Sonntag, 27. April 2014

Wir basteln uns einen Garten

Da ich nun im Grünen wohne, kann ich einer seit langem unerfüllten Sehnsucht nachgeben: gärtnern. So trieb es mich am Freitag und gestern hinaus in das Gartenbaucenter meines Vertrauens. (Es ist das meines Vertrauens, weil es das einzige ist, das ich schon mal gesehen habe. Immerhin hat es einen renommierten Namen; aus beiden Gründen nehme ich in Kauf, daß es JWD liegt. Andererseits: tun Gartenbaucenter das nicht immer?) Unterwegs komme ich an traumhaften Gärten in leider gar nicht traumhafter Umgebung vorbei. Bei mir ist es wenigstens umgekehrt!

Vor Ort erstand ich neben einer englischen Rose, die wunderbare gefüllte und zartrosa Blüten hervorbringen soll, vor allem Kräuter, Rosmarin, Thymian, sowas alles, Rosendünger und eine hübsche Schaufel zum Graben. Bei einem zweiten Abstecher ins Gartenbauzentrum (der Transport!) holte ich neben weiterem Kräuterzeugs dann noch Juda den Unberühmten, für den ich mich zuvor schon aufgrund seines Namens interessiert hatte, aber auch, weil die Rose für ihren herrlichen Duft bekannt ist. Leider benahm er sich nach dem Einpflanzen auch genau wie es seinem Namen entspricht und sah ziemlich unberühmt aus, er ließ traurig die Blätter hängen und wollte auch nicht wirklich gern aus seinem Container heraus. Da das nun gerade die zweite Rose war, die ich überhaupt im Leben gepflanzt habe, machte ich mir prompt Sorgen, zog Erkundigungen ein und kam zu dem Schluß, daß es wohl die Sonne gewesen sein muß, die beim Pflanzen schon ziemlich weit oben stand; mir war selbst ziemlich heiß. Mittlerweile hat er sich scheints erholt.

Wisley dagegen sah nach dem Einpflanzen gleich sehr hübsch aus und hat innerhalb eines Tages die erste Knospe hervorgebracht. We are amused. Zwischendurch kam eine Hummel vorbei, groß wie ein Kolibri, und ein Schmetterling, die haben sich das schon mal angeschaut.

Heute[1] hab ich dann zu guter Letzt (oh really?) noch eine englische Kletterrose gepflanzt. Ich sehe aber schon, daß ich jetzt schlecht aufhören kann und die Sache hohes Suchtpotential hat. (Zum Beispiel gelüstet es mich jetzt noch nach The pilgrim. Aber: gleich drei gelbe Rosen?) Wirklich, sowas wollte ich immer schon! Möglicherweise hab ich auch alles falsch angestellt, da ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit vorher nicht Gebrauchsanweisungen gewälzt habe, dann hat es aber wenigstens Spaß gemacht (den Garten vorher umstechen ist, falls sich jemand gewundert hat, offenbar völlig aus der Mode gekommen). Als nächstes errichte ich dann ein Insektenhotel – ob vier Insektenhäuser auf ein Hotel gehen, wie beim Monopoly, hab ich noch nicht ergründet. Jedenfalls rechne ich mit baldigem Bezug durch wohnungssuchende Insekten, gestern flog eine Hornisse durch meine Wohnung.

vorher: vorbei an traumhaften Latifundien, leider
in alptraumhafter Lage, und hübschen Hausnummern
(weiß jemand, wie diese Schrift heißt?)
immer noch vorher: demnächst kanns losgehen
bitte sehr: die erste Rose ist im Boden
Jude the obscure vor dem Einpflanzen
…das beabsichtigte Endergebnis sieht eigentlich so aus
nachher
am nächsten Tag machte Gott der Herr
eine Rosenknospe

___
[1] Dabei stellte sich am Sonntag die Frage: ist Gärtnern „knechtliche Arbeit“? Ich hab es jetzt mal verneint. Soll ich die Pflanzen verkommen lassen? Das pietistische Umfeld bei uns zu Haus wollte meinem Vater das Bohnenstecken am Sonntag jedenfalls verwehren.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

In meinen Tagträumen vom idealen Leben bewohne ich eine Eremitage mit Kapellchen, einem großen Gemüsegarten(mit Rosen dazwischen)und einer Ziegenwiese, aus deren Milch ich Käse herstelle. Im realen Leben hab ich den Nonnen ein Stück Garten abgeschwatzt, aber dann damit nichts zustandegebracht: Bin kein Gärtner... seufz...und irgendwann hab ichs zurückgegeben.Aber ich beneide die Leute immer um ihre Gärten.
Nicole-Mathea

Braut des Lammes hat gesagt…

Den Traum von der Alm (mit oder ohne Kapellchen) habe ich auch gewälzt. Wenn es mit dem Gärtnern nicht klappt, könntest du es mit dem Käse versuchen – mittlerweile gibts anscheinend Anlernkurse für Senner(innen) in der Schweiz.

Anonym hat gesagt…

am Weg zum Garten und zum Hauseingang darf Lavendel nicht fehlen...
LG
Klaus

Braut des Lammes hat gesagt…

Ist bereits im Garten drin, sogar mehrmals, danke!

Anonym hat gesagt…

schöner kleiner Garten--wir haben beim Haus einen Ziergarten für alle und ich einen Balkon, den ich gerne immer wieder neu dekoriere. LG Karin

Anonym hat gesagt…

Hihi, wenn ich zu alt für die Krankenpflege werde, dann steig ich um auf Käseherstellung....
Nicole-Mathea

Hermine Tuzzi hat gesagt…

Zur Hausnummernschriftfrage:

Die Schriftart der Zahlen auf den Berliner Hausnummern kann man so ohne weiteres gar nicht genau angeben: Zahlen wurden in der Vergangenheit oft unabhängig vom Schnitt der Buchstaben eingesetzt, und gerade bei Schablonen, wie sie bei den Emailhausnummernschildern zum Einsatz kamen, hat es womöglich gar keinen vollständigen Schriftsatz gegeben. Nichtsdestoweniger kann ich Dir, da ich auch Berliner Hausnummernschilder mit Buchstabenzusatz kenne, verraten, daß es sich um eine fette Bodoni handelt. Das muß aber nicht unbedingt heißen, daß die Zahlen, die bei einer beliebigen Bodoni dabeisind, notwendigerweise genauso aussehen wie die auf den Hausnummernschildern, denn in früheren Zeiten wurde jeder Schriftschnitt einzeln konstruiert, so daß sich Zahlen und auch Buchstaben von Schriftgröße zu Schriftgröße unterscheiden können, zumal bei übergroßen Schriften wie etwa Plakatschriften (die in Holz oder Gummi geschnitten wurden) oder hier bei Schablonen für Schilder.

Das war jetzt lang und off topic -- ich hoffe, Dir dennoch gedient zu haben. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke vielmals, solche Zahlen hab ich gesucht. Sie sind zwar in den verschiedenen Bodonischriften durchaus verschieden
Bodoni SvtTwo fand ich hier aber einigermaßen äquivalent. Ich wollte nicht die ölfdrölfzig Schriften meines Apfels alle durchprobieren, da wird man ja rammdösig…

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