Freitag, 23. Mai 2014

Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen…

Als ich gestern morgen von der Exkommunikation der Eheleute Heizer hörte, habe ich zugegebenermaßen eine ganze Zeitlang vor allem Genugtuung empfunden, auch hätte ich gern wie Bellfrell in seinem Beitrag zur Dreigroschenoper gegriffen und getitelt Martha, Martha, du entschwandest. Hier geht es zwar nicht mit „…und mit dir mein Portemonnaie“ weiter, aber mit „…und mit dir das rechte Verständnis des mystischen Leibes der Kirche“, aber das eiert so.

Und da sind wir auch schon mittendrin im Schlimmen: Das Verständnis Martha Heizers ist so weit entfernt von der Lehre der heiligen Kirche über die Einsetzung der Sakramente der Eucharistie und des Priestertums und den Aufbau des Leibes der Kirche, daß es einen graust. Daß es darüber hinaus auch vom gesunden Menschenverstand weit entfernt zu sein scheint, kommt noch erschwerend hinzu. Gesunder Menschenverstand ist etwas äußerst Wünschenswertes. Wenn etwa Heizer in maßloser Selbstüberschätzung nach der Veröffentlichung des Motu proprios Summorum pontificum durch Benedikt XVI. die Gläubigen aufforderte [jawohl!], „lateinische Messen nicht zu besuchen“, konnte man sich schon an den Kopf fassen und fragen, was hat die Frau eigentlich für ein Problem? Weder beschäftigt sich das Motu proprio mit lateinischen Messen im allgemeinen, noch ist eine Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus dasselbe wie eine lateinische Messe, noch geht es Frau Heizer auch nur einen feuchten Kehricht an, welche Messe ein anderer besucht. Hier kommt man dann bei Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen, aber nur eines ist notwendig heraus. Das eine, das notwendig ist, ist das Heil der eigenen Seele.

Zu diesem Wacholder hier, an dem ich jahrelang ab und zu vorbeikam, fiel mir immer übrigens immer „Wir sind Kirche“ ein: ein Ast schert aus, er bleibt zwar Teil des Baumes und wird von dessen Wurzeln genährt, scheint aber zugleich seltsam unverbunden. Ich habs übrigens ausprobiert, der Ast ließ sich nicht wieder in die frühere Wuchsrichtung zurückdrücken, da wo er war, gebärdete er sich, als wenn er was eigenes wäre. Und das ist der Grund, wieso mir dazu „Wir sind Kirche" in den Sinn kam: schon die Selbstbezeichnung klingt in meinen Ohren immer etwas hoheitlich exklusiv – wir sind Kirche. Da haben wir was eigenes. Irgendwann war der Ast dann weg, vielleicht abgesägt, vielleicht abgebrochen, vielleicht vertrocknet, wer weiß?

Nun also die Exkommunikation. Erst gab es wohl mehrfach Verwirrung darüber, wer nun exkommuniziert hat, entweder Papst Franziskus oder der Ortsbischof Manfred Scheuer oder die Eheleute Heizer sich selbst. Radio Vatikan hat hier offenbar mittlerweile etwas entheddert: zuerst hat die Glaubenskongregation festgestellt, daß sich die Eheleute durch wiederholtes Verstoßen gegen den Kanon 1379 des Kirchenrechts durch Tatstrafe selbst exkommuniziert haben.  Eines solchen Verstoßes macht sich kirchenrechtlich schuldig, wer ohne Priesterweihe das eucharistische Opfer zu feiern versucht. Wer darüber hinaus eine Sakramentenspendung vortäuscht, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden. Dies wiederum hat der Ortsordinarius dann den Betroffenen und der Diözese bekanntgegeben. Daß Papst Franziskus diese Entscheidung – wie ohne weiteres möglich – nicht höchstselbst getroffen, sondern dies der Glaubenskongregation überlassen hat, gibt einigen nun wieder Anlaß, den einen Papst gegen den anderen ausspielen zu wollen, indem man, im vergeblichen Versuch auch nur einigermaßen subtil sein zu wollen, die Entscheidung als „typisches Relikt des Kirchenverständnisses Papst Benedikts XVI“. bezeichnet, während der Geist der zukünftigen Weihnacht „der Geist von Papst Franziskus noch nicht im Kurienapparat angekommen“ sei. Das klingt so, als sei dieser „Geist“ noch unterwegs, käme aber sicherlich schon noch irgendwann an.

Tatsache ist, daß die Handlungsweise der Glaubenskongregation wie des Bischofs vor dem Hintergrund des Vorgefallenen gar nicht anders hätte ausfallen können. Wer, trotzdem er deutlich ermahnt wurde, immer wieder derart eklatant Geist und Recht der Kirche zuwiderhandelt, dem geschieht sicherlich recht, wenn dies nicht beständig ohne Konsequenzen bleibt.

Es spricht auch eine beredte Sprache, daß etwa die theologische Fakultät der Universität Innsbruck Martha Heizer eigens nahebringen mußte, sich nicht mit der Bezeichnung Theologin zu behängen, aus dem schlichten Grund, weil sie es nicht ist, sie hat nicht einmal Theologie studiert. –

Im Evangelium heißt es über die Verantwortung der Hirten für die ihnen Anvertrauten:
Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
und, im selben Atemzug Jesu:
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. (Mt 18, 15-18)
All dies ist hier geschehen, von der Zurechtweisung leider auch bis zu der Konsequenz: dann sei er für dich wie ein Heide oder Zöllner. Wieviel besser wäre es gewesen, den Bruder oder die Schwester zurückzugewinnen, indes müssen sie sich auch zurückgewinnen lassen wollen.

