Sonntag, 23. Februar 2014

Was von der Berlinale übrig blieb…

Die Berlinale im Kiez –
hier mußte ich unbedingt mal über den roten Teppich!
Die diesjährige Berlinale „erfreute“ auch durch einen „katholischen“ Film: Kreuzweg, ein Film über eine katholische Jugendliche, angelehnt an die Stationen desselben; Ende März kommt er ins Kino, weil ein Kreuzweg in der Fastenzeit so schön paßt.

An sich finde ich ja nicht, daß Filmemacher in der Art, wie sie etwas darstellen, sich nach Be- oder Empfindlichkeiten richten sollten, etwa weil das ein schlechtes Licht auf im Film dargestellte Gruppen werfen könnte. So war ich einigermaßen erstaunt, vor kurzem als hauptsächliche Kritik zu dem zeitweilig Oscar-nominierten Alone yet not alone über das Schicksal einer christlichen deutschen Familie zu lesen, er lasse die Ureinwohner Amerikas in schlechtem Licht erscheinen. Das wäre, als würde man schreiben, man hätte die Tudors nicht drehen sollen, denn die Serie ließe die Engländer in schlechtem Licht erscheinen. – Unbestrittene Tatsache und teils auch literarisch dokumentiert ist, daß es solche Entführungen wie in Alone yet not alone gegeben hat, mit teils überraschenden Ergebnissen: so entschieden sich einige der damals Gefangenen, als sie durch entsprechende Abkommen zwischen Engländern, Franzosen und verschiedenen Stämmen die Möglichkeit hatten, aus freien Stücken weiter bei den Indianern zu leben. Für eine umfangreichere Reflexion müßte ich Alone yet not alone erst einmal sehen.

Eine Darstellung, die sich als historisch gibt, sollte sich dann allerdings auch an tatsächlichen Gegebenheiten orientieren. Wenn man als Filmemacher dagegen etwas völlig frei Erfundenes dreht, ist das natürlich auch in Ordnung, nur sollte es halt dann als das bezeichnet werden, was es ist: frei erfunden. Wenn Filme über bestimmte Phänomene so daherkommen wie beim Kreuzweg ist das immer schwierig bis wenig erbaulich. Umso merkwürdiger berührt es, wenn sich die Kirche gar nicht passende Schuhe selber anzieht und nicht mal findet, daß der Schuh nicht passe. So hat es mich verwundert, auf der Facebook-Seite des Erzbistums Brüggemanns Film mit den Worten, „Aber Vorsicht: Es ist kein Film über die Schönheit des Glaubens, sondern zeigt eher die dunkle Seite der Kirche“ angekündigt zu sehen. Also, nun bleibt doch bitte mal ganz ruhig: das ist nicht „die dunkle Seite der Kirche“ sondern die dunkle Seite vollkommen fiktiver Neurotiker in einem geistlichen Klima, in dem man anscheinend noch nicht einmal sein Frühstücksei essen kann, ohne zugleich ein Auge aufs ewige Heil zu werfen.
„Die junge Maria lebt zwischen zwei Welten. In der Schule ist sie das 14-jährige Mädchen mit den typischen Interessen eines Teenagers. Zu Hause, in ihrer Familie, folgt sie den Lehren der Priesterbruderschaft Pius XII. und deren traditionalistischer Auslegung des Katholizismus.“
(Priesterbruderschaft Pius XII. – ein Schelm, wer arges dabei denkt…) Dabei vermischt der Film in einem fort Dinge, die an sich hochzuschätzen oder sogar von jedem Christen anzustreben sind, wie das Streben nach eigener Heiligkeit oder das Bestreben, Gott ein Opfer darbringen zu wollen, mit dem Grenzwertigen, wie etwa, auch simpelste sinnliche Freuden als vom Teufel oder zumindest von der „Konzilskirche“ (wenn das nicht womöglich gleich dasselbe ist) einzuordnen, so übertrieben zu fasten, daß man bei der eigenen Firmung hochdramatisch und -anorektisch zu Boden sinkt, während die Stimme eines Priesters aus dem Off „In nomine patris“ murmelt, oder an der heiligen Kommunion zu ersticken – ob das nun eine Gnade für die Kommunikantin oder für den armen Zuschauer ist, dem es an dieser Stelle nun wirklich reicht, bleibt dahingestellt. Alles, damit es zu den Stationen des Kreuzwegs paßt.

Daß die ökumenische Jury sich bemüßigt fühlte, ihren Preis gerade an diese düstere, so verkrampft daherkommende Überzeichnung zu vergeben, finde ich einigermaßen erstaunlich. Selbstgeißelung?

Kommentare:

Angelofberlin hat gesagt…

Seit ich von diesem Film gehört habe stellt sich mir die Frage: Ins Kino gehen und ihn ansehen (bin schließlich neugierig und Cineast) und ihm damit mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen als ihm gebührt. Oder besser einfach ignorieren, die box office Zahlen nicht noch in die Höhe treiben und dieses Machwerk abstrafen? Klar, um mitreden und sich ein eigenes Urteil bilden zu können, muß man den Film sehen. Aber bei der öffentlichen Anerkennung, die KREUZWEG inzwischen vom medialen Establishment erhalten hat, dürfte auch ohne Anschauen klar sein, welches Geistes Kind er ist. Und da schau ich mir lieber ein weiteres Mal THE PASSION OF THE CHRIST an, gehe mit meinem Herrn Seinen Kreuzweg und tu meinem Glauben etwas Gutes.

Braut des Lammes hat gesagt…

Jeder weiß, daß es das sicherste Mittel ist, die Leute erst recht ins Kino zu treiben, wenn vom Ansehen eines Filmes vorher kirchlicherseits ausdrücklich abgeraten wird. Vielleicht haben sie jetzt mal die andere Strategie versucht: wir zeichnen ihn mit einem Preis aus, dann geht bestimmt keiner hin… :7

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...