Donnerstag, 24. April 2014

Wie außergewöhnlich! Mundkommunion!

Die Rheinzeitung nimmt sich der Neubesiedelung des Klosters Engelport durch die Anbetungsschwestern vom königlichen Herzen Jesu an und weiß in einem insgesamt durchaus wohlwollenden Artikel unter anderem zu berichten:
Die Form der Heiligen Messe in der außergewöhnlichen [hihi!] Form nach dem Römischen Ritus ist für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig, stößt mitunter auf [das war hier vielleicht nicht die glücklichste Art, es auszudrücken…]. So ist die Mundkommunion, die jetzt in Engelport praktiziert wird, anfangs nicht ohne Widerspruch hingenommen worden. Eine Katholikin hat sich beim Bistum erkundigt, ob dies statthaft ist. Es ist so. Monsignor [ich spendiere ein „e“] Schmitz erläutert, daß die Mundkommunion dazugehört. „Wir müssen um Verständnis bitten, aber die Einheit des Ritus muß gewahrt bleiben.“ Das habe Papst Benedikt XVI. so erlaubt. Schmitz hat ebenso wie der Hausgeistliche, Kanonikus Karl Lenhardt, den Eindruck, daß Gläubige diese Form akzeptiert haben. Lenhardt: „Wir sagen das an den Sonntagen, vor allem angesichts der Bedeutung des Empfangs der Kommunion.“ […und das ist auch würdig und recht so.]
Auweia! Soweit ist es gekommen, daß, wenn Gläubige in einem Konvent zu Gast sind, in dem in der Klosterkirche die außerordentliche – nicht die außergewöhnliche! – Form des römischen Ritus gefeiert und die Mundkommunion gespendet wird, diese sich beim Bistum erkundigen, ob jene das überhaupt dürfen.

 Dabei würde, völlig unabhängig vom Ort, eigentlich andersherum der Schuh draus: die Gläubigen haben ein Recht darauf, die Kommunion in dieser Form zu empfangen. Wo sie nur so gereicht wird, da ist das eben so, denn für die Spendung der Handkommunion gibt es lediglich einen Indult. Indult heißt übertragen: Gnadenerweis. Aus Gnade also wird die Kommunion an manchen Orten und in manchen Ländern auch als Handkommunion gespendet. Ich entschuldige mich, falls ich für die Mundkommunikanten unter euch Eulen nach Athen getragen habe, aber vielleicht hält mancher vor einer solchen Nachfrage à la „Ist das überhaupt statthaft?“ beim Bistum inne und denkt noch einmal gut nach.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Die Rheinzeitung heißt nicht Reinzeitung, weil sie so adrett mit der katholischen Kirche umgeht, sondern weil sie am Rhein, in Koblenz, herausgegeben wird. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Hihi! Danke für den Hinweis, Josef, ist geändert. Ich hatte ich mich schon gewundert, wieso Google Translator das mit „the clean newspaper“ oder so übersetzt.

Admiral hat gesagt…

"Außergewöhnliche Form" finde ich Klasse. :-)

Anonym hat gesagt…

"Unordentliche Form" heißt das!

Anonym hat gesagt…

Leutla, seids doch froh, wenn in einem Artikel über die Kirche nur so wenige Böcke geschossen werden! Anderswo fragt die Presse: Sind Heiligsprechungen noch zeitgemäß? Da fällt dann gleich eine ganze Herde...

Stefan hat gesagt…

Ich finde es ein deutliches Manko, dass die Handkommunion nur geduldet wird, schließlich ist sie die ältere Form. Hier wäre m.E. eine Gleichberechtigung angebracht und den Gläubigen sollte Entscheidungsfreiheit gegeben werden. Handkommunion und außerordentliche Form passt genauso zusammen wie Mundkommunion und ordentlicher Ritus.

Anonym hat gesagt…

empfange nur Mundkommunion-empfehle dazu die Bücher von Weihbischof Athanasius Schneider-Dominus est und Corpus Christi

Anonym hat gesagt…

Sehr schön! Es ist doch die schönste Form, den Herrn zu empfangen!