Das Simulieren einer Eucharistiefeier ohne Priester gehört zu den Delicta graviora (den schweren Vergehen), da macht man auch mit zuweilen anzutreffenden Euphemismen wie „priesterlos“ keinen Stich. Eine Heilige Messe kann nur ein Priester feiern, auch ist sie niemals, wie die Heizers wiederholt behaupteten, „privat“, da selbst, wenn die Feier einer Messe nicht allgemein angekündigt wird, Christus und das Handeln der Kirche immer in der Person des Priesters vergegenwärtigt werden, der die Messe feiert. Es gibt also keine „priesterlosen Eucharistiefeiern“, es gibt nur Eucharistiefeiern, denen dann natürlich ein Priester vorsteht.

Auch darf man sich ohne Weihe und Auftrag nicht einfach etwas nehmen, was einem nicht gehört, das steht schon im von „Wir sind Kirche“ viel beschworenen Neuen Testament: keiner nimmt sich diese Würde eigenmächtig, sondern er wird von Gott berufen. Sehr schön heißt es da übrigens über den Priester, daß er fähig ist, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der Schwachheit unterworfen ist.

Bei aller Befriedigung darüber, zumal angesichts des vorgetragenen Unverständnisses der Eheleute Heizer – man nehme das Dekret nicht an, da man auch das Verfahren nicht anerkenne[1] – fängt man irgendwann an, Bedauern zu empfinden: weil die Heizers um die Heilsnotwendigkeit der Kirche wissen und sich selbst außerhalb gestellt haben. Sehr gut hat das meinem Empfinden nach Stanislaus zusammengefaßt, wenn er schreibt
Es ist in der Tat sehr traurig, daß es in unserer Kirche Menschen gibt, die in ihrem – im wahrsten Sinne des Wortes – sündhaften Verhalten dauerhaft verharren und sich nicht zur Umkehr bewegen lassen. Wer sich darüber freut, der versteht offensichtlich etwas nicht ganz richtig.
Bischof Scheuer empfindet die Exkommunikation als Niederlage, weil man Martha und Gerd Heizer vor dem Anathema nicht zum Umdenken bewegen konnte. Man kann nur hoffen, daß die Heizers aufhören, sich viele Sorgen, Mühe oder Geschäfte zu machen, sondern sich auf das eine besinnen, das notwendig ist und sich zurück gewinnen lassen. Alle die das tun, haben buchstäblich das bessere Teil erwählt: das ewige Heil.

_____
[1]  Der Vergleich taugt nur eingeschränkt, aber kann ich wohl, wenn ich von einem weltlichen Gericht verurteilt werde – das im übrigen bei Reue und Umkehr den Urteilsspruch im Nachhinein nicht wieder aufhebt – auch sagen, ich nehme das Urteil nicht an, weil ich die Gerichtsbarkeit nicht anerkenne? Hier wurde meines Dafürhaltens gegen göttliches und kirchliches Recht verstoßen. Jedenfalls eine der zuständigen Gerichtsbarkeiten hat dann reagiert. Als nächstes mag der Fall vor dem jüngsten Gericht verhandelt werden.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Flotow, Flotow, man verkannte
deine Kunst in unsrer Zeit ...

Das Zitat - ach so garnicht fromm - dieser "Dreigroschenoper" zugeordnet ... das ist jetzt wirklich an Schlag in die Magengegend! ;-)

https://www.youtube.com/watch?v=vsofEoXR0x4

Braut des Lammes hat gesagt…

Flotow dichtete meines Wissens nicht …und mit dir mein Portemonnaie. Diese Fortsetzung von „Martha, Martha“ hatte ich aus Überzeugung zeitlebens der Dreigroschenoper zugeordnet, scheint aber einfach aus einem Lied aus den 20ern zu stammen. Na ja, Brecht rotiert deswegen wahrscheinlich nicht im Grabe.

Andreas hat gesagt…

Wo der Brecht routiert, ist mir eigentlich egal, ebenso wie Verballhornungen einer Szene aus einer der schönsten deutschen Spielopern ... solange das originäre Roß samt originellem Reiter nicht ungebührlich übergangen werden!

Sorry, aber hier bricht einfach meine "theatralische Sendung" durch ... ;-)

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Diese Angelegenheit macht mich wirklich traurig. :-( Aber ehrlich gesagt ärgere ich mich auch sehr über die WiSiKi'ler: in ihrer Reaktion schreiben sie doch tatsächlich: Wir haben diese Strafe erwartet. „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz“ müssen wir so zur Verantwortung gezogen werden. Mit dem Zitat aus Joh 19,7 in hervorhebenden Gänsefüßchen!

Damit parallelisiert das Ehepaar Heizer seine Exkommunikation mit der Kreuzigung des Herrn, und die Kirche, die die Strafe ausspricht, ist dann wohl der Mob derjenigen Juden, die rufen: „Kreuzige! Kreuzige!“

Ich muß ehrlich gestehen, daß ich das, ganz gelinde gesprochen, schon extrem frech finde.

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