Samstag, 19. April 2014

Kleiner Kirchenknigge fürs Triduum sacrum

Mittlerweile ists natürlich für dieses Kirchenjahr etwas spät, aber anderswo wurde ich gefragt, wie man am Gründonnerstag eigentlich die Kirche verläßt, wo doch der Tabernakel und meist auch schon die Weihwasserbecken leer sind? In der Tat ist in dem Zusammenhang auch für manchen die Frage interessant: wie komme ich eigentlich am Karfreitag und Karsamstag, wenn man etwa frühmorgens zu den Karmetten kommt oder am Karfreitag oder auch Karsamstag nach der Liturgie vom Leiden und Sterben Christi zu einer Wache beim sogenannten Heiligen Grab in der Kirche ist?

Wer am Gründonnerstag nach der Messe vom letzten Abendmahl noch zur Ölbergstunde bleibt, ehrt das Allerheiligste beim Kommen und Gehen durch eine doppelte Kniebeuge (das heißt, man kniet und verneigt sich dabei etwas). Ansonsten verneigt man sich beim Verlassen der Kirche vor dem Altar, wie auch am Karfreitag vor Beginn der Liturgie zum Leiden und Sterben Christi. Der Tabernakel ist leer, seine Flügel weitgeöffnet, der Altar entblößt, das ewige Licht gelöscht und der Pulsschlag der Kirche auf seinen niedrigsten Punkt gesunken. Eines aber ist ist da: das Zeichen des Kreuzes, in dem uns Heil, Leben und Hoffnung ist. Von der Enthüllung des Kreuzes an wird dieses bis zur Osternacht beim Vorüberschreiten durch eine doppelte oder einfache Kniebeuge geehrt, wie sonst das Allerheiligste.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Ja, ich wundere mich jedes Jahr, wieviele Leute vor
Beginn der Karfreitagsliturgie gedankenlos eine Kniebeuge machen obwohl da doch nichts ist, was einer Kniebeuge angemessen wäre.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich wundere mich leider eher über die Katholiken, die auch dem ausgesetzten Heiland jegliche Ehrbezeugung versagen, mit nonchalantem Hüftschwung am Altar vorbei und dann auf einer Bank niedergehen wie eine Ladung Backsteine. Soifz.

Admiral hat gesagt…

Das ist wohl die gleiche Gedankenlosigkeit, gepaart mit manfelhafter Unterweisung.

Meistens ist es letzteres, so daß man den Leuten nicht böse sein darf. Gespräch letztens mit der Mutter eines Kommunionkindes, die sich darüber aufregte, daß die GemRef die Kniebeuge als verpflichtend erklärt hat. Sie meinte, daß sie besser "kann" und nicht "muß" gesagt hätte. Habe ihr dann die entsprechenden Passagen aus dem Rituale für Bischöfe zugeschickt. seitdem ist Schweigen im Wald..... Aber die tendiert sowieso dazu sich über jedes "muß" sich aufzuregen.

Gesegnete Ostern.

Braut des Lammes hat gesagt…

Also, bei „muß“ liegt mir auch immer ein „Ich muß gar nichts, außer sterben“ auf der Zunge, zuletzt gestern abend im Bus. („Kann“ hat wiederum optionalen Charakter. Kann man auch lassen). Vielleicht sollte man den Satz positiv formulieren: es ist würdig und recht , wenn wir…

Dir ebenfalls ein gesegnetes Fest!

Admiral hat gesagt…

Ist wie bei der roten Ampel. Man muß nicht stehenbleiben, ist aber letztendlich besser für einen.

Anonym hat gesagt…

Das einzige, was man muß, ist die Konsequenzen tragen, wenn man läßt, was man gemußt hätte.

Sehr gute und nützliche Hinweise bringst Du da, Braut des Lammes! Aber jetzt bin ich doch ein bißchen verwirrt über die zu unterlassende Kniebeuge am Karfreitag: Wie ist es denn mit der heiligen Reserve in ihrem Interimsdomizil, zumal wenn man da auf dem Weg in die Bank vorbeimuß und es als erstes ins Auge fällt, wenn man die Kirche betritt? Soll man die nicht mit einer Kniebeuge ehren?

Frohe und gesegnete Ostern!

Braut des Lammes hat gesagt…

Der Herr im Interimsdozil befindet sich zu diesem Zeitpunkt (am Nachmittag des Karfreitags) ja meist in der Sakristei im Ziborium. Da kommt man ja eher selten vorbei, wo doch, dann würde ich kniebeugen, ansonsten vor dem Kreuz (und nicht, wie der Admiral bemerkt, vor dem leeren Tabernakel…)

Dir auch auch ein gesegnetes Fest, unbekannterweise.

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank!

In meiner, etwas verwinkelten, Kirche ist das Allerheiligste die Zeit über im Tabernakel eines Seitenaltars untergebracht, den man passieren muß, wenn man hereinkommt; allerdings leuchtet dort dann kein rotes Lämpchen, so daß man schon wissen muß, daß der Herr darin ist. Ich bin nie viel herumgekommen und dachte immer, das sei überall so. Was mich aber schon immer gewundert hat ist, daß bei uns alle Welt, Volk und Priester, die Kniebeuge stets nur in Richtung des Altars vollzieht, obwohl sich unser wunderschönes gotisches Sakramentshäuschen weit entfernt davon an einer Seitenwand befindet. Ist das in Ordnung so, oder hat sich da was eingeschlichen?
Mein Kompliment übrigens zu diesem wunderbaren Blog, ich kann gar nicht mehr aufhören zu lesen!

Robert

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke vielmals für das freundliche Lob und willkommen auf dem Blog.

Mit der Kniebeuge zum Altar hin: das hat dort Sinn, wo es noch einen Hochaltar gibt, ansonsten wenig: der Altar ist zwar ein Christussymbol, weshalb er durch eine Verneigung geehrt wird, die Kniebeuge gebührt aber ausschließlich dem Allerheiligsten.

Psallite Deo hat gesagt…

Als ich noch Meßdiener war, gab es mal einen Kaplan (?), der meinte, in der Osterzeit müßte man keine Kniebeuge machen, weil man ja jetzt erlöst sei (oder so ähnlich)...

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