Montag, 20. Januar 2014

Filmen bei der Kommunionspendung − etwas mehr Diskretion, bitte!

Verschiedentlich hatte ich mich bei den Fernsehgottesdiensten auch schon mal gefragt, was gestern anläßlich der Übertragung aus Krems an der Donau ein anderer getan hat: Früher™ gehörte es einmal zum guten Ton, dem Empfang der heiligen Kommunion nicht im Detail (oder gar nicht) zu zeigen; die Kamera schwenkte derweil zur gotischen Decke oder zeigte, in Ermangelung einer solchen, doch wenigstens zumindest etwas anderes.

Heutzutage sieht man da dank der Kameraführung, und eigentlich ausnahmslos im Zusammenhang mit der Handkommunion, nolens-volens Dinge, die man lieber nicht gesehen hätte und im Alltag eigentlich schon deshalb dankenswerterweise nicht sieht, weil man selbst bei der Danksagung die Augen niederschlägt und nicht die anderen Kommunikanten betrachtet. Etwa solche Kommunikanten, die den Leib des Herrn ohne jede Ehrfurchtsbezeugung erst auf dem Rückweg in die Bank irgendwie zu sich nehmen oder auch mit vollen Backen kauen. Weitere Details erspare ich dem geneigten Leser, dies soll kein Rant werden, ich versuche nur darzulegen, wo ich bei dieser Form der Kommunionspendung wie dem allzunahen Zeigen der Kommunionspendung echte Nachteile sehe.

Der Gottesdienst am Weihnachtsfeiertag aus der Hedwigskathedrale scheint in dieser Beziehung die lobenswerte Ausnahme gewesen zu sein (die Kamera zeigte den Beginn der Spendung an den Altarstufen und die knienden Ministranten von hinten, dann schwenkte die Kamera fort). Scheint, weil ich mir natürlich beileibe nicht jeden dieser Fernsehgottesdienste ansehe, das Gesagte gilt ja aber auch für Übertragungen anderer Gottesdienste, etwa von Katholiken- oder Weltjugendtagen, Papstgottesdiensten oder auch die lokale Berichterstattung, bei der anläßlich der Wahl eines neuen Papstes durch das Konklave mal eben bei einer Heiligen Messe in der Kathedrale mitgedreht wird, um später entsprechendes Bildmaterial gen Äther senden zu können.

Irgendwie scheint da medial ein Standpunktwechsel stattgefunden zu haben und ich frage mich, wieso? Wurde früher einer der intimsten Momente, wenn nicht der intimste, die Vereinigung mit Christus im Sakrament der Eucharistie, nicht gezeigt, so hält man heutzutage die Kamera schon bald so, daß man demnächst unter Umständen auch noch die Zahnfüllungen der Kommunikanten wird sehen können.

Vielleicht steht auch das im Kontext jenes merkwürdigen Paradoxons, das vor einigen Jahren einer meiner Kollegen mir gegenüber bestaunte (es ging seinerzeit, glaub ich, um Handygespräche in der U-Bahn): das früher einmal Private wird zunehmend in die Öffentlichkeit getragen oder auch medial in sie gezerrt, während das, was früher öffentlich vollzogen wurde − Prozessionen etwa − zunehmend ins Private abgedrängt werden soll, weil es ja Privatsache sei.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

... andererseits habe ich auch schon Gottesdienste im Fernsehen angeschaut, da hat die Kamera bei der Heiligen Wandlung sonstwas gezeigt statt das Allerheiligste in der Hand des Priesters ...

Geistbraus hat gesagt…

sehr gute Schlussbeobachtung! Da scheint wirklich ein Paradigmenwechsel stattzufinden, den wir genau beobachten sollten.

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