Dienstag, 8. April 2014

Wird das so bleiben oder wieder vorbeigehen? – Mit dem neuen Gotteslob unterwegs

Mittlerweile hab ich die schönste Gotteslobhülle weit und breit. Mit Kreuz, wohlgemerkt (es lag mir in diesem Zusammenhang mehrmals ein „Ätsch!“ auf der Zunge)[1]. Allerdings zieht mich das massive Gesinge des neuen Liedguts derart von der Andacht ab, daß ich mich frage, wird das so bleiben oder wieder vorbeigehen? (Ich war schon in Versuchung, stattdessen den Domorganisten oder auch den DKM zu fragen…) So singen wir etwa in dieser Woche jeden Abend das Agnus Dei Nr. 292, das zu allem Überfluß meiner Ansicht nach gar kein rechtes Agnus Dei ist, es ist ein Gottesknechtslied. Tja, da staunt der derjenige, der jeden Tag zur Messe geht, und der andere wundert sich. – Es ist das Lied des Monats, wenigstens das wird vorbeigehen.

Auch dieses „jüdisch“ klingende Lied Nr. sowieso wird nahezu täglich gesungen, und am Sonntag hat O Herz des Königs aller Welt, von dem wir vorher dachten, o wie schön, wenigstens das, sich als „falscher Freund“ herausgestellt, weil es auf die depressive Melodie von Herr, deine Güt ist unbegrenzt gesungen wird. Ich wußte, daß sich das Verpassen der lateinischen Messe an diesem Tag (und somit das Erfüllen der Sonntagspflicht zu späterer Stunde) als Fehler herausstellen würde, indes haben wir nicht jeden Tag eine lateinische Messe. Angehörigen früherer Generationen mag wohl es mit dem Gotteslob von 1975 nicht anders gegangen sein, ich bin indes mit jenem in der katholischen Kirche aufgewachsen. Ich würde einfach so gerne mal wieder Christi Mutter stand mit Schmerzen oder Wir danken dir, Herr Jesu Christ singen – Gesänge, wie sie für die Passionszeit eigentlich typisch und uns lieb und vertraut sind.

Mit Spannung (und geheimem Grauen) erwarte ich in diesem Jahr den Palmsonntag, denn der altehrwürdige Prozessionshymnus Ruhm und Preis und Ehre sei dir (Gloria laus et honor) ist nicht mehr im Gotteslob drin. Wie das hat jemandem einfallen können, ist mir unbegreiflich. Es bleibt uns noch Singt dem König Freundenpsalmen, darauf setze ich meine Hoffnung.

Um der Gerechtigkeit willen muß man sagen, daß es auch schöne Momente gibt, so gefällt mir der neue Traktus Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre so gut, daß ich ihn neulich sogar im Badezimmer [2] gesungen habe (ist das eigentlich beichtwürdig?). Und es gibt ein Gabenbereitungslied auf die schöne Melodie von Herr Jesus Christ, dich zu uns wend.

Natürlich ist es schön, wenn das neue Gesangbuch mit soviel Elan angenommen wird, mir allerdings macht es gerade dauerhaft das Gefühl, bei Protestantens zu Gast zu sein. Sowas halte ich aus, wenn ich weiß, daß es nur für dieses Gottesdienst der Fall ist (etwa eine ökumenische Feier, die ich zwar an sich meide, wenn ich aber mal da bin, dann ist es eben so). Wenn das jetzt allerdings jeden Abend und Tag meines Lebens so geht, bin ich reif für die Graunstraße.

____
[1] Disclaimer: nicht „Ätsch“, weil sie schöner ist, sondern weil nun doch ein Kreuz drauf ist.
[2] Dabei mir prompt wieder eingefallen, daß ich irgendwann mal festgestellt habe, daß die Juden für so ziemlich alles und jedes eine Beracha haben (schön!), nur eben nicht für jenen Ort.

Kommentare:

Speedy hat gesagt…

Darf ich fragen, weshalb Sie ökumenische Gottesdienst im Prinzip meiden? Zusammenkpnfite mit Nichtkatholiken hat zwar Pius X. verboten, aber spätestens seit dem Konzil ist dies uns nicht nur erlaubt, sondern wir sind aufgefordert, mit Christen anderer Konfessionen zu beten und Gottesdienste zu feiern.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das darf man fragen. Die Antwort ist, und das soll nicht harsch klingen: von einem ökumenischen Gottesdienst „habe“ ich nichts, ich kann dort weder ein Sakrament empfangen noch ist es die Liturgie der Kirche. Dann gehe ich lieber in die Heilige Messe oder zur Stundenliturgie.

Speedy hat gesagt…

Danke für Ihre Antwort. Das ist natürlich eine Sichtweise. Ich für mein Teil bevorzuge: das eine tun, ohne das andere zu lassen. :-)

Anonym hat gesagt…

also ich habe mir schon mal eine GL -Hülle in bunt mit Kreuz gehäkelt und bin froh , dass es noch kein neues GL in meinem Bistum gibt--brr, was da wohl auf uns im Altenheim zukommt??? Die älteren Herrschaften dort lernen doch nie und nimmer neue Lieder, sondern wollen bekanntes singen, wenn überhaupt.

Admiral hat gesagt…

... bin ich reif für die Graunstrasse.

Köstlicher Ausdrucksweise.

Und ehrlich gesagt nicht der schlechteste Ort um seine Sonntagspflicht zu erfüllen. ;-)

Psallite Deo hat gesagt…

Bei "O Herz des Königs aller Welt" verstehe ich die andere Melodie - bei uns kannte die alte kaum jemand.
Was mich mit am meisten nervt, daß es weg ist, ist die alte Nr. 293 - wenn man immer den Psalm durch ein Lied ersetzen muß, braucht man das dauernd, und 439 (302) ist eben nur so ähnlich und wird auf die Dauer langweilig (ich spiele nach wie vor beide auf die Mel. 395 (261), weil außer unseren Ordensschwestern niemand diese kirchentonalen drauf hat - ist zwar nicht ideal, aber dann kann man den Text wenigstens nutzen und hat etwas mehr Auswahl).

