Dienstag, 6. Mai 2014

Wer kann zur Jungfrauenweihe zugelassen werden? Hingabe, Liebe und Treue – just my 2 cents

Einen interessanten und lesenswerten Beitrag zur Frage, wer zum Empfang der Jungfrauenweihe zugelassen werden kann, habe ich kürzlich bei Sr. Laurel gefunden, die den Blog Notes from Stillsong Hermitage betreibt.

Neben der Frage nach der Jungfräulichkeit, wie die frühe Kirche sie definierte und der heutigen Regelung für jene, die nach Can. 604 des Kirchenrechts als Jungfrau geweiht werden, geht der Beitrag vor allem auf gewisse Aspekte eines übersteigerten „Physikalismus“ ein, den man in jüngerer Zeit da und dort einmal findet.

(Zugleich wird noch einmal ausgeführt, wem die Jungfrauenweihe sicher nicht gespendet werden kann: solchen, deren Ehe für nichtig erklärt wurde und Witwen.)

Da und dort bin ich einmal mit Sr. Laurels Beiträgen nicht konform, in diesem Falle allerdings verstehe ich sie gut, schon weil ich eine Verengung dieser Frage auf biologische Kriterien für nicht weiterführend halte. Der Versuch der allzu genauen Abgrenzung mancher Dinge kann tatsächlich zu einer Art Elitarismus führen. Mir kommt all das Hauen und Stechen, wer sich mit Fug und Recht Braut Christi nennen dürfe, oder wer wahrhaftig eine Jungfrau sei, vor wie das Begehren der Mutter der Söhne des Zebedäus nach dem Platz zur Rechten und zur Linken Christi im Himmelreich.

Indirekt begegnet bin ich einer solchen Form des übersteigerten Physikalismus schon einmal, als ich davon hörte, daß Anwärterinnen eines bestimmten Säkularinstituts bereits im Vorfeld Fragen gestellt werden, die man eigentlich nicht einmal im Beichtstuhl erwarten würde. (Daß sie schon im Vorfeld gestellt werden, sollte hier eigentlich angesichts der Tatsache, daß solche Fragen immer den Rahmen der Diskretion sprengen, keine Rolle spielen, sie wirken nur vor dem Hintergrund, daß man einander ja zu diesem Zeitpunkt kaum kennt, um so eigenartiger. Ich wäre wahrscheinlich mit einem Äquivalent von „Gut, daß wir drüber gesprochen haben“ wieder entfleucht.)

Einige dieser Fragen berühren die Definition des Aquinaten über den Verlust der Jungfräulichkeit, freilich, ohne dabei genau ins Ziel zu treffen, denn der Aquinate spricht in diesem Zusammenhang vom Zustand der schweren Sünde, der überhaupt erst einmal erfüllt sein muß. Der Kernpunkt ist: sie betreffen Fragen des Gewissens der einzelnen Seele, Dinge, um die nur diese genau weiß und in die man nicht eindringen darf.

Der Ordo consecrationis virginum sieht in seinen Praenotanda als Voraussetzungen zum Empfang der Jungfrauenweihe durch Frauen, die in der Welt leben, unter anderem vor,
daß sie niemals eine Ehe eingegangen sind und auch nicht offenkundig ein dem jungfräulichen Stand widersprechendes Leben geführt haben 
und auch
daß sie durch ihr Alter, ihr Urteilsvermögen und durch ihre nach dem übereinstimmenden Zeugnis der Gläubigen erprobten Charaktereigenschaften die Gewähr bieten, in einem sittenreinen, dem Dienst der Kirche und des Nächsten gewidmeten Leben auszuharren.
Ich habe es immer schon für klug angesehen, daß die Kirche hier bestimmbare, ersichtliche Kriterien nennt und sich im übrigen weiterer dedizierter Ausführungen enthält. Wenn „offenkundig“ ist, daß zwei Menschen nicht nur den Tisch, sondern auch das Bett teilen, ist das ein der Jungfräulichkeit widersprechendes Leben. Kirchlicherseits eine Aufzählung der Fälle, wann genau das „offenkundig“ ist, darzulegen, wäre meines Erachtens nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch unwürdig. Dies widerspricht auch keineswegs der Korrespondenz zwischen Raymond Leo Kardinal Burke (noch als Erzbischof von Saint Louis) und der Kongregation für den Gottesdienst und der Sakramentenordnung in den Jahren 2005 und 2006.

Mit „übersteigertem Physikalismus“ ist oben nicht nur ein übertriebener Nachdruck, der auf bestimmte Aspekte gelegt wird, gemeint, sondern auch der Versuch einer allzugroßen Einengung des Begriffs Jungfrau, der Sr. Laurel zufolge in der Geschichte der Kirche immer viel eher eine Sache des Herzens (Hingabe, ewige Bindung und Treue) als ausschließlich von körperlichem Unberührtsein war. Hier besteht die Gefahr, in die bloßen – und öden – Gefilde der Biologie und Gynäkologie abzugleiten.
In other words, the requirements of canon 604, as these have generally been understood for the past 31 years do not require the intimate revelation involved in either sacramental or ascetical manifestation of conscience. It does not probe into nor invite one to probe into essentially private matters. Church teaching and canon law prohibit doing so because the very much higher value is the inviolability of conscience. It is my sense that the Church limited her definition of the requirements for (or impediments to) admission to consecration under canon 604 to those which are open and public for precisely this reason. In station the foundational requirement as she did she did NOT move into areas require subtle questioning or casuistry, much less actual manifestations of conscience.

