Montag, 31. März 2014

Hello goodbye – persönliche Randbemerkungen zur Einführung des neuen Gotteslobs

Gestern, am Sonntag Laetare also die Einführung des neuen Gotteslobs in den Bistümern Ostdeutschlands. Da in der Kathedrale gestern ein Pontifikalamt zum Papstgedenken angesetzt war, fürchtete ich schon, die Liturgie würde nun das Thema „neues Gotteslob“ umkreisen. Tat sie aber nicht, und der apostolische Nuntius hat auch nicht darüber gepredigt, Deo gratias. Es gab eine kurze Einführung des Herrn Kardinals noch vor dem Kyrie (wie mir sowas widersteht!), die mir schon deshalb zu lang vorkam, weil wir Ministranten sie stehend anhörten, als sei es das Evangelium, dann wars das aber auch. Der wirklich nette Nuntius Nikola Eterović predigte stattdessen über die Heilung des Blindgeborenen.

Vor dem Ponti in der unteren Sakristei Austausch über die äh… suboptimale Idee, für eine Kathedrale graue Gesangbücher anstelle von schwarzen anzuschaffen – ich möchte nicht wissen, wie speckig die grauen nach einem halben Jahr schon aussehen werden – und über die optische Gestaltung. Erfreulicherweise sind ja auch Bilder drin, die man sich richtig anschauen kann. Zu den wohl von Hühnern in den Sand gescharrten Graphiken hatte ich mich ja schon geäußert. Das Erfreuliche daran ist, daß sie optisch wohl doch nicht so dominant sind: beim Durchblättern war es mir jedenfalls nicht möglich, etwa das Bild mit dieser vergurkten Ziehharmonika wiederzufinden. Für alle diese Werke gibts jedenfalls Heiligenbildchen zum Drüberkleben.

In der Liturgie dann waren die Eröffnungs- und Schlußgesänge solche, die schon im alten Gotteslob gestanden haben und die die Leute hier wohl auswendig singen, so weit, so gut. Ein feiner Zug, wenn auch den Leuten anläßlich des Singens einiger Strophen von Lobet den Herren nicht aufgefallen sein dürfte, das dieses nun eine Strophe mehr hat, denn genau jene stand beim Strophenbingo nicht auf dem Plan. Btw, kann mir mal ein Kirchenmusiker oder Gemeindepfarrer das Geheimnis verraten, nach dem man bei ohnehin kurzen Liedern noch Strophenbingo spielen muß? Wärs nicht viel leichter, einfach alle Strophen zu singen? Lieder, wie man sie in reformierten Ausbünden hat, mit sechzehn oder dreiundzwanzig Strophen, die die Gemeinde dann, ohne mit der Wimper zu zucken, auch alle singt, kommen bei uns ja sowieso nicht vor. Und wenn schon? Beim Strophenbingo muß man die Liedertafel scharf im Auge behalten beziehungsweise überhaupt erst einmal ein Auge auf sie werfen können; auch wird das Auswendigsingen schwieriger. Irgendwer kommt jedenfalls todsicher schallend laut auf einer falschen Strophe heraus.

Der Wechselgesang zum Credo wurde schon im Fernsehgottesdienst an Weihnachten gesungen und kommt hier wohl gut an. Um das Sanctus, den Meßgesang schlechthin und einen Teil der Liturgie, der immer gesungen werden soll, hat es mir dagegen wirklich leid getan. Dieses Sanctus hat zwar auf der Liste der Lieder gestanden, die (hierzukirch äußerst sporadisch) vorab geübt wurden, aber auch da ging es schon nicht wirklich gut. Jedenfalls passierte es, daß die Ministranten an der Altarstufe keinen Ton sangen, der Gemeinde ging es nicht viel besser, sie hatte aber Bücher, um dieses tempimäßig etwas merkwürdige Sanctuslied wenigstens auszugsweise mitzusingen. Was es nicht wirklich leichter machte, war, daß der obzwar herzige Kinderchor mehrstimmig dann noch irgendwas drumherum schmetterte, so daß musikalisch Unbedarfte wohl im Zweifel sein durften, welches überhaupt die Melodie wäre, die sie zu singen hätten. An dieser Stelle hätte ich den DKM schütteln mögen. Überhaupt ist man in letzter Zeit zu der blöden Angewohnheit übergegangen, bei Gesängen, die nun wirklich dem Volk zukommen, und die es auch wirklich singen kann, den Gläubigen den Chor im Wechselgesang vorzusetzen. Liegt irgendein Sinn darin, dem Volk auch noch das Absingen zweier Strophen von Lobe den Herren vorzuenthalten?

Schließlich war für mich die Einführung des neuen Gesangbuches auch mit einem persönlichen Mißklang verbunden, dergestalt, daß mein altes Gotteslob, das mir selbst gehörte, und das ich im Gewänderschrank verwahrt habe, wo auch unsere Ministrantenschuhe stehen, gestern morgen auf einmal verschwunden war. Ich hatte es letzte Woche nicht mitgenommen, weil ich mitten in einem Umzug nun wirklich etwas anderes im Kopf hatte. Auf Nachfrage beim Küster ergab sich, daß auf Weisung des Herrn Pfarrers alle alten Gesangbücher weggeräumt und wohl zur Entsorgung bereitgestellt werden mußten. Dafür können die deutschen Bischöfe zwar nun nichts, es ändert aber nichts daran, daß ich diese Aktion, bezogen auf mein Eigentum, als deutlich übergriffig empfinde. Kohelet 1,9. – Es ist ja nicht nur das Gesangbuch selber, sondern vor allem die im Laufe von Jahren gesammelten Andachts- und Weihebildchen, die mir geschenkt wurden, von frischgeweihten Priestern, von durchreisenden Bischöfen, et cetera. In diesem Moment war mir jedenfalls deutlich weniger nach Laetare (freuet euch!) zumute.

