Montag, 17. Februar 2014

Kafkaesk gelaufen…


…sind die Dinge, wenn man zur tiefsten Nacht vor der Haustüre steht und mangels Schlüsselbund keinen Einlaß findet. Wirklich, eigentlich sperre ich mich überaus selten selbst aus, das letzte Mal muß Dezennien her sein. (Solcherart Betrachtungsweise verschönt später das Ergebnis, wenn man ausrechnen will, was der Schlüsseldienst statistisch gesehen gekostet hat. Allerdings wurde mir vor einigen Jahren mal die Handtasche gestohlen, was entsprechenden Ärger mit Schlüsseln und Schlüsseldiensten mit sich brachte, weil der zweite Schlosser irgendwann richten mußte, was der erste verbockt hatte. Das versaut die Statistik wieder.)

Da mehrmaliges Umstülpen des ohnehin zu vollgepackten Rucksacks nichts bringt – sowas ist an einer belebten Straße besonders angenehm, auch kann man dabei leicht paranoide Ideen entwickeln wie etwa, man habe den Schlüsselbund anläßlich dieser Suchaktion überhaupt erst verloren – und man den zweitschlüsselbesitzenden besten Freund von allen zu dieser Stunde beim besten Willen nicht mehr herausklingeln will, bleibt die Alternative, ein Stündchen zu fahren und den Rest der Nacht auf dem Sofa im Büro zu verbringen. Dort ist’s wenigstens warm, es gibt Kaffee, und die technische Infrastruktur funktioniert. Damit schlafe ich auch bei gedrosselter Heizung immer noch besser als viele Menschen, allerdings nicht sehr gut und nicht sehr lange, bis mich die Heizung, die nun auf vollen Touren ackert, wieder aufweckt. Der Erkältung ist das natürlich alles nicht so recht zuträglich. Auch mache ich mir Gedanken um den Kater zu Hause, der sich bestimmt fragen wird, also warum schreibt die nicht, und habe aparte und farbenreiche Träume, in denen viele Menschen mein Büro betreten, um das Sofa herumstehen und sich über die mit einer Winterjacke zugedeckte Gestalt wundern. Kafkaesk. Als Braut des Lammes eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt…

Am nächsten Morgen sieht es dann schon viel besser aus. Das ungeheure Ungeziefer ruft zum frühestmöglichen vertretbar erscheinenden Zeitpunkt den besten Freund von allen an, der auch keinerlei Probleme hat, den Ersatzschüsselbund umgehend zu finden, man hätte übrigens gern auch gestern Nacht noch anrufen können…

Nach einigen Stunden mit dem Freund in der Frühlingssonne, wo man so schwerwiegende Themen wie dänische Giraffen, Berliner Zoodirektoren, limburgische Bischöfe und (natürlich!) den Zölibat wälzt, stellt sich zu Hause heraus, der Schlüsselbund ist definitiv weg und der Haustürschlüssel am Ersatzschlüsselbund mindestens eine Generation zu alt. Zeit, sich ein wenig mit der Suche nach dem Zweitschlüssel für die Haustüre verrückt zu machen, ein paar Schlüssel zu finden, die sich zwar ins Schloß stecken, aber nicht drehen lassen und sich bei der netten Nachbarin einen Schlüssel zwecks morgigem Gang zum Schlosser zu borgen, um dann festzustellen, daß alle diese Schlüssel sich von innen nur stecken, aber nicht drehen lassen. Das war mir noch gar nicht aufgefallen.

Am Montagvormittag erreicht mich dann im Büro eine E-Mail, es sei ein Schlüsselbund gefunden worden… Also wirklich! Noch heute mache ich den langgehegten Vorsatz wahr, künftig auch einen Ersatzschlüssel im Büro zu deponieren. Noch eine Nacht auf diesem Sofa und ich verwandle mich nie wieder zurück. Jedenfalls hab ich den Schlüsseldienst nicht gebraucht, und schon ist die Statistik wieder schön.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

... was mich daran erinnert, daß ich überhaupt einmal bei irgendjemandem einen Zweitschlüssel deponieren sollte. Bislang verlasse ich mich stets darauf, daß ich die Wohnungstür hinter mir abschließe und so nur herauskomme, wenn ich zum Schlüssel greife, den ich dann nicht mehr aus der Hand lege ... das kann aber mal schief gehen.

Braut des Lammes hat gesagt…

An sich verlasse ich die Wohnung nur, wenn ich dabei den Schlüssel in der Hand habe. Da ich aber zur Zeit einen leicht fiebrigen Matschkopf habe, hätte es vielleicht doch sein können, daß er aus Versehen dringeblieben war.

Einen Zweitschlüssel deponieren kann angesichts des Gebarens mancher Schlüsseldienste nur von Vorteil sein.

Lauda Sion hat gesagt…

Oh boy...

kalliopevorleserin hat gesagt…

Mein Schlüssel steckt immer, wenn ich zu Hause bin, damit ich ihn nicht vergesse. Wegen mehrfacher Schlüsseldienst-Erfahrung habe ich aber hinsichtlich Schlüsseln ziemlich seltsame Kontrollzwänge entwickelt. Ich ziehe den Schlüssel aus der Tür, stecke ihn in die Handtasche, öffne die Tür, gehe raus, und bevor ich sie wieder schließe, grabe ich in meiner Handtasche nach dem Schlüssel.
Ich glaube, wenn man keine wesentlich schlimmeren Schrullen hat, ist man noch kein Fall für die Klinik. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Hihi, Kalliope, komm in meine Arme ;). Das ist der Grund, warum ich den Schlüssel in die ''Hand'' nehme. Wenn ich ihn in die Tasche steckte, müßte ich ihn nämlich sonst wieder ausgraben, weil ich mich selbst nicht überzeugen könnte, daß er wirklich drin ist.

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