Sonntag, 4. Mai 2014

…und erbarme dich des generischen Maskulinums…

Das Western College Basketballteam von 1912
Vor einiger Zeit auf meinen Schreibtisch geflattert:
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

am Mittwoch, den 28.04.2014 findet der 13. Berliner Firmenlauf für Läufer/innen, Walker/innen und Skater/innen sowie für Rollstuhlfahrer/innen, Einradfahrer/innen und Handbiker/innen über eine Länge von ca. 6 km statt.
Mit so etwas hat man es hier nun dauernd zu tun. Ist doch völlig logisch, daß Läufer, Walker, Skater, Rollstuhl-, Einrad- und Handradfahrer sämtlich nur Männer sein können! Schließlich sind das auf den zugehörigen Piktogrammen ja auch alles Männer. Deshalb braucht man hier die Spezifizierung[1]. Erbarme dich, welchen Beruf oder welchen Sport gibt es denn noch, bei dem es solcher Silbenstecherei bedürfte? Stimmt, Sumoringerinnen hab ich noch keine gesehen.

In der Kirche ist es an manchen Sonntagen nicht viel anders, allerorten sind sie in den Fürbitten neueren Datums anzutreffen, die Laien und Laiinnen, die Christen und Christinnen, die Täuflinge und – ja was? Hier fragt man sich auch, was das soll, zumal es die Fürbitten akustisch noch verdoppelt? Steht irgendwie außer Frage, daß Frauen Christen und Laien sein können? Allenfalls fällt bei diesem bemühten Inklusivismus noch jemandem auf, wo er natürlich nicht zur Anwendung kommen kann… –

„Jeder oder jede, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm oder ihr geben werde, den oder die wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm oder ihr geben werde, wird in ihm oder ihr zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“ – Hätte Jesus am Brunnen von Samaria so gesprochen, wäre die Frau wahrscheinlich schreiend davongelaufen.

_____
[1] Es wundert mich allerdings, daß die Kilometerzahl im Gegenzug nicht auch männlich sein kann, wo doch die Länge schon nur weiblich ist.

Kommentare:

Archangelus hat gesagt…

Ich warte schon lange darauf, daß im Ave Maria auch endlich für die Sünderinnen gebetet wird.

Anonym hat gesagt…

Man kann das Genderkonzept auch übertreiben, wie hier in der Sprache. Wir können dann auch die Bigender, Crossdresser,Transmänner und Transfrauen, Intersexleute und das ausstralische Neutrum extra erwähnen..... Augen zum Himmel verdreh....
Nicole-Mathea

Psallite Deo hat gesagt…

Der Teller - die Tellerin, der Staubsauger - die Staubsaugerin, , der Hut - die Hütin, die Tasse - der Tasserich, die Hütte - der Hütterich..., die Badewanne - der Badewanner...
Geht doch ;-)

Übrigens hier einige Sumoringerinnen:

http://www.20min.ch/diashow/diashow.tmpl?showid=33252

Ich habe mal von einer Amerikanerin gehört, die sich total wunderte, daß sie in Deutschland als "Organistin" bezeichnet wurde, ihr Beruf wäre "organist" - da hat mans im Englischen wirklich leichter.
Ich persönlich würde mich auch durchaus angesprochen fühlen, wenn irgendwo z.B. eine Veranstaltung für Kirchenmusiker angeboten wird, allerdings würde ich von mir selber nicht sagen, daß ich der Kirchenmusiker der Pfarrei xy bin, sondern da die weibliche Form benutzen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Oh, I stand corrected: es tröstet mich immerhin, daß sie nicht nur im Lendenschurz ringen.

Von einer amerikanischen Schauspielerin ist der Ausspruch überliefert, sie bezeichne sich als Actor. Ein Actor sei jemand, der sich für seine Rollen interessiere, wohingegen eine Actress jemand sei, der sich vorwiegend für Wimperntusche interessiere. Auch ein Standpunkt.

Anonym hat gesagt…

Täuflinge? Bei Euch gibt's noch Täuflinge? Bei uns sind das natürlich die Taufbewerber*Innen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Jetzt, wo du's sagst…– wir haben Katechumenen bzw. Taufbewerber, beides aber ohne -innen. Wow!

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