hihi.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Salz? Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber ich kenne eigentlich nur die klassische Kombination aus Brot und Zitronen(scheiben), um die hl. Öle abzuwaschen?

Braut des Lammes hat gesagt…

Zitrone kenne ich wiederum nur aus der Literatur, von Brot habe ich dabei noch nie gehört Kardinal Sterzinsky pflegte man in einer Schale vor der eigentlichen Händewaschung so ein sehr grobkörniges Salz anzureichen.

Gabriele hat gesagt…

Tja, da beisst die Maus keinen Faden ab: es war Paul VI, der den Kahlschlag in der Liturgie verursacht hat, an dessen Folgen wir heute tragen.

Tarquinius hat gesagt…

Hier noch ein Bild von der Brot-Zitronenkombi mit frischgeweihten Priestern der FSSP:

http://2.bp.blogspot.com/_A5W-t7caxb0/SSvnPSMrxqI/AAAAAAAAAqA/P60LGVpRW14/s1600-h/IMG_6146.JPG

In einem Rubrikenbuch für Pontifikalzeremonien habe ich für die Firmung ebenfalls eine Anweisung für Brot und Zitrone gefunden. Das mit dem Salz hört sich aber natürlich auch ziemlich interessant an...

Braut des Lammes hat gesagt…

@Gabriele, auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, ich glaube nicht, daß Paul das so bewußt war, was mit manchem Federstrich passierte. Dazu hatte ich in der Vergangenheit schon einmal geantwortet:
Es geschah unter seinem Pontifikat, das ist richtig. Allerdings scheint er sich nicht aller Implikationen dessen, was die entsprechenden Kommissionen dann beschlossen haben, gewahr gewesen zu sein, denn es ist von ihm die Geschichte überliefert, wie er nach der Reform des römischen Kalenders am Dienstag nach Pfingsten in die Sakristei kam und sich darüber verwunderte, daß grüne Gewänder ausgelegt waren. Der Sakristan hielt ihm entgegen, die Pfingstoktav sei abgeschafft. Auf die Frage, wer sie denn abgeschafft hätte, antwortete man ihm, er selbst sei es gewesen. Darüber brach Papst Paul in Tränen aus.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für das Bild, Tarquinius! Ich gestehe allerdings, daß mich das wohl ebenso zum Schmunzeln bringen würde, wie später die Seifenblasen des Herrn Kardinals – es sieht aus, als wenn die da einen Salat für heiße Tage bereiten. Vielleicht noch etwas Ei dazu?

Prontopronto hat gesagt…

Das Längenproblem lösten wir in unserer armen Diasporapfarrei mit nur wenigen, alle gleich langen, dafür aber ärmellosen Talaren und ebenso wenigen, jedoch ganz verschieden langen Meßdienern mit zum Ring vernähten Gummibändern, die wir uns über dem Talar um den Leib schlangen und mit denen wir selbigen unter dem Rochett auf eine zweckmäßige Höhe schürzen konnten.

Psallite Deo hat gesagt…

Nimmt der Bischof bei der Firmung nicht Kleie, um die Ölreste abzukriegen?

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Im Haushalt hat sich Kaffeesatz bewährt... *duckundweg*

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