Braut des Lammes hat gesagt…

@Anonym #2: Es hatte sich doch hier aber niemand über von Zeitungen etwa geschossene Böcke beschwert?

Einen Bock geschossen hat die Katholikin, die sich beim Bistum „erkundigt“, hat, ob das alleinige Spenden der Mundkommunion in der Klosterkirche überhaupt statthaft sei (zwischen Zeilen kling sehr deutlich mit, daß „erkundigt“ heißt, sie hat sich beschwert). Soll sie dort mundkommunizieren, dort nicht kommunzieren oder eben nicht mehr hingehen, das Sich-erkundigen schenke ich ihr auch.

Jorge hat gesagt…

Die Frage des Kommunionempfangs in der ao. Form ist keine leichte und nicht so einfach zu beantworten, wie Du es darstellst.

Dass sich immer irgendwelche Leute aufspielen müssen, empört tun und zu den Oberen rennen oder böse Briefe schreiben, ist sicher ärgerlich. Das finde ich auch bescheuert, aber so sind die Menschen nunmal.

Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass weder die Antwort des Rektors (die "Einheit des Ritus" müsse gewahrt bleiben) noch Deine Erklärung (Indult vs. Rechtsanspruch) sachlich zu überzeugen vermögen.

Fakt ist, dass Handkommunion derzeit in Messfeiern ao. Form ausgeschlossen ist. Die Rechtslage ist da mittlerweile klar, weil sich die zuständige röm. Behörde vor einiger Zeit eindeutig in diesem Sinne geäußert hat. Fakt ist aber auch, dass diese Entscheidung, was die rechtliche Herleitung angeht, auf extrem wackeligen Füßen steht und eher pragmatischen Charakter besitzt, weil es offb. kirchenpolitisch ratsamer erschien, den Streit auf diese Weise aus der Welt zu schaffen und die Lager der Mund- und Handkommunionanhänger zu trennen, statt das Wagnis einzugehen, beide Formen des lat. Ritus für Gläubige aller Richtungen und Vorlieben offen zu halten. Im Ergebnis führt das dazu, dass die beiden Formen des einen Ritus tats. eher wie zwei verschiedene Riten für unterschiedliche Kultgemeinschaften fungieren, die auch rechtlich voneinander getrennt und nebeneinander her existieren und zwischen denen es kaum Berührungspunkte gibt. Die faktische Nischenexistenz der ao. Form und die nicht nur liturgischen Abgrenzungsbedürfnisse mancher ihrer Anhänger sowie auch die Verachtung ihrer Gegner und das Desinteresse der übrigen Gläubigen werden auf diese Weise eher zementiert als aufgebrochen. Das mag religionssoziologisch eine nachvollziehbare und von manchen auch gewünschte Entwicklung sein, spirituell heilsam für die Kirche und fruchtbar im Sinne des Erfinders (BXVI) ist sie aber kaum.

Sowohl die Antwort des Rektors ("Einheit des Ritus") als auch die von Dir offb. von Gero Weishaupt übernommene, tendenziöse Argumentation ("Indult" sei rechtlich weniger wert als regulärer Mundkommunionempfang) sind vom Denkansatz her eigtl. grundverkehrt. Rektor Schmitz spricht von der "Einheit des Ritus", meint aber nur die einheitliche Gestalt der ao. Form. Der "Einheit des Ritus" - verstanden als ein lat. Messritus in zwei Formen, wie es die Definition Papst Benedikts vorgibt - wäre es ja viel zuträglicher, wenn man Hand- und Mundkommunion in beiden Formen gleichermaßen zuließe. Das stößt aber auf den erbitterten Widerstand derjenigen, die "Mischformen" ablehnen. Weishaupt liefert die passenden Argumente: Die durch das Indult Papst Paul VI. grundgelegte bfl. Vorschrift, einer Bitte um Kommunionempfang in die Hand sei zu entsprechen, werde durch die Ausnahmeregeln der altrituellen Liturgie für den Bereich der ao. Form außer Kraft gesetzt. Abgesehen davon, dass dieser Schluss auf den für Weishaupt typischen schludrigen Argumentationsgängen beruht und im Ergebnis sehr fragwürdig bleibt, ist das zugrunde liegende Motiv verräterisch: Es geht um die Reinerhaltung der Form, die vor unpassenden Vermischungen mit neu hinzugekommenen Elementen geschützt werden soll. Das entspricht der Logik des "Reenactment": Wer eine hist. Schlacht möglichst authentisch nachspielen (oder sagen wir einen hist. Film drehen) möchte, für den ist die Armbanduhr am Handgelenk des röm. Zenturio (oder der unabsichtlich ins Bild geratene Hochspannungsmast in einem Mittelalterfilm) natürlich ein NoGo. Ähnlich empfinden offenbar Kirchgänger, die eine möglichst authentische alte Messe "erleben" möchten, wo Handkommunion einfach nicht passt. Dass es darum aber gar nicht gehen kann, wenn die legitimen und intimen Bedürfnisse der Gläubigen beim Kommunionempfang im Blick sind, müsste eigtl. sofort klar sein.

