Donnerstag, 27. Februar 2014

Gnade

An diesen schönen Nachmittagen, an denen man schon ohne Jacke und mit hochgerollten Ärmeln in der Sonne sitzen kann, habe ich mir ein Vergnügen daraus gemacht, Thomas Mertons Berg der sieben Stufen wieder einmal zu lesen. Ein Buch, das ich jedem empfehlen würde, der sich dem christlichen Glauben nähern möchte oder sich mit dem Gedanken trägt, in die Kirche einzutreten, sei es durch Taufe oder Konversion. (Merton selbst ist bei seiner Aufnahme in die katholische Kirche sub conditione noch einmal getauft worden, wie es zu jener Zeit üblich war. Allein der Bericht darüber ist wunderbar zu lesen.) Der Titel des Buches ist angelehnt an den siebenstöckigen Berg eines Fegefeuers, den er damit seinem Empfinden nach erst zu ersteigen begann.
Nun war ich in die ewige Bewegung jener Schwerkraft eingegangen, die das Leben und der Geist Gottes ist: Gottes eigenes Kreisen um die Tiefen seines unendlichen Wesens, seiner unermeßlichen Güte. Und Gott, der Mittelpunkt, der überall ist und dessen Dasein keine Grenzen kennt, fand mich, der ich vereint war mit Christus und einverleibt in die unendliche gewaltige Schwerkraft der Liebe, die der Heilige Geist selbst ist, und liebte mich.
Und aus seinen unermeßlichen Tiefen herauf rief er mich.
Besonders berührt mich dabei, was Merton verschiedentlich über die Gnade schreibt, über ihre Wirkung an seiner Seele, und warum ihm vielleicht eine bestimmte Gnade erst später im Leben verliehen würde, denn hätte er sie früher empfangen, hätte er sie womöglich zu gering geachtet und daher vertan. Abends dann das Fest der hl. Walburga, in der der Herr Weihbischof em. in Anlehnung an das Tagesgebet über die Stärke des Glaubens predigte. Stark im Glauben ist der, der sich durch Widrigkeiten und fehlende Anerkennung nicht beirren läßt, sondern fortfährt, Gottes Gegenwart zu suchen.
Inmitten der Kirche berufst du Menschen, sich Christus zu weihen und mit ganzer Hingabe das Himmelreich zu suchen. In ihnen offenbarst du deinen Ratschluß, uns Menschen die ursprüngliche Heiligkeit zu schenken und uns schon jetzt mit Freude an den Gütern der kommenden Welt zu erfüllen durch unseren Herrn Jesus Christus
Ich liebe es, wenn an den Festen der Heiligen, die keine Märtyrer waren, diese Präfation kommt – es ist die gleiche wie die bei der Jungfrauenweihe (oder auch andersherum, die Präfation von der Jungfrauenweihe ist dieselbe wie die von den Heiligen, wie ich nach der Weihe mit einer gewissen Verblüffung festgestellt habe), und so höre ich ich unterm Jahr immer wieder einmal von der Schönheit der Berufung.

Wie schön, wenn dann es dann noch im Schlußlied heißt:
So werden alle wir zugleich
auf Erden wie im Himmelreich
hier zeitlich und dort ewiglich
für solche Gnade preisen dich.

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