Donnerstag, 13. März 2014

Einsiedelei sucht Einsiedler(in)

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis – früher™ einmal zog ein Einsiedler in die Wüste oder Einöde und lebte dort, so alles gut ging, ein eremitisches Leben. Natürlich hatte man damals noch viel mehr Einöden als heute!

Ein Problem hatten manche Einsiedler allerdings wohl auch damals schon damit, daß sie von Rat- oder Sonstwas-Suchenden einfach überrannt wurden. Nicht nur der hl. Antonius hatte darüber zu klagen. Im anderen Fall wurde aus einer Gruppe von Einsiedlern, die sich um eine gemeinsame Kirche herum angesiedelt hatten, ein ganzer Konvent eremitisch oder „halberemitisch“ Lebender, mithin ein Kloster oder eine Reihe von Lauren.

Als ich vor einigen Jahren im nachhinein las, die Einsiedelei von St. Verena in der Schweiz wäre zwischenzeitlich frei gewesen, dachte ich, wie schön, das wärs eigentlich! Allerdings ging aus der beigefügten Information, wenn ich mich recht erinnere, auch hervor, daß man dann und wann vorbeikommende Wandergruppen bewirten solle (oder was beißt mich). Also so sehr hätte man der Welt nicht entsagt, weil sie dort regelmäßig in ganzen Völkerscharen vorbeikäme. Auch bewirbt die Gemeinde am Ort selbst die Verenaschlucht mit Kapelle und Einsiedelei, einen Ort, an dem seit dem vierten Jahrhundert eremitisches Leben herrscht, als „ideales Ausflugsziel für Familien und Gruppen“, bei dem man auch die Einsiedelei „besichtigen“ kann, sicherlich gleich komplett mit Einsiedler – das Bild verschafft schon einen kleinen Eindruck…

Ich weiß nicht, ob es daran lag, es klingt allerdings schon so, wenn ich gerade höre, daß die Einsiedelei von St. Verena in der nach ihr benannten Schlucht bei Solothurn wieder frei ist. Nach nur fünf Jahren hat die dort lebende Eremitin – die erste überhaupt an diesem Ort – die Verenaschlucht relativ unvermittelt wieder verlassen und ist ins Altenheim gezogen. Ob es sich um eine Diözesaneremitin gehandelt hat, weiß ich nicht, die Umstellung vom jetzigen Leben in die enge Gemeinschaft eines Heims mag für sie gewiß nicht leicht sein.

Wie eingangs bemerkt, früher faßte man den Entschluß (die Berufung immer vorausgesetzt), als Eremit zu leben und tat es. Mittlerweile ist das Leben etwas komplizierter und so gilt es meist, erst die entsprechenden Vorbedingungen zu schaffen, wenn man eremitisch leben möchte[1]. Umgekehrt anscheinend auch, wenn man einen Ort zu vergeben hat, an dem traditionell ein Eremit lebt. Mittlerweile sucht man quasi per Stellenausschreibung Eremiten. Auf die letzte derartige Ausschreibung sollen sich dreißig potentielle oder tatsächliche Eremiten beworben haben. Ohne die Verhältnisse in der Verenaschlucht genau zu kennen, ein bißchen wie mit den Schmuckeremiten der Barockzeit hört sich das ja schon an.

Die Gemeinde Solothurn, die dem Einsiedler oder der Einsiedlerin traditionell den Lebensunterhalt sichert, hat nun jedenfalls wieder eine Einsiedelei zu vergeben. Vielleicht ist ja unter den Lesern hier jemand, für den das interessant wäre?
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[1] etwa braucht man einen, und sei es noch so geringen, Lebensunterhalt, eine Krankenversicherung, Zugang zu Lebensmitteln. Es gibt übrigens auch eremitisches Leben in der Wüste von städtischen Wohnsiedlungen. Die kirchenrechtliche Grundlage für das eremitische Leben gibt der Can. 603 her. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

in deutschland gibt es soweit ich weiß keine stellenausschreibungen für eremiten, dafür aber, zumindest in unserem bistum, eine 5 jährige prüfungszeit. wofür ich rückblickend ganz dankbar bin.nun habe ich noch 3 jahre zeit um mir von gott die letzten hindernisse und zweifel aus dem weg räumen zu lassen, um dann eine feste entscheidung zu treffen. a.m. leenen begrenzt ihre sprechzeiten übrigens auf 1 std. pro tag, was mir eher zusagen würde, als total abgeschieden irgendwo zu leben. aber jeder eremit hat da seinen persönlichen stil und das ist auch eine sache die mir zusagt, den lebenstil individuell gestalten zu können :)

Braut des Lammes hat gesagt…

In Deutschland womöglich nicht, in der Schweiz scheint das aber eher gängig: so hat noch mindestens eine andere Eremitage in der Schweiz eine angestellte Eremitin bzw. sucht per Stellenausschreibung.

Den Sinn von Probe- und Vorbereitungszeiten wollte ich natürlich nicht in Frage stellen, die haben ja auch kanonische Bedeutung. Dir Gottes Segen!

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