Dienstag, 18. März 2014

Würde und Instant-Augenkrebs (von Alben und Betsäcken)


ntv berichtet unter dem so gar nicht reißerischen Titel „Katholische Frauen stürmen Laufsteg“ über eine Modenschau für liturgische Gewänder, die im Bistum Hildesheim stattgefunden hat. Im Bericht neben einigen Seitenhieben in Bezug auf das Priestertum so aparte Sentenzen wie diese, daß „lange Kleider kein Privileg der männlichen Würdenträger mehr“ seien (ja klar, bisher haben wir in kurzen Röckchen ministriert…) Würdenträger ist übrigens jeder Getaufte.

Ich frage mich, warum man eigentlich dasselbe Rad immer und immer wieder neu zu erfinden trachtet? Das allen Getauften gemeinsame und angemessene Gewand ist die Albe – auch die Chorhemden sind im Grunde genommen nur eine verkürzte Version dieses Taufgewandes, dessen Überreichung bei den die Taufe ausdeutenden Riten mit den Worten geschieht: In der Taufe bist du eine neue Schöpfung geworden und hast – wie die Schrift sagt – Christus angezogen. Das weiße Gewand sei dir ein Zeichen für diese Würde. Bewahre sie für das ewige Leben.

Alben, wie sie sein sollen…
Ob liturgische Dienste nun im Chorgewand oder in der Albe besser (oder angemessener) gekleidet sind, sei dahingestellt, das ist ein weites Feld, in dem man manchmal auch die eigenartigsten Ansichten zu hören bekommt. Sicher ist: Alben müssen nicht unvorteilhaft aussehen und ein schlichtes, langes, ungegürtetes Gewand steht eigentlich jedem.

Teils sind Alben, vor allem für Meßdiener, in der Praxis allerdings so weit entfernt von guter Optik, daß man sich wirklich denkt, die Gemeinde täte gut daran, zu Chorhemd und Talar zurückzukehren, weil einen solchen Betsack keiner tragen möchte. Mehr noch, in einem solchen möchte man auch niemanden sehen müssen. Oft sind sie aus irgendwelchen Gründen heraus nicht einmal mehr weiß, obwohl das Gewand die weiße Farbe bereits im Namen trägt (oder jedenfalls eine Schattierung von Weiß, Wollweiß geht sicher auch noch durch). Vor jeder Fronleichnamsprozession wird hier aufgerufen, in Chorkleidung zu kommen, das dürfte auch einen Grund haben. Auf dem Bild mit den Jugendlichen ist übrigens für mein Gefühl deutlich zu erkennen, mit welcher „Begeisterung“ diese Gewänder getragen werden.

…und wie sie in Hannover
vorgeführt wurden…
Selber hab ich eine eigene Albe, ungegürtet und mit Kapuze, die ich zum Stundengebet und dann trage, wenn ich mit Schleier ministriere (Schleier zu Talar und Chorhemd, das paßt schon vom Gefühl her nicht).

Alben gibt es als Untergewand, für die liturgischen Gewänder der Kleriker, dann sind sie entsprechend verarbeitet, aber auch als Obergewand. Günstig ist es, wenn der Stoff nicht derart ist, daß man das Micky-Maus-T-Shirt drunter durchscheinen sieht.

…danke, aber nein danke!
Was ich, wie bemerkt, halt nicht verstehe, warum man jetzt anfängt, an der Albe, wo sie als Obergewand getragen wird, herumzubasteln, indem man hier einen bunten Streifen und dort einen „neckischen“ [sic!] Schal anbringt und das auch noch mit dem Anspruch „für Frauen“ garniert, was impliziert, Frauen wollten solchen Firlefanz. Eigentlich kommt es einem aber eher vor wie bei Loriots Jodeldiplom: dann hast du was eigenes! „Wir Frauen geben der katholischen Kirche ein weibliches Gesicht, eine weibliche Stimme.“ Warum nicht, das ist ja das Wesen der Frau. Es sei mir allerdings die Frage erlaubt, warum eigentlich, wann immer die Gewandung von Frauen in den Blick genommen wird, diese Gewänder so ausgesprochen häßlich daherkommen müssen? Das ist keine „weibliche Stimme“, das ist ein mißtönendes Krächzen.

Wie weit entfernt sind die Worte „Heute schauen wir mehr auf modische[1] Aspekte“ von dem schlichten und doch so gewaltigen Das weiße Gewand sei dir ein Zeichen für diese Würde. Bewahre sie für das ewige Leben.

___
[1] Die „modischen Aspekte“ von heute dürften wohl der optische Graus von (spätestens) morgen sein, wie man schon an dem grünen Besatz der Albe sieht. Wie schnell sowas veraltet aussehen kann, haben uns Überarbeitungen altehrwürdiger Ordentrachten in den siebziger Jahren deutlich gemacht. Eine einfache Albe ist doch völlig zeitlos.

