Mittwoch, 5. Februar 2014

Das „schwache Geschlecht“ und die menschliche Schwachheit

Prozession der Jungfrauen, Mosaik in S. Apollinare Nuovo
Grad, und wenn ich mich recht erinnere, nicht zum ersten Mal, bin ich ein wenig über das Tagesgebet der außerordentlichen Form am Fest der hl. Agatha gestolpert:
Gott,
du hast neben anderen Wundern deiner Allmacht auch dem schwachen Geschlecht den Sieg des Martyriums verliehen;

gewähre uns gnädig, daß wir, die wir das Geburtsfest  deiner heiligen Jungfrau und Märtyrin Agatha feiern,  nach ihrem Vorbild zu dir emporsteigen.
Gott, du hast … auch dem schwachen Geschlecht den Sieg des Martyriums verliehen. Ein seltsamer Satz, eigentlich. Sind es nicht die Frauen, die unter anderen Voraussetzungen die Kinder bekommen? Schwach nach welchen Maßstäben? Nach denen der Spiele nach der 194. Olympiade? Oder doch eher schwach nach denen Gottes, der beruft, was schwach ist in dieser Welt, das was in ihren Augen nichts ist und nichts gilt? Auch heißt es in der sehr kurzen Präfation der Märtyrer sehr schön: denn in der menschlichen Schwachheit bringst du deine göttliche Kraft zur Vollendung.

Dom Mark Kirby von Vultus Christi hat vor Jahren einmal die hl. Jungfrau und Märtyrin Lucia sogar auf ihre Weise als „more violent“ bezeichnet, als jene, die sie verfolgten:
Saint Lucy … could have saved her life in this world, had she not insisted on being altogether more violent than the torturers who took her life by violence. More violent? Yes. More violent, because Saint Lucy applied all the strength of her virginal love swiftly, intensely, and forcefully to bearing away the Kingdom of Heaven.
Ich muß sagen, hier mag ich das Tagesgebet der ordentlichen Form viel lieber, die von den Gnaden der Berufung zu einem jungfräulichen Leben um Christi willen und des Martyriums spricht und die Verleihung dieser letzteren Gnade auch an Frauen nicht zum Wunder erklärt. (Es sei denn, man will darauf hinaus, daß womöglich die Verleihung einer Gnade immer einem Wunder gleichkomme, denn sie ist durch nichts verdient, warum aber die Sache mit dem Geschlecht dann noch eigens hervorheben?)
Allmächtiger Gott,
du hast die heilige Agatha
zur Jungfräulichkeit um Christi willen berufen
und ihr die Gnade des Martyriums geschenkt.
Höre auf ihre Fürsprache und hilf uns, in aller Bedrängnis auszuharren
und dir in Lauterkeit und Treue zu dienen.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Für unsere Ohren klingt es herablassend "auch dem schwachen Geschlecht", ach ja, oh wie wundersam, oh sieh mal einer an, wer hätte es vermutet - auch den Frauen.

Mir ist da die ordentliche Form auch lieber.

Und darf es ja auch.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, so hab ichs auch empfunden, alternativ auf eine verzopfte Weise altväterisch.

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