Sonntag, 6. April 2014

Zu Besuch bei den Orthodoxen

Blick vom Vorplatz (das Piktogramm gleich neben
dem Kruzifix ist vielleicht etwas ungewöhnlich)
Da ich es trotz guter Vorsätze umständehalber heute morgen nicht ins lateinische Hochamt geschafft hatte (seufz!) dachte ich, als ich es heute morgen durchs offene Küchenfenster der gerade bezogenen Wohnung läuten hab hören, gib doch zuerst Gott die Ehre und ging auf die Suche nach der Kirche, die da läutete.

Hieraus kann man zwei gute Nachrichten extrapolieren: erstens: es ist still genug, daß man ein Fenster dauerhaft öffnen und ein Geläut hören kann. Zweitens: es gibt eine Kirche in Hörweite. Ich hab die Kirche zwar nicht gefunden[1], bevor es aufhörte zu läuten, dafür aber eine hilfreiche junge Frau mit Kleinkind, die wußte, wo die Kirche steht (in Berlin ist das durchaus nicht selbstverständlich, auch ist die Kirche spontan nicht leicht erkennbar, aber – Überraschung! – es ist die serbisch-orthodoxe Gemeinde der Auferstehung Christi (die übrigens anscheinend nicht vor dem Gottesdienst läutet, sondern mehrmals mittendrin).

Nach Studium des Anschlagbretts und Suche nach einem Eingang, der nicht in Pfarrhaus führt, dachte ich, wenn ich schon mal da bin, gehe ich jetzt auch rein – es ist bekannt, daß bei den Orthodoxen die Leute mittendrin kommen und gehen, auch wäre ich, wenn mein Erscheinen Anstoß erregt hätte, halt unauffällig wieder entfleucht. War aber gar nicht so, obwohl ich weder Schleier noch Tuch dabei hatte (wie übrigens auch einige andere Frauen nicht).

Beim Anschlagbrett der Gottesdienstzeiten auf den ersten Blick verwirrend: Das Hochfest Mariä Verkündigung wird morgen gefeiert. Über die „Ostervirgil" – gleich mehrmals – mußte ich dann doch ein wenig schmunzeln. Die Karwoche wiederum wartet mit der Spendung der Krankensalbung auf, am Karfreitag gibt es königliche Stunden (ob das wohl sowas wie die Anbetung beim Kreuz ist?) und überraschenderweise und im Unterschied zur Westkirche um 18 Uhr eine Vesper – vielleicht schließen die königlichen Stunden damit ab. Ostermontag und Osterdienstag werden „Lichtermontag“ und „Lichterdienstag“ genannt, das klingt verheißungsvoll! Ostern fällt in diesem Jahr bei uns und bei den Orthodoxen übrigens auf denselben Termin.

nochmal der Vorplatz (ich mag so ungern
in der Liturgie fotografieren) –
der hl. Basilius bittet um
Spenden für den Kirchbau
Es ist der serbisch-orthodoxen Gemeinde gelungen, aus einem dieser typischen Fünfziger-Jahre-Bauten, die von außen eher an ein Hallenbad aus jener Zeit erinnern, eine durchaus „orthodox“ aussehende Kirche zu machen, mit Ikonostase und allem Drum und Dran. Die Ikonostase steht einfach vor diesen flächigen Buntglasscheiben der Fünfziger, was bewirkt, daß man kaum auf sie achtet. Allenfalls ist es vielleicht ungewohnt hell, orthodoxe Kirchen stellt man sich dämmrig vor, vom Schein der vielen Kerzen erhellt.

Als ich kam, war der Priester (wahrscheinlich der vor Ort vorhandene Erzpriester Seculic) noch dabei, mit Ministranten, die Leuchter hatten, vor der Ikonostase etwas zu singen und auch reichlich zu räuchern. An dieser Stelle beschloß ich, mich hinten hinzustellen – es steht ohnehin jeder – und ein wenig zu bleiben. Von der Liturgie hab ich natürlich kein Wort verstanden, vielleicht war das Kirchenslawisch, aber die Sprache ist es ja nicht allein, sondern, daß man vom Sinn und Zweck der Riten, die gerade vollführt werden, keine Ahnung hat. Als der Priester die Leute mit dem Evangeliar (?) gesegnet hat, das hab ich verstanden. Das Volk beteiligt sich offenbar hauptsächlich durch Metanien, also hab ich halt auch metaniert – sich mit dem Zeichen des Kreuzes zu waffnen ist immer gut und kann kein Fehler sein.

Bald schon zog sich der Priester mit Gefolge unter mehrstimmigem Gesang hinter die Türen der Ikonostase zurück, während das Volk weiter kleine Metanien vollzog. Mittendrin ein Moment des freudigen Wiedererkennens, das Volk sang: Gospodi pomiluj. –

Nach etwa einer Stunde bin ich dann gegangen, später hab ich beim genaueren Studium des Gottesdienstplans für die nächsten Wochen en passant – eigentlich hat mich die Gestaltung der Heiligen Woche interessiert  – festgestellt, daß offenbar regelmäßig wiederkehrend abends um sechs der Hymnos Akathistos gesungen wird. Da werd ich auf jeden Fall hingehen!

_____
[1] offen gestanden hatte ich nämlich vorher nicht nachgeschaut, welche katholischen Gemeinden es dort in der Nähe etwa gäbe. Die läutende Kirche hätte also bis auf vielleicht die Siebenten-Tags-Adventisten.alles mögliche sein können.

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