Montag, 21. April 2014

(M)eine kleine Nachlese zum heiligen Triduum

Die Klosterkirche der „rosa“ Schwestern
Die Messe zum letzten Abendmahl hab ich in der Kathedrale mitgefeiert. Eigentlich ist das dort am Gründonnerstag immer ganz schön, schon wegen der großen Zahl von Priestern, die alle zusammen …das ist heute singen; wenn auch die Kommunion leider nur unter einer Gestalt gereicht wird. (Von Jahr zu Jahr frag ich mich, warum eigentlich? Es sind genug Priester da.)

Bei der Fußwaschung gibt es auch immer irgendwelche Eigenartigkeiten, im letzten Jahr hatten wir die Frau, die statt ihres Mannes fußgewaschen werden wollte (viel später kam heraus, daß es anscheinend im Vorfeld ein sprachliches Problem und somit ein Mißverständnis gegeben hat). Vielleicht, damit sowas dieses Jahr auf keinen Fall passieren kann, waren zur Fußwaschung Priesteramtskandidaten gebeten. Damit entfiel auch die affige Ansage, daß die Teilnehmer am Mandatum „mit ihren Frauen“ die Kommunion unter beiderlei Gestalt an der Altarstufe empfangen (während das gemeine Volk Schlangen an anderen Orten am Geländer zur Unterkirche bildet). Ich war allerdings schon letztes Jahr erstaunt, wie schnell der Kardinal so viele Füße waschen kann und daß er dabei die Mitra auf dem Kopf behält. Gibt das Caeremoniale das echt her? Auch wenn die Fußwaschung, wie ich schon bemerkt habe, kein Re-inactment ist, bringe ich die Mitra mit dem demütigen Dienst Christi an dieser Stelle nicht recht zusammen.

Als weise hat es sich bei der Übertragungsprozession herausgestellt, die Gemeinde diesmal das Pange lingua ohne „Unterstützung“ durch den Chor singen zu lassen: die Gemeinde kann das nämlich a capella singen und den Ton halten, der Chor anscheinend nicht, weshalb wir im letzten Jahr tonal dann irgendwann erschreckend weit auseinander lagen.

An Gründonnerstag zieht es mich auch nach St. Hedwig, weil dort die Ölbergstunde still ist, das heißt, es gibt keine Zutextung irgendeiner Art[1] und es dräut auch keine Agape danach (die, die sowas wollen, kommen erst gar nicht in die Kathedrale). Ich finds immer etwas eigenartig, wenn nach der Messe vom letzten Abendmahl alle zur Agape hinausstürzen und den Herrn im Sakrament allein lassen, als stünde er auf einem sinkenden Schiff. Als dann irgendwann bei der Anbetung die Gedanken immer wieder mal unwillkürlich abschweiften zu diesen, die da mit nonchalantem Hüftschwung an Ziborium und Altar vorbeischwenkten, oder zu jenen, die in der Oberkirche der Kathedrale unter schallendem Gelächter sich austauschten, wobei man in der Unterkirche mühelos jedes Wort verstand, und daß dieses Ziborium leider aussieht wie eine Bettpfanne, kam mir Jesu trauriger Anwurf in den Sinn: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?, und ich dachte, ich kanns leider offensichtlich auch nicht, und sei es in Gedanken.

Im letzten Jahr hatte ich mir eigens eine Nachlese der Heiligen Woche geschrieben (und sie dann doch nicht veröffentlicht), aus dem alleinigen Grund, damit ich am Karfreitag auf keinen Fall nochmal in die Kathedrale gehe. Daß ich von Jahr zu Jahr vergesse, daß die Passion in Hedwig gesungen wird, ist vielleicht eine Gnade. Diese bringt aber jedenfalls mit sich, daß ich dann im nächsten Jahr drinsitze und wenn der Kammerchor anhebt, denke: Ach soo! Mist! Ungern schreib ichs: aber ich kann dieses konzertante Gesinge in der Karfreitagsliturgie nicht haben. Wenn die Choristen da über jedem Wort des Pilatus brüten und mit Fistelstimme „Kreuziget ihn!“ verlangt wird, während man eine gefühlte Stunde auf der Kirchbank sitzt und einem – horribile dictu! – der Kopf nach vorne fällt (und das bei der Passion unseres Herrn Jesus Christus), kann man sich schon nach den schönen Liturgien in der Akademie zurücksehnen, in denen einfach die Passion nach Johannes mit verteilten Rollen gelesen wurde.