Jorge hat gesagt…

(Forts.)

Was die Bewertung der Handkommunion als "bloß" gnadenhalber gestattete Ausnahme angeht, die man darum auch schnell wieder zurücknehmen kann, springt besonders der Widerspruch ins Auge, dass man einerseits die Handkommunion als quasi unnötiges und nur ausnahmsweise gewährtes Zugeständnis abtut und gegenüber der "regulären" Mundkommunion für nachrangig erklärt, andererseits aber doch die gleichberechtigte Existenz der ao. Messform verteidigen will, die ja selbst auf einer Ausnahmeregelung beruht und einer "regulären" oder "ordentlichen" Form gegenübersteht. Ist sie deswegen in irgendeiner Weise nachrangig? Gerade dagegen, die Bedürfnisse altritualistisch veranlagter Gläubiger als nachrangig und nicht so wichtig abzutun, wehren sich doch die Befürworter.

Rechtlich war die Frage, ob man auch in einer Messe der ao. Form die Handkommunion empfangen könnte, zunächst völlig unklar, und zwar auch noch nach Erlass der Durchführungsbestimmungen zu Summ.Pont. Alexander Pytlik hat seinerzeit aufgewiesen, dass von den amtl. Dok. (Motu Proprio und die dazugeh. Auslegungsinstruktion von Ecclesia Dei) ausgehend gesamtkirchliche Normen (und dazu gehört die auf der Basis des von Dir o.gen. Indults für die Bfe. in praktisch allen Ländern dieser Erde gegebene Möglichkeit der Gläubigen, frei zu entscheiden, in welcher der beiden zulässigen Weisen sie die Komm. empfangen wollen) im Raum der ao. Liturgie nicht per se aufgehoben sein können.

Die Gegenansicht, die von der Masse der altrituellen Anhänger verteidigt wird und der sich dann (ohne jede Argumentation) auch ED angeschlossen hat, fasst die alte Messe dagg. als einen Raum auf, in dem nicht nur die alten Rubriken, sondern auch die alte Disziplin und das alte Kirchenrecht weitergelten. Diese etwa von Weishaupt vehement vertretene Sicht verfängt aber nur dann, wenn man sich mit der faktischen Existenz eines Doppelritus zufrieden gibt und die ao. Form tats. als eine Art Sonderrechtsraum auffasst, in dem man so tun kann, als lebte man noch in den 50er Jahren. Dann wäre sie im Grunde wirklich nur ein Zugeständnis für eine umschriebene Gruppe von Menschen, die lieber in einer früheren Epoche leben möchten und den alten Gottesdienst deshalb mit allen Details und Rahmenbedingungen "nachspielen". Gläubige, die in der ao. Form die Handkommunion empfangen möchten (nicht um zu provozieren, wie häufig geschehen, sondern aus redlichen Motiven, versteht sich) stören dieser Logik zufolge das authentische Gepräge einer vergangenen Welt. Das mag der Mentalität einer gewissen Gruppe von Liturgieanhängern (ich nenne sie "Reenacter") entgegenkommen, ist aber keine gesunde Einstellung zur sakramentalen Wirklichkeit und trägt dazu bei, dass die ao. Form nicht als organischer Bestandteil der allg. Ordnung der Kirche empfunden wird, sondern eben als Nische für ein paar Sonderlinge.