Nichtsdestotrotz hab ich grade gestern für das neue Gotteslob eine schöne Hülle bei Claudia bestellt, die auch jenes Zeichen trägt, in dem für uns Heil, Hoffnung und Leben ist. Segne es Gott!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Einband des neuen "GoLo" in lebensfrohem Grau soll natürlich die ganze Freude des Christentums illustrieren, ganz klar

(Ironie aus)

Und was die Graphiken angeht, mich haben die an Gleis-Dreiecke auf einem Verschiebebahnhof erinnert ...

Zwetschgenkrampus

Braut des Lammes hat gesagt…

Zum Grau hatte ich einen ganz ähnlichen Gedanken. Wenn schon „Farbe“ (die im Gegensatz zur Nichtfarbe Schwarz viel weniger als zeitlos empfunden wird), warum dann um Himmels willen ein fröhliches Staubgrau?

Huppicke hat gesagt…

Bei uns ist das neue Gotteslob auch endlich angekommen, es soll angeblich Sonntag vor Ostern eingeführt werden, ich vermute aber stark man wird doch bis nach Ostern warten.

Ich finde es schön. Diese Strichbilder sprechen mich nicht an, stören mich aber auch nicht. Alles in allem fand ich den Aufbau gut. Viele Lieblingslieder habe ich schon wiedergefunden. War ganz erleichtert, dass meine geliebte Kreuzwegandacht im besonderen Teil aufgenommen wurde.
Tja. Das erfrischende Grau. Ich hätte für mich ja gut mal in edles Leder investieren können. Ich wollte nicht. Ich wollte grau. Es ist schon okay.

Ich hatte vor Augen, dass meine Mutter ihr halbes Leben lang die einfachste schwarze Version des alten Gotteslobes hatte und wie verbogen und verlesen es aussieht. Und ich finde das schön.
Ich hoffe, dass mein graues Gotteslob vom ehrlichen Gebrauch so richtig speckig und fleckig und verblättert wird und sich die Lieblingsstellen schon beim bloßen offen hinlegen von selbst aufschlagen. Ach, das wird schon ein geschätztes Büchlein werden.

Die Töchter kriegen die rote Goldschnitt-Version zur Kommunion. So ist es Sitte in der Familie.

*Huppicke glüht im Glanze ihrer bescheidenen Frömmigkeit*

lol

Ich finde es schön, wenn nur über den Einband gemeckert wird und nicht darüber wie "diese Kirche uns nur mit nem neuen Buch abzocken will". (Keine Angst, weiß schon, dass ihr nicht so denkt, aber die braven Kirchgänger in meiner Gemeinde.)

Liebe Grüße
Huppicke

Psallite Deo hat gesagt…

Ich persönlich finde es optisch nicht so schlimm (bei uns beschwerte sich heute eine Frau, daß es sich nicht gut anfühlt bzw. die Hände schwitzig mache), der Inhalt ist da wichtiger, und auch wenn ich bei manchem nicht verstehe, warum es raus ist (z.B. 293 oder 174), hat sich gerade bei den Andachtstexten etc. einiges verbessert.

"Strophenbingo" hat mehrere Gründe (jedenfalls bei uns):
1. Der Kirchenmusiker, also ich ;-) schlägt vor, welche Strophen am besten passen (das sind manchmal viele, manchmal nur eine) - und gerade, wenn die Leute oft nur 1-3 kennen, ist es durchaus lohnenswert, mal zu schauen, was weiter hinten für Schätze verborgen sind.
2. Der Pfarrer ändert es manchmal (heute z.B. hatte ich vom 427 (289) nur die 2. Str. mit dem Wasser, er wollte aber die erste auch, weil ihm es nicht gefiel, mit der 2. anzufangen, glaube ich). oder er streicht was weg, weil ihm die 30-50 sek. für eine weitere Strophe zu lang sind.
3. Die Leute schimpfen, wenn man mehr als 3 Strophen spielt.

Mit dem Auswendig-Singen fällt man übrigens an vielen Stellen übelst auf die Nase - die kleinen textlichen oder melodischen Veränderungen sind überall... (ich sollte lt. Chef eigentlich vor jeder Messe ansagen, wo was anders ist, ich mache es jedoch nur, wenn es wirklich gehäuft vorkommt).

Dein verschwundenes altes GL ist wirklich ärgerlich, ich mußte auch die Exemplare für die Orgeln in einigen Kirchen mühsam wieder zusammensuchen, weil der Küster sie entsorgt hatte (aber nur bis in unsere Büchereien, wo die alten verschenkt werden sollten - keine Ahnung, ob jemand welche mitgenommen hat...). Jedenfalls benutze dich die alten gelegentlich, wenn mir die Tonarten im neuen nicht gefallen, und vor allem als "Bremse", weil die neuen trotz starkem Umbiegen des Buchrückens nicht auf allen Seiten offen stehenbleiben - beim Singen stört das nicht, aber auf dem Notenpult der Orgel schon...

kalliopevorleserin hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes, zunächst mal herzlichen Dank für die Erwähnung. Sodann: guck bitte mal in Deine Mailbox. ;-)
Beste Grüße,
Claudia

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