Ich hatte aber das Glück oder die Ehre, Karfreitag und in der Osternacht bei den Steyler Anbetungsschwestern (die wegen ihres Habits zumindest im Karmel den Spitznamen „rosa Wölkchen“ weghatten) dienen zu können. Dort kommen nicht viele Auswärtige hin, ich mag aber dergleichen intime Liturgien gern: schlichte, solide Riten und sehr nette Priester. Auf diese Weise kam ich in diesem Jahr dann übrigens doch dazu, die Passion mitzulesen (am Karfreitag hab ich das noch nie gemacht und daher noch nie die Johannespassion gelesen). Leider ohne Allerheiligenlitanei und Taufwasserweihe mit Einsenken der Osterkerze in der Osternacht, dafür aber mit der Möglichkeit, am Karfreitag in aller Sammlung drei Fußfälle vor dem Kreuz zu machen und das Kruzifix zu küssen. Kommunion in der Osternacht unter beiderlei Gestalt, was man in der Osternacht fast nirgends hat, obwohl die entsprechenden kirchlichen Dokumente es doch „sehr empfehlen“. Am Schluß der Osternacht wurde auch noch der sakramentale Segen erteilt, mit einer Monstermonstranz (ein Oxymoron vielleicht, aber sehr schön).

Bedauerlicherweise liest man auch bei den rosa Schwestern in der Osternacht nur noch drei alttestamentliche Lesungen und die Epistel – irgendwie hatte ich hier mehr erwartet. Dahin scheint leider auch der schöne Antwortgesang Lobe den Herrn meine Seele nach der Lesung aus der Genesis, der für mich für die Osternacht irgendwie prägend war; meist hab ich ihn noch mit der Stimme des Kantors in der Akademie im Ohr.

Danach, also nach der Osternacht, wars mit der Agape im Sprechzimmer – mit Klausurgitter[2] drin – dann in Ordnung. Schnurrigerweise fand man nichts dabei, auch geistlichen Personen und solchen im gottgeweihten Stande Osterhasen zu schenken (ich könnte das ja nicht, aber auch auf meinem Fensterbrett sitzen jetzt zwei dieser Fruchtbarkeitssymbole, die irritierenderweise auch noch die Farbe der Fastenzeit tragen). Jedenfalls: schön wars!

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[1] Von Jahr zu Jahr landen Suchanfragen nach Texten für die Ölbergandacht auf meinem Blog auf dem Beitrag, in dem ich schreibe, wie mir solches Zutexten widersteht und meinem Wunsch nach Stille vor dem Allerheiligsten Ausdruck gebe. Ich träume immer davon, daß einer innehält und vielleicht von seinem Vorhaben abläßt.

[2] Klausurgitter gabs schönerweise übrigens überall, auch in der Sakristei, ganz klassisch, mit Holzpanel, das zurückgeschoben wird, und dann guckt eine Schwester heraus. Wo hat man das noch? Leider leiden auch die rosa Schwestern unter Nachwuchsmangel (ich würde ja denken, wenn man vielleicht die Farbe des Habits änderte, aber das ist es wahrscheinlich nicht).

Kommentare:

Hermine Tuzzi hat gesagt…

Ach, wie wunderbar sich das liest! Ich lag leider von Donnerstag nachmittag bis heute krank im Bett, und das einzige, was ich von meinen lieben christlichen Geschwistern mitbekam, war die Nachricht im Deutschlandfunk: "Zu dem Feiertag Ostern erinnerten heute Christen in aller Welt, unter anderem im Berliner Dom und der Münchner Frauenkirche, an den Opfertod Jesu Christi." Selbe Wortwahl wie bei einer politischen Demonstration! Und selbst den Segen Urbi et orbi habe ich verschlafen... :-( Da tut es wohl, ein wenig Berichterstattung zu lesen, die mich davon überzeugt, daß dieses Jahr tatsächlich Ostern auf der Welt war.

