Mittwoch, 28. Mai 2014

Darf mein Pfarrer mir das Tragen eines Schleiers (einer Mantilla) in der Kirche verbieten?

Anläßlich des Mantillencomics gestern beziehungsweise der Kommentare darunter ist mir die Anfrage einer Mitschwester vor einiger Zeit wieder in den Sinn gekommen, was ich davon hielte, daß die Schweizer Bischöfe den Jungfrauen das Tragen eines Schleiers untersagten?

Zunächst: ich kenne diese Vorgabe der Schweizer Bischöfe nicht, und es liegt mir auch fern, eine Bischofskonferenz zu belehren, ich wage aber zu behaupten, daß sie, zumindest, was den Gottesdienst betrifft, in dieser Beziehung keinen Bestand haben dürfte. Warum? Hab ich vor einiger Zeit freihändig im Gespräch formuliert, hier bei Fr. Longenecker ist es aber viel prägnanter ausgedrückt: No bishop or priest has the right to forbid what the universal church allows nor mandate what the universal church forbids. So würde ich das auch sehen, insofern kommen mir Versuche jeglicher Art, sich in dieses Thema reinzuhängen, tatsächlich etwas übergriffig vor.
To me this is crazy. Why would a priest have any objection to a woman wearing a veil to Mass? What business is it of his? The simple rule is this, “No bishop or priest has the right to forbid what the universal church allows nor mandate what the universal church forbids.”

If the woman wants to wear a veil, she can wear a veil. What get me is that I suspect the priest who doesn’t like the veil is really objecting to the woman’s take on her Catholic faith. Maybe he thinks she is a weird traddy or a dangerous conservative or whatever.
Wirklich zuweilen verstehe ich nicht, wieso sich manche so schwer damit zu tun scheinen, daß ein Angehöriger des geweihten Lebens möglicherweise als solcher erkennbar sein könnte. Jede Mennonitin kann sich auf den Schädel setzen oder legen, was immer sie möchte, jede Muslima zumal, die orthodoxen Jüdinnen haben die Snoot oder ihr Tichl, aber bei katholischen Frauen und geweihten Jungfrauen entblödet man sich verschiedentlich nicht, ihnen reinzureden.

Sollte mit dem Verweis auf die Schweizer Bischöfe allerdings die Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz für die Spendung der Jungfrauenweihe gem. Can. 604 CIC von 2006 gemeint gewesen sein: dort heißt es unter (20) Sie sollen sich nicht … durch eine eigene geistliche Kleidung auszeichnen. Eine „eigene geistliche Kleidung“ ist jedoch etwas anderes als ein Schleier oder eine Mantilla. Darüber hinaus gibt es meines Wissens zumindest eine Mitschwester, die das mit ihrem Bischof anders abgesprochen zu haben scheint (was iMHO auch des Bischofs gutes Recht ist).

Was Bischöfe sicher tun können, ist, Menschen, die nicht öffentlich die Profeß auf die evangelischen Räte abgelegt haben (bzw. sich in einem kanonischen Noviziat darauf vorbereiten) das Tragen eines Ordensgewandes zu untersagen bzw. eines solchen, das einem Ordensgewand so stark ähnelt, daß kein Unterschied erkennbar ist.[1] Hier muß man nun zwei Dinge voneinander trennen. Angehörige des geweihten Lebens, die nicht Mitglieder eines Ordens sind – wie etwa Eremiten oder geweihte Jungfrauen – können etwas tragen, was in der Historie der geweihten Jungfrauen als „die ärmliche Tunika“ erscheint, die die Jungfrau nach der Weihe zusammen mit dem Schleier zu tragen pflegte. Ich wage zu behaupten, daß es Umstände gibt, unter denen es sogar anzeigt scheint, dies zu tun, etwa, wenn ich einen Pfarrhaushalt führe, in einer kirchlichen Einrichtung arbeite, wo das Tragen eines solchen Gewandes im Alltag kein Befremden hervorruft, oder auch in einer nicht-christlichen Umgebung, in der man unter Umständen nicht verstehen würde, warum eine Frau allein lebt. In einem entsprechenden Gewand ist sie dagegen als Braut Christi erkennbar, was zugleich ihr Ausweis wie ihr Schutz sein kann. Solche Dinge gehören jedoch sicherlich zu dem, was man mit seinem Bischof besprechen sollte (wie auch anderes, etwa die Anrede „Schwester“).

