Samstag, 31. Mai 2014

Gärtnersfreuden

Jude the obscure
Frühsport: Gießkanne füllen, den Laubengang runter und ums Haus marschieren: vier bis fünfmal. Eigentlich wäre im Garten nur wenige Meter entfernt ein Wasserhahn, von dem hat irgendein Heini den Hahn abgeschraubt. Also eiere ich mit der Zehnliterkanne ums Haus, dabei tun mir die im märkischen Sandboden vor sich hintrocknenden Rosen und Mahonien der Nachbarn auch noch leid. Grassamen auszupfen, Bestandsaufnahme bei den Rosenknospen. In der Hecke streitet sich derweil eine Singvogelfamilie.

Erfreulich ist, daß die Blattrollwespen nach ihrem ersten Versuch nicht mehr wiedergekehrt sind, und auch das Abstreifen der grünen Blattläuse von Hand neulich scheint erfolgreich gewesen zu sein. Hoffentlich habe ich jetzt nicht irgendeinen armen Marienkäfer brotlos gemacht! Eine der drei Rosen zum derzeitigen Liebling erwählen und ihr gut zusprechen. Sich fragen, was man mit den Vergißmeinnicht tun kann, die mittlerweile so aussehen, daß man sie vergessen kann, und welches Kraut sowohl mitten aus der Sternchenblume als auch aus dem Lavendel quasi über Nacht um mindestens 10 cm emporgeschossen ist? In meinem Lavendel bleibt das jedenfalls nicht; die Sternchenblume hat sich scheints schon freiwillig in ihr Schicksal ergeben.

Bis jetzt wächst alles, was ich gepflanzt habe, ganz ausgezeichnet, nur das mit dem gesäten Ruccola ging schief, von der angeblich „hochkeimfähigen“ Saat keimt jedenfalls nichts. Tja. Mittlerweile hat sich übrigens Juda, der Unberühmte, der nach dem Einpflanzen ja so etwas unberühmt aussah, zur schönsten meiner Rosen entwickelt, sehr gleichmäßig und buschig, von Blattrollwespe, Läusen und anderem Viechzeugs unberührt. Demnächst geht die erste Blüte auf. Malvern Hills, die ich allerdings auch später gepflanzt habe, hat dagegen eingesehen, daß sie eine Kletterrose ist, die über drei Meter fünfzig hoch werden kann und macht jetzt ordentlich voran.

Auch der Schnittlauch blüht…
Weiß jemand, was das ist?
Quer durch die Stadt um Gartenbauzentrum fahren – Samstags, also dann, wenn alle es machen, meist ist es aber gar nicht so schlimm. Man führt dort jedenfalls die nettesten Unterhaltungen, die meist mit „Haben Sie hier irgendwo Koriander gesehen?“ anfangen. Oder man tauscht sich über die Vorzüge von Ysop, Kürbissen oder Lavandula angustifolia (im Gegensatz zu irgendwelchen anderen Lavendelsorten) aus. Mit Befriedigung stelle ich fest, daß ich gut daran tat, bei den englischen Rosen sofort zuzuschlagen, mittlerweile gibt es vor Ort keine einzige mehr. Eigentlich war ich gekommen, Lupinen zu kaufen (Lupinen sollen zur Bodenverbesserung gut sein, außerdem hab ich beim Gedanken an Lupinen Monty Python’s Ballade über Mr. Moore im Ohr, der die Reichen bestahl, um den Armen Lupinen zu bringen. Absurd, wie immer). Die Lupinen hier sind mir aber zu monströs und zu schwer, muß die kleine Lupine zu Hause den Boden halt erstmal alleine verbessern. Schließlich ziehe ich mit noch mehr Lavendel – Lavendel scheint in meinem Garten sehr dankbar –, einem Zitronenthymian und einer Wicke von dannen. Letzteres ist vielleicht eine Verwechslung, ich glaub, ich wollte eigentlich eine Winde. Na, egal! Nach etwas Überlegung hole ich mir wohl noch vor Pfingsten eine Pfingstrose, die wirklich betörend duftet.

Abends oder am nächsten Tage gehe ich dann der befriedigenden Tätigkeit nach, bei Vogelgesang und leichtem Wind in der Erde herumzuwühlen, um das alles in sie zu bringen, träume von der Anschaffung eines hölzernen Klapptischchens mit Stuhl, versorge den leichten Sonnenbrand auf Nacken und Schultern und fange wieder mit dem Gießen an, während die Nachtigall von der Amsel übernimmt. Schön wars wieder!

Kommentare:

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Wenn's nicht zu frech wäre, würde ich Dir beinahe anbieten, den Kran für Dich zu deheinifizieren, damit Du die Gießkanne nicht hin und her schleppen müßtest; ich als Landmensch leide hier, wo man nicht selbst die Straße fegen, die Mülleimer hinausstellen, ja nicht einmal das Treppenhaus putzen darf, nämlich an ständiger manueller Unterbeschäftigung.

Anonym hat gesagt…

Hallo "Braut des Lammes",
ich lese Ihren Blog immer gern. Heute habe ich auch mal was zu sagen:
Das letzte Bild zeigt Unkraut, ich weiß nicht, wie es heißt. Ich habe es auch im Garten, obwohl ich es mmer wieder ausreiße.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich fürchte, der Heini könnte der Wart sein, der für das Haus marginal zuständig ist, er soll bekundet haben, es sei ihm egal, wie die Beete, Bäume und Sträucher vor dem Haus aussehen. Na dann, gute Nacht!

Braut des Lammes hat gesagt…

Lieber Anyomous, dein Beitrag ist leider versehentlich zuerst im Spamordner gelandet. Daß es sich um „Unkraut“ handelt, hatte ich mir schon gedacht (obwohl Unkraut auch Kraut ist). Nach Benutzung eines zwar etwas mühsamen, aber zielführenden Tools zur Unkrautbestimmung, das die Schar der Kandidaten auf wenige eingeengt hat, bin ich jetzt geneigt, es für das sogenannte „Franzosenkraut“ zu halten.

Wer das nicht im Garten haben will, reißt es am besten unbedingt vor der Blüte aus. Ansonsten kann man es aber anscheinend auch hervorragend essen, als Salat oder Pesto, weshalb es manche wiederum extra stehenlassen. Ich blogge demnächst im Selbstversuch zum Franzosenkraut.

Sursum corda hat gesagt…

Hm, die Weidenröschen, die sich bei uns immer wieder ansiedeln, sehen im jungen Zustand auch so aus. Sollten es Weidenröschen werden: undbedingt ausreißen, die vermehren sich wie Haare am Hund!

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke übrigens nach langer Zeit für diesen heißen Tipp, in der Tat war es ein Weidenröschen, über den Sommer hat es sich allerdings nicht vermehrt.

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