Psallite Deo hat gesagt…

Bei einer gesungenen Passion ist natürlich die Frage, ob es gut gesungen ist - bei uns haben wir mal die Vertonung von Schütz gehabt (da gibt´s, soweit ich es erinnere, am Anfang und Ende einen Choral, ansonsten nur den Original-Text, keine betrachtenden Einschüb wie bei Bach o.ä. - das ginge ja eh nicht mit Orchester), der Evangelist, die Jesusworte und die Soliloquenten wurden allerdings gesprochen, wir haben nur die Turbae-Chöre gesungen (und da habe ich von sprechenden Lektoren schon wirklich Piepsigeres gehört). Das fand ich damals eine ganz gute Mischung.
(wann hat man auch schon mal einen Priester, der die Jesusworte auf dem Level singen kann, das man für sowas braucht? - nicht, daß das das Kriterium für gute Priester sein sollte, aber an diesem Punkt wäre es schon hilfreich - generell finde ich allerdings, Priester, die nicht so fit im Singen sind, könnten auch mal Fachkräfte fragen, mit ihnen zu üben (manche tun das, es könnten aber durchaus mehr sein) - bei uns wurden weder das Ecce Lignum (bzw. die deutsche Fassung, die lat. ist bei unseren Priestern schon seit mehreren Jahren leider nicht mehr erwünscht) noch das Lumen Christi 3x höher angestimmt (zumindest ersteres hätte ja auch ein Kantor machen können) - beim Halleluja habe ich dann nicht mehr gefragt, ob der Zelebrant es singen möchte, sondern es einfach selber gemacht...).

Sonst kenne ich die Passion meist mit gesprochenem Text und Unterbrechungen durch passende Passionschoräle (seit diesem Jahr habe ich die Ansage vom Chef, künftig keine mehr auszusuchen, das würde der Zelebrant tun - natürlich viel weniger Stellen, was zur Folge hatte, daß das Lied "Herzliebster Jesu" dieses Jahr kein einziges Mal gesungen wurde, und vor allem manchmal nicht gut auf den Text abgestimmt - schade, echt).

Agapefeiern am Gründonnerstag finde ich auch schrecklich (bei uns wurden diese "Passahmahl-Feiern" abgeschafft, weil jemand darüber mal mit jüdischen Mitbürgern gesprochen hat, die wohl nicht so erbaut darüber waren, daß Christen ihre Liturgie kopieren, sie aber gar nicht so meinen). Die Anbetung ging auch bei uns nur bis 23:00 Uhr - es hieß zwar, so lange noch Leute da sind, aber als die Zahl 5 inkl. der beiden Priester erreicht war, hat der eine es beendet (ich war andererseits eh zu krank, um noch länger zu bleiben...)

Kommunion unter beiderlei Gestalt gibt es übrigens in meiner Heimatgemeinde (norddeutsche Diaspora) grundsätzlich am Gründonnerstag und in der Osternacht - jeweils für die ganze Gemeinde - ich habe das damals als ziemlich normal empfunden und wunderte mich etwas über meine erste Osternacht woanders, wo es nicht so war...

Aber es freut mich, daß es in Berlin bei der Agapefeier Schokolade gibt (das habe ich aus den fastenzeitfarbenen Hasen jetzt mal geschlossen) - das scheint auch so eine Eigenart von Diaspora zu sein, denn an meinen bisherigen Stationen (Rheinland und Münsterland) gab es nur hartgekochte Eier und Brot...

Admiral hat gesagt…

Meine Osternacht hallt alle 7 altt. Lesungen. Just nachdem ich mich auf Twitter beschwert hatte, daß ich noch nie 7 Lesungen erlebt hatte. :-)

Dafür hat Hochwürden die Allerheiligenlitanei gekürzt und nach "Alle Heiligen Gottes" war Schluß. Ich vermute er hatte Angst vor dem Ton von "Herr befreie uns".

Psallite Deo hat gesagt…

Der Ton ist aber auch gefährlich ;-)

Admiral hat gesagt…

Das isser!

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