Kommentare:

Angelofberlin hat gesagt…

Mich würde einmal interessieren, ob es in der katholischen Kirche auch für Witwen eine Möglichkeit gibt, sich in besonderer Weise dem Herren zu weihen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Die gab es jahrhundertelang, sie ist indes als Ritus in der lateinischen Kirche untergegangen. Es gibt meines Wissens seit einiger Zeit (wohl schon unter Johannes Paul II.) Überlegungen, einen Can. 605 zu schaffen und die Witwenweihe wieder einzuführen. Nach wie vor besteht ja auch die Möglichkeit, als Witwe in ein Kloster einzutreten. Bei Fr. Z. gab es vor einiger Zeit zur Witwenweihe einen Beitrag mit angeregter Diskussion im Kommentarbereich, in dem sich auch herauskristallisiert hat, daß es wohl besser sei, die Kirche überlege erst einmal wie sie die Stände, die sie derzeit bereits hat mehr einbindet, anstatt immer weitere zu schaffen (und dann letztlich nicht zu definieren, was diese Witwen eigentlich „tun“ sollen).

Ich glaub, dieser Beitrag wars: http://wdtprs.com/blog/2013/09/pope-francis-the-lord-has-a-special-love-for-widows-fr-z-calls-for-an-order-of-widows/

Angelofberlin hat gesagt…

Vielen Dank für die schnelle Antwort/info! Ist für mich persönlich von großem Interesse.

Psallite Deo hat gesagt…

Heißt das im Klartext, daß "Spätberufene" nicht geweihte Jungfrau werden können? Also wenn man z.B. ins Kloster eintritt oder Priester werden will, ist eine vergangene (sexuelle) Beziehung kein Problem, aber bei der Jungfrauenweihe schon?
Was macht man denn mit Leuten, die ein ausschweifendes Leben geführt haben und sich dann plötzlich bekehren und so eine Berufung bekommen, haben die dann einfach Pech gehabt, daß sie es sich nicht früher überlegt haben?
Ich dachte eigentlich immer, daß solche Gelübde generell erst ab dem Zeitpunkt gelten und nicht quasi "rückwirkend" - oder habe ich das falsch verstanden?

Anonym hat gesagt…

Offenkundig zu erläutern ist schlicht und ergreifend nicht notwendig, denn unter "offenkundig" versteht man im Kirchenrecht die Tatsache, dass etwas durch einen Zeugen oder ein Dokument belegt werden kann und ein Zeuge ist dann immer vorhanden.
Ich halte es für richtig, wenn man nicht erst kurz vor der Weihe vom Bischof gefragt wird - wie es schon mal vorkam und der Bischof dann den bereits bekannten Weihetermin absagen musste.
Jungfräulichkeit ist kein biologisch-nachweisbares Faktum (man denke z. B. an OP's etc.), bei der Jungfräulichkeit geht es darum, dass man sich keinem anderen hingegeben hat und da Frau sich sowohl Mann als auch Frau hingeben kann, und das in unterschiedlichen Praktiken, dürfte klar werden, dass es nicht um ein biologisch-medizinisches Etwas geht.
Man kann nur etwas schenken, was man hat und darum geht es in der Jungfrauenweihe, entweder habe ich mich bereits einem anderen hingegeben oder nicht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist richtig und auch mein Beitrag – wie der Sr. Laurels – behaupten ja nichts anderes. Der Schwerpunkt lag hier jedoch auf der Frage: sollte man durch Einflechten von immer mehr Bedingungen, die die Auslegung des Aquinaten, derzufolge Jungfräulichkeit verlorengehe bei der absichtlichen Erfahrung sinnlichen Vergnügens. in die man sich mit vollem Bewußtsein darum begeben habe, daß es sündhaft sei und es mit bedachter Zustimmung trotzdem getan hat (wir erinnern uns an die Kriterien für das Zustandekommen einer Todsünde) noch übersteigern? Die Antwort darauf lautet nein, weil man dabei den Boden der kirchlichen Lehre und Vorschriften verläßt. Zudem geraten jene, die die Kriterien, dessen, was Jungfrau zu nenenn sei, mehr und mehr verengen wollen, in ein gefährliches Fahrwasser: sie erheben sich über andere. Es geht, auch aus der mit Kardinal Burke geführten Korrespondenz, eindeutig hervor, daß es dem Ortsbischof obliegt, Kandidatinnen zur Weihe zuzulassen und für seine Diözese festzugelegen, ob er der Definiton des Aquinaten (nicht deren Zerrbild!) folgen möchte.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Psallite: in dem Fall wird die Kandidatin gebeten, zu prüfen, ob sie nicht einer anderen Berufung folgen möchte.

Vor der Priesterweihe bei der Ordensprofeß verspricht bzw. gelobt derjenige, fortan ehelos bzw. in vollkommener Keuschheit leben zu wollen. Vor der Weihe der Jungfrau lautet jedoch die erste Frage des Bischofs (Hervorhebung von mir): „Bist du bereit, bis an dein Lebensende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten und dem Herrn und deiner Kirche zu dienen?“ „Festhalten“ bedeutet hier, daß man dem früher schon gefaßten Entschluß bis ans Lebensende treu bleiben will.

Braut Christi - ohne Kloster hat gesagt…

Ich wollte kurz eine Antwort zu der ersten Frage geben, ob es in Deutschland auch die Witwenweihe gibt: Ja, gibt es. Mir persönlich ist eine Frau bekannt, die diese vor ein bis zwei Jahren im Bistum Mainz gemacht hat. Leider ist es in Deutschland noch zu wenig bekannt.

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