Samstag, 14. Juni 2014

Die Orange des Aquinaten

Manchmal hat man beim Übersetzen ja Spaß. Ich versuche mich grade an der Summa theologica des Aquinaten und bringe im Entwurf zu Papier, daß nach Ansicht des hl. Augustinus „diese Orange zuweilen durch Mißgeschick verletzt“ worden sein könnte.

So hab ich zwar Spaß, finde es aber trotzdem außerordentlich schade, daß es im Internet einfach keine deutsche Übersetzung des zweiten Teils der Summa zu geben scheint. Woran liegt sowas wohl? Dazu: I always wondered why somebody didn't just do something about it and then I realised that I am somebody.

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Soweit ich weiß gibt es aber englische Übersetzungen.
Ob es die online gibt, müsste man googeln, aber das hier sieht doch ganz vielversprechend aus:
http://home.newadvent.org/summa/

Die Amerikaner sind da eh ganz fit, was den Aquinaten angeht, so hatte ja die deutsche Thomas Gesellschaft sich vorgenommen alles verfügbare des Aquinaten auf deutsch herauszugeben, das ist aber durch den WKII dann irgendwie nicht vollendet worden.
Auf Englisch gibt es jedoch eine komplette Ausgabe.
Wie gut die Übersetzung ist,kann ich allerdings nicht sagen, da Thomas von Aquin viel zu groß für mich ist udn meine Lateinkenntnisse noch schlechter sind.

Tarquinius hat gesagt…

Die deutschen Provinzen des Dominikanerordens haben ihre begonnene Übersetzung der Summa in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts (für wichtigere Dinge?!) leider abgebrochen...

Braut des Lammes hat gesagt…

Daß es eine englische Übersetzung gibt, weiß ich, indes übersetzt man dann natürlich über den Umweg einer zweiten Sprache (was ich auch in der Tat grade tue) und hat immer noch das Problem, daß man Zitate, auf die der Aquinate sich bezieht, erst an anderen Orten suchen muß. Diese ebenfalls aus dem Englischen zu übersetzen, anstatt eine der bereits vorhandenen Übertragungen und deren Duktus zu benutzen, ist m. E. zwar möglich, aber vielleicht nicht unbedingt günstig.

Der Satz mit der Orange kam nach meiner weiteren Übertragung jedenfalls auf Daher sagt Augustinus, daß die Glieder des Leibes „durch allerlei Zufälle verwundet werden und Gewalt leiden…“ heraus.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Tarquinius – vielen Dank, schade eigentlich. Ich schicke dann mal ein Stoßgebet zu Beda, dem Ehrwürdigen.

Tarquinius hat gesagt…

Die englische Provinz des Predigerordens hat dafür eine vielbändige zweisprachige Version (das fand ich zum Erlernen besonders hilfreich) mit einem wirklich sehr nützlichen Kommentar herausgegeben...nur leider wird man sich diese nicht ohne größere Geldreserven beschaffen können.

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Wenn Du mich mit dem jeweiligen theologischen Kontext versorgst, stehe ich Dir bei jedem sprachlichen Problem gern zur Verfügung. Einfach mailen oder den Flakscheinwerfer mit dem Schatten-"Φ" in die Wolken richten…

Braut des Lammes hat gesagt…

Es geht um die Untersuchung 152 (q. 152) des Secunda secundae partis zur Virginitas. Mittlerweile hab ich allerdings schon einen größeren Teil übersetzt, ich wollte sowas heute nachmittag nur nicht mehrere Stunden am Stück machen, schon weil man irgendwann per Buchstabendreher „Orangen“ zu Papier bringt.

Anonym hat gesagt…

Wie wäre es hiermit?

http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel668-1.htm

http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel668-2.htm

http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel668-3.htm

http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel668-4.htm

http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel668-5.htm

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist es, vielen Dank. Mensch, wieso hab ich das gestern nicht gefunden? (Allerdings ist mir gestern schon aufgefallen, daß ich mich zu schlecht geredet habe, meine Übertragung des hl. Augustinus war eigentlich ganz gut). Danke jedenfalls nochmal.

Anonym hat gesagt…

Gern ;-) Wird meine heutige Sonntagslektüre. Somit Dank zurück.
LG von einer VC aus Österreich :-)

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Übersetzte Summa?
Ist das nicht was für Warmduscher, Duden-Benutzer und README-Leser?

Braut des Lammes hat gesagt…

Möglich - so hatte ich mich zwar noch nicht gesehen, aber zwei von dreien treffen auf mich zu.

(Den hl. Thomas nun auch noch unbedingt im lateinischen Original genießen zu wollen – vielleicht abends, auf dem Bett sitzend – hätte den Anflug der Haltung derjeniger, bei denen Heilige Messen immer nur gültig sind, wenn sie *vor* sechs Uhr morgens gefeiert werden und wenn einem das Aufstehen möglichst schwerfällt. Ahem.)

Anonym hat gesagt…

obiously off topic: zur Orange hätte ich doch noch eine Frage: Aus welchem Buchstabendreher in Verbindung mit dem heiligen Thomas ist sie denn bitteschön entstanden? Aus welchem Vorher wurde so ein schönes Nachher? (Bei mir kürzlich umgekehrt: Aus Taufbekenntnis wurde Tabletennis. Der Computer ist doch ein Schelm.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Einwand 3 Weiters scheint die Unversehrtheit des Fleisches im Siegel der jungfräulichen Reinheit zu bestehen. Jedoch ist zuweilen dieses Siegel erbrochen (gebrochen), ohne daß die Jungfräulichkeit verlorengegangen ist. Daher sagt Augustinus, daß die Glieder des Leibes „durch Mißgeschick verletzt worden sein könnten. Auch Ärzte tun zuweilen aus gesundheitlichen Gründen das, was zu sehen einen erschauern macht, und eine Hebamme war dafür bekannt, daß sie durch Berührung den Beweis dessen zerstörte, welchen sie suchte.“

Die Orange wiederum ergab sich, da ich im Fluß des Übersetzens statt Glieder des Leibes zuerst „Organe“ getippt hatte (im Englischen heißt es da organs bzw. bodiliy organs. Daraus macht man dann später natürlich wirklich besser die Glieder des Leibes, gleich nachdem ich mich ausgelacht hatte.

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