Freitag, 3. Januar 2014

Sind geweihte Jungfrauen Laien?

Auszug aus einem älteren Pontifikale
der Consecratio Virginum
Gestern wollte ich endlich einmal bei Zenit subskribieren und mir aus den ölfdrölfzig Alternativen, was oder wer ich denn nun sei, die passende heraussuchen – es werden einem immerhin so exotische Möglichkeiten wie Apostolischer Nuntius, Kardinal oder Äbtissin angeboten. Unter C, wie consecrated, sucht man jedoch die Consecrated virgin vergebens, es wird einem aber die „Consecrated laywoman“ angetragen – gerade bei Zenit sollte man es eigentlich besser wissen. Was bitte ist eine „consecrated laywoman“?[1]

Ähnlich wars vor kurzem beim Northwest Catholic, der über eine Jungfrauenweihe im Bistum Seattle berichtete. Der Artikel ist durchaus wohlwollend geschrieben, lädt allerdings gleich in der Überschrift, obwohl gut gemeint, ein wenig zum Tischkantenbeißen ein, indem er ein Mißverständnis transportiert, das hier und da einmal vorkommt. Sie lautet Local woman begins lay consecrated life. Gemeint hat die Autorin womöglich, daß es sich um eine Jungfrau handelt, die in der Welt lebt, wie es die Kirche ausdrückt, unter anderem im Pontifikale für den Ritus der Weihe. Beschrieben hat Ms. Sokol das allerdings mit einem Ausdruck, den es gar nicht gibt.

Solcherart inhaltliche Verwirrungen lenken den Blick auf eine Frage, die gelegentlich gestellt wird: sind geweihte Jungfrauen Laien? Die Antwort: es kommt darauf an. Allerdings, gleichviel, ob man mit dem Kirchenrecht[2] davon ausgeht, daß alles, was nicht Kleriker ist, auch Laie genannt werde, oder ob man neben diesen beiden Ständen im Volk Gottes noch den Stand des geweihten Lebens einbezieht, wie es die Ostkirchen und die Konzilsdokumente tun (eine Unterscheidung, die auch die Enzykliken und Schreiben des Heiligen Vaters machen, wenn sie die gottgeweihten Personen anschreiben): nie kommt man bei einer Konstruktion wie „lay consecrated“ oder „consecrated laywoman“ heraus.

Wenn jene, die zum geweihten Leben gehören, aber keine Kleriker sind, Laien genannt werden, so bezieht sich dies auch auf die Ordensfrauen, jene Ordensmänner, die nicht Kleriker sind, die Mitglieder der Säkularinstitute und die Eremiten. Blickt man dagegen auf das geweihte Leben, wie es neben den kirchenrechtlichen Regelungen auch der sel. Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben Vita consecrata beschreibt, so umfaßt dies wiederum alle, die sich in einer der von der Kirche anerkannten Formen des geweihten Lebens öffentlich an Christus gebunden haben, in gleicher Weise. Und so ist man in Versuchung, zurückzuschreiben: There is no such thing as lay consecrated. Es gibt nur consecrated, dem geweihten Leben angehörend, dabei gibt es in sich keine Abstufungen. – Ich hab dann übrigens nicht die „Consecrated laywoman“ genommen.

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[1] Liebe Kinder, in der nächsten Folge fragen wir dann: was ist eigentlich ein „Consecrated layman“?
[2] Can 207: Kraft göttlicher Weisung gibt es in der Kirche unter den Gläubigen geistliche Amtsträger, die im Recht auch Kleriker genannt werden, die übrigen dagegen heißen auch Laien.

Kommentare:

Klaus hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes,
zunächst einmal ein gesegnetes Neues Jahr des Herrn 2+0+1+4.
Was du nun schreibst über dein Verständnis als geweihte Jungfrau bzw. deren Bild in der Kirche, so ist die Frage doch letztlich tatsächlich die, ob du eine Amtsträgerin bist oder nicht. Im engsten rechtlichen Sinne, ob du eine Straftat begehen könntest, die nur nur von Amtsträgern begangen werden können (sogenannte „echte Amtsdelikte)“, die dann auch von der Kirche geahndet werden könnten.
Allen (i.e. den Klerikern und Laien) gemeinsam wäre der Ausschluss vom Hl. Abendmahl - was aber wäre bei Dir als Amtsträgerin möglich an Sanktionen?

Braut des Lammes hat gesagt…

Die Frage verstehe ich jetzt, glaub ich nicht, bzw. sie scheint inhaltlich am Post vorbeizugehen, weder verstehe ich mich als Amtsträgerin noch bin ich es. Die geweihten Jungfrauen werden zum Dienst der Kirche [sic!] geweiht.

Es ging mir nicht um strafrechtliche Fragen, sondern um das Verständnis des geweihten Lebens, das keine Begrifflichkeiten wie „lay consecrated“ kennt. – Dir ebenfalls ein gesegnetes neues Jahr!

Psallite Deo hat gesagt…

Die Auswahlliste an sich fand ich schon witzig - die Differenzierungen bei "Student" - oder "Zahnarzt"…
Aber es werden Ebenen vermischt: der Stand ist was anderes als ein Amt und ein Beruf - man kann doch als geweihte Jungfrau ein Amt übernehmen und obendrein noch einen Beruf ausüben, der in eine andere Kategorie fällt bzw. mit der Kirche nichts zu tun hat, oder?

Braut des Lammes hat gesagt…

Die Auswahlliste ist an sich etwas drollig, und du hast recht, es werden Stände, Ämter und Berufe bunt gemischt aufgeführt.
Es hätte mich auch weniger gewundert, den eigenen Stand nicht aufgelistet zu sehen, nur eben nicht so einen Stuß wie „lay consecrated“.

In der Wahl des Berufs sind die geweihten Jungfrauen ganz frei, sicherlich könnten sie auch ein säkulares Amt übernehmen, das muß man dem Bischof besprechen. Es mag Tätigkeit geben, die nicht angemessen sind, das erklärt sich dann aber von selbst.

Anonym hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes,
herzlichen Dank für Ihren Artikel. Meiner Wahrnehmung nach werden VC leider immer stärker in die "Laien-Ecke" geschoben. Etliche VC verstehen sich auch selber so, keine Ahnung warum.

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