Was die mangelnde Andacht angeht: Man gewöhnt sich daran. Wir haben es seit Beginn des Advents, und ich weiß schon sehr viele Nummern auswendig, und man lernt mit der Zeit, wo die Stolperfallen sind (z.B. bei 277 (163)).
292 als Agnus Dei geht allerdings gar nicht, finde ich. Wir hatten diese Monatslieder nie, ich habe diese Fastenzeit 283 neu geübt und ansonsten die neuen Texte auf bekannte Melodien singen lassen.

Was findest Du so protestantisch an dem Buch? Das Layout? Oder die Liedauswahl? Klar fehlen einige wichtige Dinge (und manche werden auch immer schlechter, z.B. die deutsche Variante von Ecce lignum ist ja wohl ein Witz), aber zumindest im Bereich der neueren Lieder sind qualitativ hochwertigere drin als in diesen unsäglichen Loseblattsammlungen, die nun hoffentlich erstmal aussterben werden...

Anonym hat gesagt…

Mit faelllt schon schwer, dass ich bislang beim Anzeigen der Liednummer gleich wusste, welches Lied und welche Melodie. Aufschlagen unnoetig - und ich konnte im kontemplativen Mitfeiern bei geschlossenen Augen bleiben.
Und jetzt? Selbst die vertrautesten Lieder muss ich nachschauen, weil erstens unter anderer Nummer - und dann doch textlich oder in bezug auf die Melodie anders als gewohnt.

Bemerkenswert finde ich auch, dass gerade die routinierten Gotteslob-Benuetzer mit der Neuerung nicht zurechtkommen, dass nun oefter Texte weiterer Strophen unter die Melodie gedruckt wurden. Dann springen fast alle aus Gewohnheit von Strophe 1 zu Strophe 4, weil die als erste unter dem Melodieblock steht.

Wie sagt der Lateiner? Tempora motantur... - und man kann sich wirklich fragen: et nos?

Braut des Lammes hat gesagt…

Protestantisch ging auf das Gefühl, das ich angesichts der Liedauswahl die letzten Tage hatte – die Atmosphäre färbt auf den Gottesdienst ab bzw. ich kam mir, trotzdem es dasselbe Meßopfer ist, irgendwie fremd im eigenen Hause vor.

Zugleich verstehe ich die Verantwortlichen in der Bezug nicht recht: es ist ja nicht so, als wenn es nun gar nichts anderes gäbe, als die neuen Gesänge im neuen Gotteslob. Dankenswerterweise sind ja noch alte und vertraute Gesänge da. Bei der Überpräsenz des neuen Liedguts auf den Liedplänen sind den Gläubigen diese allerdings nun auch genommen, zumindest zur Zeit.

Loseblattsammlungen gabs hier gar nicht, aber zwei erfreulich traditionellen Diözesananhänge.

Anonym hat gesagt…

http://de.gloria.tv/?media=593917

hier bitte mal schauen, die schönste Gotteslobhülle habe nämlich ist...selbst gehäkelt,lol
schöne Grüße von der Eremitin ,deiner Mitschwester aus dem Bistum Mainz

Anonym hat gesagt…

also ich konnte mir heute erst zum ersten Mal mein GL kaufen und finde es auch sehr protestantisch angehaucht.. schon der Begriff Tagzeitenliturgie statt Stundengebet der Kirche und vieles mehr. Auch die persönlichen Gebete sind alles andere als ansprechend und mman schaue mal die Autoren an: Jörg Zink etc. Schade, wieder eine katholische Chance vertan und wir müssen nun alles neu lernen und total umdenken. Übrigens das mainzer Buch hat keinerlei Logo ader kreuz auf der Vorderseite.

Anonym hat gesagt…

Heute war nun endlich auch mein neues Gotteslob da -- ich finde es noch sehr gewöhnungsbedürftig: vor allem die persönlichen Gebete, die teilweise beinahe zum Fremdschämen sind, alle sehr platt und oft nur auf eine einzige, ganz bestimmte Situation passen: etwa das Gebet für Arbeitslose, die an einer vielbefahrenen Straße im Erdgeschoß wohnen.
Auf so manches neue geistlose Lied, das nur aus einer einzigen Anakoluth von brachialreimenden Nominativen bestehen, hätte ich auch gut verzichten können.
Bei den überbordenden Regieanweisungen -- etwa, daß man zum Bekreuzigen mit Weihwasser die Fingerspitzen in Weihwasser tauchen soll -- bin ich mir noch unschlüssig: ich finde es ein bißchen peinlich, so oft im neuen Gotteslob daran erinnert zu werden, daß es offenbar Leute gibt, die so etwas nicht wissen; anderseits ist es für manche wahrscheinlich wirklich nützlich zu erfahren -- allein: was haben die wohl (spätestens) im Kommunionunterricht gemacht, wenn sie da das Bekreuzigen nicht gelernt haben?
Schön ist, daß nun oft die lateinischen Texte neben den deutschen zu stehen kommen; schade ist, daß es nur das unfeierliche dritte Hochgebet ins Buch geschafft hat; seltsam ist, daß "Nun kommet, ihr Christen" und "Adeste fideles" zwar auf dieselbe Melodie gesungen werden, die sich aber um einen Halbton unterscheidet.
Froh bin ich darüber, daß die Kinderzeichnungen beim Durchblättern viel weniger auffallen als die bunten Gemäldereproduktionen.

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