Sonntag, 23. März 2014

Seltsam, im Nebel zu wandern – verborgene Obdachlosigkeit

Seltsam, im Nebel zu wandern… kein Baum sieht den andern, jeder ist allein. An sich liebe ich dieses  Gedicht von Hesse. Manchmal komme ich inmitten der Stadt nicht umhin, mich zu fragen, wie sehr Hesses Bild mit unserer Wirklichkeit übereinstimmt, wie oft ein Baum den anderen wirklich nicht sieht.

Gestern habe ich mich lange mit einer Frau unterhalten, sicherlich jünger als ich, die über viele Monate mitten in Berlin obdachlos war und an den kreativ erscheinendsten Orten geschlafen hat, ohne daß jemand auch nur irgendwas davon wußte. Vereinzelt ist es schließlich anläßlich des Wechsels einer Sicherheitsfirma Wachmännern aufgefallen, einmal einem Doorman im Hotel. Ansonsten, wie gesagt Monate, bis sie schließlich, auf der Suche nach einem aufblasbaren Zelt für Obdachlose, das ein Geschäftsmann hat errichten lassen, Hilfe gefunden hat (Kältebus, nun im Frauenhaus). In einer kleineren Stadt wäre das vielleicht so nicht möglich gewesen, weil es dort wohl viel früher aufgefallen wäre – allerdings gibt es hier Einrichtungen und Hilfen, die es in Kleinstädten nicht gibt.

Voll von Freunden war mir die Welt, als noch mein Leben licht war. Nun, da der Nebel fällt, ist keiner mehr sichtbar – gar nicht so selten wissen aber nicht einmal die Freunde, die durchaus noch da sein mögen, von einem solchen Schicksal, weil diejenigen darüber schweigen. Eingehüllt in den Nebel des Nichtwissens. Obdachlosigkeit, die für Frauen ja noch einmal ganz andere Risiken und Gefahren mit sich bringt, als verborgenes Phänomen in der Großstadt. Ich frage mich, wieviele es sein mögen, die mitten unter uns so leben und doch so bedürftig sind?

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