Überhaupt haben Gewänder oder Insignien als solche natürlich eine gewisse Schutzfunktion – durchaus auch für den Träger selbst, das beginnt schon auf Reisen und hört dort längst nicht auf.

Was man dagegen nach nicht tun kann, zumal meiner Meinung nicht als Bischofskonferenz, ist, die Frage, kann ich beim Gottesdienst den Schleier tragen, der mir im Ritus der Weihe übergeben worden ist?, mit Nein zu beantworten, zum einen schon aus dem Grund nicht, der eingangs erwähnt worden ist: jede katholische Frau kann beim Gottesdienst einen Schleier tragen, und im Grunde genommen geht es außer Gott keinen anderen etwas an. Zum anderen: der Schleier, der im Ritus übergeben wird, gehört ja gerade zu den Insignien der geweihten Jungfrau, neben Stundenbuch und Ring. Davon, daß dieser Schleier nur im Rahmen dieser Feier getragen werden dürfe und später etwa nie mehr, ist nirgendwo die Rede. In der Tat erscheint diese Annahme auch einigermaßen absurd. Der Schleier ist das Zeichen, von der die Jungfrauenweihe lange Zeit ihren Namen hatte: Velatio virginum, Verschleierung der Jungfrauen, die der Bischof damals wie heute im Prinzip eigenhändig vornahm. Der Schleier wird unter den übergebenen Insignien als erstes vom Bischof der Frau übergeben bzw. aufgelegt mit den Worten
Trag den Schleier als Zeichen deiner Weihe an Gott.
Bewahre Christus unverbrüchlich die Treue. Vergiß nie: Um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen.
Eine buchstäblich zeichenhafte Handlung also, sowohl für die Jungfrau als auch für die Welt. Die Jungfrau wiederum ist selbst ein solches ekklesiologisches und endzeitliches Zeichen. Sie verweist auf auf die Liebe der Kirche zu Christus und das ewige Leben.

Inwieweit und in welchem Umfang die einzelne von ihrem Recht – wie es ein höherer Geistlicher mir gegenüber einmal ausgedrückt hat – diesen Schleier zu tragen, Gebrauch machen möchte, ist sicherlich ihre Sache.

_____
[1] Vor einiger Zeit ist mir eine Frau begegnet, die äußerlich nicht von einer Vinzentinerin zu unterscheiden war. Sie lebt in privaten Gelübden und trägt das Gewand mit Schleier deswegen. Da war ich dann doch etwas erstaunt. Daß dazu anscheinend noch niemand was gesagt hat oder deswegen eingeschritten ist, mag daran liegen, daß die Frau von einer Ordensschwester dem Anschein nach nicht zu unterscheiden ist und sie wahrscheinlich von den Gläubigen artig mit „Grüß Gott, Schwester“ gegrüßt wird.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Der Schleier wurde aufgelegt, wie ein Schleier der Ordensfrauen und wie ein (z.B. Karmel-)Skapulier. Es wird aufgelegt, nicht eigentlich zur Zierde, aber dazu gerne auch. Bischöfe, die das Tragen des Tuches ablehnen, haben keine Ahnung. Heute kann jede Frau entscheiden ob sie das Tuch tragen möchte, niemand zwingt sie. Dass es schon etwas Mut bedarf kann schon sein; etwa wie die kniende Mundkommunion.

Andreas hat gesagt…

Eigentlich erschließt sich mir überhaupt nicht, warum über die Selbstverständlichkeit, daß eine Virgo consecrata einen Schleier tragen kann / will / soll (was auch immer), überhaupt Diskussionen geführt werden müssen. Was treibt die Leute um, die sich an dieser Zeichenhaftigkeit stoßen?

Anonym hat gesagt…

Danke für das wunderbare Comic und für den Beitrag bzw. für die Beiträge zum Thema Schleier.
Ich bin Roma aus Polen und die Frauen in meiner Familie tragen während der hl. Messe alle Schleier in Bezug auf die Worte des heiligen Apostel Paulus und weil es einfach sehr schön aussieht! Und wahrscheinlich überwiegt das letztere!
Ich persönlich, als Mann, finde Schleier sehr schön und finde es traurig das Schleier häufig zu negativ bewertet werden!
Es ist eine alte würdige Frömmigkeit und bei geweihten Jungfrauen sowie Ordensschwestern gehört es dazu, außerdem sieht es einfach nur schön aus!
Gottes reichen Segen und den Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria! (die übrigens als Jungfrau praktisch immer Schleier trägt!)

