Samstag, 1. März 2014

Wieder einmal: vor der großen Fastenzeit

Die Lesungen des Tages werfen schon ein Auge auf die bevorstehende Fastenzeit: Der Herr hat die Menschen aus Erde erschaffen und läßt sie wieder zu ihr zurückkehren, heißt es bei Jesus Sirach – nächste Woche ruft uns die Kirche zu Bedenke Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurückkehrst, und ich freue mich in jedem Jahr darauf. Es sind eindringliche und zugleich tröstliche Worte, mir jedenfalls ist der Gedanke lieb, daß ich zurückkehre zur Erde und zum Staub, von dem ich genommen bin. Daß ich vor der Herrlichkeit Gottes letztlich nur Staub bin, dessen bin ich mir sicher.

Der Jakobusbrief des zweiten Lesejahres wiederum stellt uns die Bedeutung des Gebets, auch des Gebets füreinander, vor Augen: Darum bekennt einander eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten. In manchen Ländern und Gegenden ist es Brauch, daß die Gläubigen am letzten oder auch an den letzten beiden Fastnachtstagen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten beten, um damit für die im Karneval zur gleichen Zeit begangenen Sünden anderer Sühne zu tun.[1]

Da andernblogs bei Salome[2] gefragt wurde, was macht ihr zur Fastenzeit? Ich glaube, allzuviele oder genaue Fastenopfer, die Speisen betreffend, werden es diesmal nicht werden. Zum einen schon weil ich bei meiner einfachen Lebensführung kaum noch großartig irgendwelchen „Luxus“ in Bezug auf Speisen finde, auf den ich verzichten könnte. Das Opfer, in der ganzen Fastenzeit anstatt Apfelschorle reines Wasser trinken zu wollen, würde wahrscheinlich darin enden, daß ich das entweder nicht durchhalte oder aber viel zu wenig trinke. Den Ansatz, auf Milchprodukte zu verzichten, wie schon einmal, hielt ich im Nachhinein für doch keine so gute Idee, weder gesundheitlich noch von den geistlichen Wirkungen her. (Indes sollte dies eigentlich kein Beitrag werden, worauf ich nicht verzichte. Pralinen, wie in letzter Zeit gerne mal, wird es in der Fastenzeit definitiv nicht geben.)

Vor einigen Jahren habe ich bei Pithless thoughts gelesen, er habe in früheren Fastenzeiten danach getrachtet, seine Fasten so auszurichten, daß es die Fasten eines orthodoxen Christen seien. Mittlerweile ginge es ihm mehr darum, die Fasten eines orthodoxen Christen zu halten. So in etwa geht es mir auch. Es geht (nicht nur, aber vor allem) um die geistliche Haltung. Die Kirchenväter Basilius und Chrysostomus fassen die oft erschreckende Kluft zwischen materiellen Fastenopfern und dem Handeln in dem Ausruf zusammen: Du enthältst dich der Fleischspeise – und verschlingst deine Nächsten!

Was nutzte es mir auch, in der Fastenzeit einen Parcours detaillierter Speisegebote festzulegen, auf dem ich entweder fallen (allerdings auch immer wieder aufstehen) oder aber alle Hindernisse nehmen und dann in die Gefahr des geistigen Hochmuts geraten kann? Der Apostel bringt es in seinem Brief an die Korinther auf den Punkt:
Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.
Danach sollten wir eigentlich das ganze Jahr über streben, tun es aber bedauerlicherweise so oft nicht und beleidigen damit Gott. In der letzten Zeit bin ich in die Gewohnheit hineingeglitten, in Menschenmengen Verhaltensweisen, die mich konkret nerven, sotto voce zu kommentieren. Damit geht es mir zwar scheinbar gut, weil ich unmittelbar ein Ventil habe, doch ist es, denke ich, letztlich Gift für die Seele und weit entfernt von Güte, Demut, Milde und Geduld, mit der wir uns, wenn nötig, ertragen sollen. Ich denke, auf solche Gewohnheit jedenfalls werde ich ernsthaft zu verzichten versuchen.

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[1] (Was nicht heißt, daß, wer das jetzt liest, drauflos sündigen sollte, er oder sie verginge sich gegen den Heiligen Geist.)

[2] Ein recht neuer Blog einer angehenden Postulantin – schaut doch mal vorbei!

1 Kommentar:

Salome hat gesagt…

Das mit den allzu detaillierten Ideen zum Essenfasten kenne ich... Da mach ich mittlerweile nur noch das, was ich einigermaßen schaffen kann und achte lieber auf die Dinge, die mir wirklich helfen, meine Gedanken auf Gott zu richten (und nicht nur auf die Schokolade, die ich mir versuche zu verbieten und dann doch ständig scheitere).
Und herzlichen Dank für die Verlinkung und Empfehlung! :)
Liebe Grüße, Salome

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