Mittwoch, 16. April 2014

Mittwoch der Karwoche – das hundertste Schaf


Die Frage, warum die Liturgie der Karwoche das Evangelium über den Verrat des Judas der Heiligen Messe vom Dienstag zugeschlagen hat, verwirrt mich jedes Jahr aufs neue ein wenig, wenn es soweit ist. Die Tradition der Kirche sieht nämlich den Mittwoch als den Tag des Verrates, was auch ein Grund ist, warum viele zusätzlich auch am Mittwoch einer Woche Abstinenz üben oder fasten.

Besser als im letzten Jahr kann ich es in Bezug auf Judas heuer auch nicht ausdrücken. Auch die Kirche läßt ja die Frage, wo Judas sein mag, offen – über welchen Menschen könnte man sagen, er sei der Hölle verfallen, ohne zugleich an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln?

In der Basilika Ste. Marie-Madeleine von Vezélay, die das Ziel vieler Wallfahrten ist, gibt es eine steinernes Kapitell einer Säule, die, von einer Seite aus betrachtet, den erhängten Judas zeigt, für immer hoffungslos scheint er da zu hängen, von eigener Hand gestraft, die Zunge quillt ihm aus dem Mund. Eine andere Ansicht desselben Kapitells zeigt Christus zwiefach als den guten Hirten, einmal als den, der sich den Leib des erhängten Judas über die Schultern gelegt hat und ihn trägt wie das verlorene Schaf. Welcher Hirte ließe nicht die anderen neunundneunzig Schafe weitergrasen, um das eine zu suchen, das verlorenging? Und wenn er es gefunden hat, dann freut er sich, nimmt es auf die Schultern und trägt es nach Hause.

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