Braut des Lammes hat gesagt…

Weishaupt habe ich nicht gelesen, es nutzt also wenig, ihm – und mir gleich mit – hier „Schludrigkeit“ zuwerfen. Eventuell hattest du mich auch mißverstanden: ich sprach davon, daß für die Gläubigen (entsprechende Disposition vorausgesetzt) jederzeit das Recht [sic!] bestehe, die Kommunion als Mundkommunion zu empfangen; ein entsprechendes Recht, die Kommunion in der Form der Handkommunion empfangen zu wollen, gibt es dagegen nicht, weshalb es keinen Sinn hätte, in einer Feier der außerordentlichen Form etwa darauf beharren zu wollen. Meiner völlig unmaßgeblichen Meinung nach – ich bin indes kein Kirchenrechtler – stünde es sogar jedem Priester frei, analog zu Papst em. Benedikt die Entscheidung zu treffen, die Kommunion an kniende Kommunikanten und als Mundkommunion zu spenden.

Die Idee, die Handkommunion in der außerordentlichen Form freizustellen (mit dem Ergebnis, daß wir dann womöglich wirklich vor Ort jemand darauf besteht), halte ich für ganz falsch, nimm es mir nicht übel. Der Gedanke, daß sich die beiden Formen – nicht Riten! – gegenseitig befruchten sollten, ist sicherlich betrachtenswert. Sie sollten sich dann jedoch gegenseitig zum Guten befruchten. Es steht außer Frage, daß man die Handkommunion auch sehr würdig empfangen kann, nichtsdestotrotz sieht man Tag für Tag nolens volens und selbst bei niedergeschlagenen Augen Beispiele, wo es nicht so ist. Auch Papst Benedikt hatte ja vor einigen Jahren seiner Besorgnis Ausdruck gegeben, der Empfang im Stehen und als Handkommunion könne zu mangelnder Ehrfurcht führen. Bei einigen tut er das offenbar, und das ist für einen Menschen, der an die Realpräsenz glaubt, sehr schmerzlich zu sehen, wieviel mehr für vielleicht für einen Priester. Diesen Schmerz würde man durch die Einführung der Handkommunion womöglich in die außerordentliche Form hineintragen, nichts sonst.

arialdus hat gesagt…

Ja, so ist es. Schön gesagt. Danke!
Heute war Erstkommunion in der Pfarrei.
Kinder verstehen noch am ehesten die natürliche Sprache der Gesten und des Leibes. Was dem Glauben mehr entspricht und was weniger.
Es ist wie im Märchen des Kaisers neue Kleider: eigentlich kann es jeder sehen. Wenn man unverbildet ist. Und so kann man jedem Außerirdischen und Nichtchristen dieses Thema leichter erklären als der mündig (in diesem Fall: händig) gewordenen Nachhhut einer ansonsten sterbenden Volkskirche.
Ein Pfarrer

Hermine Tuzzi hat gesagt…

Ist das eigentlich ein Bild aus Maria Engelport? Dieser Priester ist dem Kardinal Burke ja wie aus dem Gesicht geschnitten...

Braut des Lammes hat gesagt…

Kein Wunder, das ist Kardinal Burke. Das Bild wurde vor etwa anderthalb Jahren in der Schweiz anläßlich des ersten Jahrestags der dortigen Gründung aufgenommen.

Hermine Tuzzi hat gesagt…

Hihi, ach so! Dann ist es ja wirklich kein Wunder. Und ich dachte schon, ich könnte im Hunsrück mal seinem Zwillingsbruder begegnen. :-)

ordo missae hat gesagt…

Im Zusammenhang mit der Mundkommunion gibt es doch immer wieder spannende Erlebnisse, besonders in den regulären Gottesdienstes unserer Kirche. Besonders wenn die Hostie durch KommunionhelferINNEN verteilt wird und diese dich, während du dich für die Mundkommunion vorbereitest, anschauen als würdest du ihnen gerade ein verdorbenes Stück Käse reichen, fragt man sich schon, wo man ist. Danach hat sie einem die Hostie in den Mund geworfen als ginge es um Weitwurf.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...