Anonym hat gesagt…

In der Tat ist es bemerkenswert, dass - übrigens nicht nur in der Schweiz - von kirchlicher Seite Einwände gegen das Tragen des Schleiers bestehen.

Was das Tragen des Schleiers im Alltag betrifft, muss dies in der Tat sehr wohlüberlegt geschehen, damit beispielsweise eine Verwechslung mit dem Ordensstand unmöglich ist. (Insofern erstaunt das Beispiel in der Fussnote sehr.)

Doch wenigstens in der Hl. Messe, wo KatholikInnen ja unter sich sind, sollte Frau darauf hoffen dürfen, dass dieses Zeichen tragen zu wollen respektiert wird, auch wenn es nicht dem Zeitgeist oder den örtlichen Gewohnheiten entspricht.

Jeder kann in den Gottesdienst kommen, wie er es für richtig hält, nur die gottgeweihten Jungfrauen nicht?

Ja, genau. Das ist offenbar die Paradoxie unseres liberalen Zeitalters, dass Jungfrauen mit Schleier offenbar ein Ärgernis sind, und der Schleier ein Zeichen, dem widersprochen wird.

Eugenie Roth hat gesagt…

Könnte " No bishop or priest has the right to forbid what the universal church allows nor mandate what the universal church forbids." das was mit der FFI zu tun haben?
(Rhetorische Frage)

Anonym hat gesagt…

What the...das Tragen eines Schleiers ist eine private Entscheidung, eine private Geste der Frömmigkeit, zumal im Gottesdienst. Ich frage mich ernsthaft, warum da irgendeine Instanz glaubt, eingreifen zu müssen. Übel.

Psallite Deo hat gesagt…

Blöde Frage, aber darf nicht jeder zur Messe anziehen, was er möchte?
Ok, Männer setzen die Kopfbedeckung ab (bin mir allerdings nicht sicher, ob ich, wenn ich ein Mann wäre, bei den arktischen Temperaturen, die manchmal in den Kirchen herrschen, nicht darauf verzichten würde...), und ansonsten gilt: Schultern und Knie bedeckt (naja, ein Ausschnitt bis zum Bauchnabel schließt sich wohl von selber aus), aber darüberhinaus gibt es doch keine Vorschriften, oder doch?
Von daher hat der Pfarrer da eigentlich gar nichts zu melden, ob geweihte Jungfrau oder nicht, ob Schleier oder nicht oder was auch immer...

Braut des Lammes hat gesagt…

…sollte man meinen: zumal ich Fr. Longeneckers Kommentar „I wonder if he makes any objection to the gals who slouch into Mass chewing gum, wearing flip flops, a spaghetti strap halter top and hot pants?“ für zutreffend beobachtet halte.

@Anonym: wer als Virgo einen Schleier trägt, wird in der Regel nicht verwechselt oder man wird gefragt und sagt dann, wie es ist. Manchmal denke ich auch, selbst wenn die geweihte Jungfrau mit einer Ordensfrau verwechselt würde: wäre das nun so furchtbar? Vor einigen Jahren habe ich gelesen, das in einer Gemeinde eine Schwester im Habit gestorben sei und man habe in der Gemeinde erst anläßlich der Beisetzung erfahren, es sei eine Virgo gewesen. Was tut das, es sind beides gottgeweihte Frauen.

Anonym hat gesagt…

Danke für den Artikel! Mich regt es auch auf, dass die Schleierfrage vor VC so kompliziert, um nicht zu sagen ätzend ist.
Gleichzeitig gibt es Mitglieder von sog. "Gemeinschaften apostolischen Lebens", die rechtlich nicht einmal Ordensleute sind oder zum eigentlichen geweihten Leben gehören, die sich mit der allergrößen Selbstverständlichkeit "Schwester" nennen und Habit tragen.
Solange aber auch unter den VC die meisten "schleierfeindlich" eingestellt sind, wird sich da wohl nicht viel ändern.
Das ganze Gerede von Verwechslung mit Ordensfrauen zeugt m.E. von einem Stufendenken, dass die "richtigen" Schwestern wohl doch noch etwas heiliger sind. Wenn der Schleier das ureigenste Zeichen der VC ist, müsste eine Ordensfrau doch eher befürchten, mit einer VC verwechselt zu werden?! Wer macht sich eigentlich Sorgen, dass eine VC mit einer verheirateten "Laiin" verwechelt werden könnte!
Da geht mir wirklich der Hut - oder Schleier oder was sonst hoch!
Herzliche Grüße von einer Mitschwester, die lieber anonym bleibt.

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