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Gruppenbild (Baltimore Carmel) Erste Reihe unten rechts: Meine Cousine - ach ja und ich finde die Klamotten gruselig - abgesehem von den Damen oben links!

Psallite Deo hat gesagt…

Ich habe bisher nur selten Gewänder gesehen, die an erwachsenen Frauen gut aussahen.
Bei uns tragen die jugendlichen Meßdienerinnen (die ältesten sind so knapp 20) auch Talar und Rochette, für die erwachsenen gibt es in der einen Kirche Alben ohne Gürtel und ohne Kapuze, in den anderen Kirchen dienen Frauen nur bei Beerdigungen und gehen in zivil (schwarz).
Als Kind in meiner Heimatgemeinde nannten wir die Alben "Kartoffelsäcke", und wir freuten uns jedes Jahr aufs Sternsingen, dann durften wir nämlich einmal im Jahr auch zum Dienen Talar (rot) und Rochette tragen - die alten ausrangierten Gewänder, die bei uns die Sternträger (denn das waren ja keine Könige) bekamen.

Ich stehe allerdings demnächst vor der Frage, was ich mache, wenn die Männerschola mal wieder in der Kirche singt, wo die Orgel vorne ist und daher im Altarraum steht - früher haben die oft Talar und Rochette getragen, aber ich weiß nicht, ob die mich komisch angucken, wenn ich auch ein Gewand anziehe (und die Frauen-Gewänder sind wollweiß und beißen sich ein bißchen mit den richtig weißen Rochettes...).

Ich kann den Ansatz verstehen, die liturgische Farbe einzubeziehen, allerdings habe ich dafür bisher noch kein überzeugendes Beispiel gesehen - jedenfalls sicher nicht dieses furchtbare grüne Etwas auf dem dritten Bild...
Ich mache es meistens so, daß ich bei besonderen Anlässen schwarze Hose (mit langem Rock kann ich nicht Orgel spielen und fühle mich auch beim Dirigieren nicht so wohl), weiße Bluse und schwarzen Blazer anziehe, dazu einen Schal in der entsprechenden Farbe (ok, Ostern gelb, damit es etwas mehr Farbe hat...) - aber meistens bin ich ja nicht im Altarraum...

Braut des Lammes hat gesagt…

Meines Erachtens sehen gerade geschnitte Tuniken an Frauen genauso gut aus wie an Männern, das ist m. E. an den Habits der alten Orden gut zu beobachten, da unterscheiden sich die Tuniken der Männer eigentlich nicht von denen der Frauen.

Am hiesigen Hause wird das Chorgewand getragen, von beiden Geschlechtern, was auch angemessen aussieht (bei uns sind die Ministranten eigentlich alle Erwachsene, erfahrungsgemäß tragen aber auch Kinder viel lieber Chorkleidung als Albe). Unvorteilhaft bis scheußlich fängt es in meinen Augen an auszusehen, sobald Alben mit Zingulae oder sonstwie gegürtet werden oder die „Alben“ schiefergrau, mit Batikmuster oder sonstwie daherkommen – ich würd sowas nicht anziehen und es auch keinem zumuten wollen. Der Ansatz, waum nun auch bei den Diensten die liturgische Farbe eine Rolle spielen soll, ist mir nicht so recht erkennbar, dafür gibts die Paramente und die Gewände der Kleriker (zumal sich die Farbtöne irgendwelcher Besätze dann mit diesen oft auch noch beißen).

Ich würd an deiner Stelle entweder mit der Albe aufziehen (die eigentlich auch für die Beerdigung angemessener wäre) oder ebenfalls Chorkleidung tragen.

Anonym hat gesagt…

Das grüne Etwas sieht wie ein Skapulier aus, was ich bedenklich finde, weil das Skapulier ja ein Sakramentale ist und so ein Pseudoskapulier somit eine Bedeutung suggeriert, die Albe und Chorkleidung einfach nicht haben.

Daß, wenn Meßdiener in Chorkleidung sind, die Farbe des Talars der Tagesfarbe angepaßt ist, habe ich allerdings schon in mehreren Kirchen gesehen.

Anonym hat gesagt…

Meine Theorie ist ja, dass das vor allem mit dem Umsatz von Slabbinck und Schreibmayr zu tun hat.

Die grünen Etwasse heißen nicht selten dann auch Skapulier in den Online-Katalogen.


LG

U.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich bin nicht sicher, ob man nicht gerade Slabbinck damit Unrecht tut: meines Wissens bieten die solchen Stuß nicht an. (Ich hab dort eine schlichte Albe mit Kapuze erworben und bekomme seither den Katalog.) „Skapulier“ ist ja nun völlig unpassend, theologisch wie sonstwie.

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