Freitag, 11. April 2014

Der Akathistos und ich

Nachdem ich in der Nacht zuvor sogar vom Akathistos träumte (also, daß er sei und ich unbedingt hingehen wolle, nicht vom Akathistos selbst) bin ich zur entsprechenden Zeit natürlich hingegangen.

Außer dem Erzpriester waren wir ganze drei Gläubige, das mag zunächst eine sehr gering erscheinende Zahl sein, legt man jedoch zugrunde, daß die Orthodoxen hier womöglich noch mehr in der Diaspora leben als die Katholiken, ist das vielleicht gar nicht einmal so schlecht.

Vor dem Akathistos entzündete der Erzpriester eine Kerze zwischen zwei Ikonen (eine von der Gottesmutter, von der anderen habe ich bis jetzt nicht heraus, wen genau sie darstellt, weil ich sie später zwar verehrt aber nicht intensiv studiert habe), die auf dem Ambo liegen, begab sich hinter die Ikonostase und kraspelte ein wenig dahinter herum, wahrscheinlich um eine Stola und ein Weihrauchfaß mit sehr süßlichem Weihrauch. Danach forderte er uns durch Gesten auf, uns mit ihm vor die Ikonostase zu stellen, der Mann zu seiner Rechten, wir Frauen zu seiner Linken.

Feststellungen am Rande: also, so ein Akathistos ist viel länger als ich dachte (insgesamt eine knappe Stunde) und wird von Lesungen unterbrochen, die der Mann unter uns aus dem Gebetsheft, das der Priester ihm in Abständen reicht, mit leiser Stimme vortrug. Wer nun etwa denkt, wir Frauen wären zu gering, als daß wir hätten vorlesen dürfen: er hat es uns später auch angetragen, indes, was nützte es, ich hätte es schlichtweg nicht lesen können, von der Unsicherheit, wie es vorzutragen sei, noch ganz zu schweigen. Für den Anfang hab ich genug damit zu tun, herauszufinden, an welchen Stellen man sich verneigt und bekreuzigt. Eine Hilfestellung findet sich hier, bei der Lektüre könnte man allerdings zu der Ansicht kommen, daß man sich eigentlich fast dauernd verneigt und bekreuzigt, und ganz ähnlich war es auch, da erheblich viele Heiligennamen vorübergezogen sind.

Während der Lesungen, von denen ich natürlich kein Wort verstanden habe, konnte ich mir die Ikonostase eingehend ansehen, (etwas verstohlen vielleicht, weil ich nicht respektlos erscheinen wollte). Im Halbdunkel des anbrechenden Abends und in einem Raum, der außerdem nur von einer Kerze und zwei Lichtern erhellt wurde, die ausschauen wie unser ewiges, fand ich diese besonders schön. Die beiden roten Lichter stehen auf hölzernen Leuchtern rechts und links der „königlichen Tür" – das ewige Licht scheinbar doppelt. Eigentlich aber ist meiner Ansicht nach gar kein Allerheiligstes vorhanden, was nicht heißt, daß in dieser Kirche die Gegenwart Gottes nicht spürbar wäre. Die obere Ikonenreihe wird von zwei geschnitzten Pfauen eingerahmt, einem alten Symbol Christi und der Auferstehung. Dazwischen die zwölf Apostel und in der Mitte (vermutlich) Abrahams Gastmahl oder aber die Emmausjünger (für das letzte Abendmahl sind zuwenig Gestalten drauf). Darunter größere Ikonen der hl. Jungfrau, des Täufers und – Angaben immer ohne Gewähr – vermutlich Kyrill und Method, allerdings getrennt, Method rechts, Kyrill links. Die Türflügel der königlichen Tür erinnern ein wenig an Saloon-Türen (der Sinn ist klar: die Gläubigen sollen gut hören, was der Priester dahinter singt, nichtsdestotrotz. Gut, daß um meine Assoziationen niemand weiß! Allerdings dürfte man wohl lange nach Saloon-Türen suchen müssen, auf denen oben ein Kreuz drauf ist und auf deren Flügel die Verkündigung gemalt ist). Zwischendurch schießt mir noch durch den Sinn, daß, falls die Kirche je wieder protestantisch würde, der Weihrauchduft jedenfalls nie mehr aus der Holzdecke herauszubringen sein wird.

Schönerweise schließt so ein Akathistos mit einer Segnung (mit Salbung) durch den Priester ab, zu der auch ich eingeladen war. Den Segen gibts allerdings nur, wenn man zuvor die Ikonen am Ambo verehrt hat. Ich fands wie gesagt, schön, obwohl es mir doch ein ganz klein wenig unangenehm war, daß ich nicht wußte, daß man danach die Hand des Priesters küßt. (Na ja gut, das kann auch ein Erzpriester nicht erwarten…)

In der äußeren Kirchentür stecken übrigens neben einem Poster, das das Bauvorhaben eines Klosters in Mitteldeutschland beschreibt und dem ausgehängten Gottesdienstplan auch kleine Gottesdienstpläne zum Mitnehmen. Manchmal denke ich, hier läuft etwas richtig, was bei uns teilweise völlig falsch zu laufen scheint: man hat den Eindruck, es geht hier vor allem um den Glauben.

Kommentare:

Michael Boedi hat gesagt…

Wenn die Ikone rechts aufgestellt ist, dann sollte es eine Christus-Ikone sein. Die linke ist die der Gottesmutter.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke! (Dann brauche ich beim nächsten Mal nicht kiebitzen) :)

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