Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heute sollt ihr wissen, daß der Herr kommt

Auf Adventskalendern ist das 24. Türchen immer das größte und schönste (weil meist eine Krippenszene drin ist, die von Christi Geburt kündet) – nicht, daß ich mir das jetzt ausgesucht hätte, es wurde ganz von selber so.

Mit dem 16. oder 17. Dezember tritt die Kirche in die gesegnete Zeit des Advents ein, in der sie in den großen O-Antiphonen unter den uralten Anrufungen des Messias dessen Kommen ins Fleisch, in die Welt, erfleht. Von Tag zu Tag scheint die Bitte immer drängender zu werden – komm, Herr, zögere nicht länger! Nach den flehentlichen O-Antiphonen gelangt die Liturgie der Adventszeit schließlich bei der wunderschönen, schlichten Feststellung an:Ecce completa sunt omnia, quae dicta sunt per angelum de Virgine Maria – nun hat sich alles erfüllt, was der Engel der Jungfrau Maria gesagt hat.

Das Responsorium wiederum verheißt: Heute sollt ihr wissen, daß der Herr kommt und morgen werdet ihr schauen seine Herrlichkeit.

Zu meinen liebsten Weihnachtsbildern – abseits der klassischen Ikonographie – gehören die des Memmingers Josef Madlener († 1967). (Madlener kam, abseits von der Beliebtheit seiner Motive für Andachtsbildchen zu unerwarteter Bekanntheit in jüngerer Zeit, als man für den Herrn der Ringe von ihm abkupferte.) Daß mir nun gerade Madlener in den Sinn gekommen ist, liegt sicher daran, daß ich ein Fleißbildchen hatte, das Josef und Maria vor einer verschneiten Landschaft auf dem Weg nach Bethlehem zeigt, mit der Unterschrift Heute sollt ihr wissen, daß der Herr kommt. Daß der Maler Josef und Maria mit dem ungeborenen Kind der verschneiten schwäbischen Landschaft zeigt, die mir so vertraut ist, drückt für mich sehr schön aus, daß Christus nicht „irgendwohin“ kommt oder in irgendein Abstraktum hinein, sondern zu uns, um unseret- um meinetwillen ist er Mensch geworden.

Noch ein Madlener: Engel bescheren die Tiere
mitten im Herzen des Waldes –  so stelle ich mir
die Heilige Nacht auch immer vor

Montag, 1. Dezember 2014

Hallo, Lesejahr B!


Das Lektionar zum 1. Advent (und das am Montag danach) verfehlt nie seine leicht verwirrende Wirkung auf mich: was ist denn hier alles los? In diesem Sinne: gutes neues Kirchenjahr! Hat übrigens hierzulande schon einmal jemand erlebt, daß der Lektor diesen Ruf singt?

Sonntag, 30. November 2014

Ein Adventskalender der katholischen Blogger

Ganz kurzfristig und auf eine Initiative Andreas hin haben sich die katholischen Blogger zu einem Adventskalender zusammengefunden, jedenfalls soviele wie es Türchen gibt, +1 für den Beginn des Advents, den ersten Adventssonntag, der in diesem Kirchenjahr im November liegt (gerade gestern hatte ich die Freude, einem Chinesen zu erklären, was der Advent ist und wieso der erste Advent mithin in jedem Jahr auf ein anderes Datum fällt).

Hinter einem der Sternchen wird auch ein Beitrag von mir sein. Da das Vergnügen bei einem Adventskalender darin liegt, daß man vorher nicht weiß, was aus dem Türchen „herauskommt“, verrate ich nicht, welches. (Selber habe ich bei Adventskalendern eine kindliche Freude daran, vorher möglichst nicht zu wissen, wo das nächste Türchen überhaupt ist.) Das Kalenderlogo in der Seitenleiste führt direkt zum Adventskalender, schon heute mit dem ersten Türchen zum Öffnen. Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten Beginn dieser schönen Zeit!

Mittwoch, 26. November 2014

Fundamentalistisch-umstrittene Teddybären

Foto: Maik K.
Manchmal kann man sich an sprachlich-inhaltlichen Affereien, die schließlich zu Mechanismen werden, ja auch wirklich reiben. Seit einiger Zeit scheint es Mode zu sein, in Zusammenhängen, in denen in irgendeiner Weise vom Christentum die Rede ist, das Wort „fundamentalistisch“ im Munde zu führen, (without rhyme or reason versteht sich).

Gleichviel ob von der vereinzelten Kritik an Harry Potter die Rede ist, vom Marsch für das Leben („die bisher machtvollste Demonstration fundamentalistischer Christen“), von den Mitfeiernden bei einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form, die womöglich auch noch Mantillen getragen haben, von der Aktion Weihnachten im Schuhkarton („dahinter steckt eine christlich-fundamentalistische Organisation“. Sehr verehrter Leser, wie überaus furchtbar!)  oder gar von Anders Behrens Breijvik, einem Massenmörder, es muß immer alles „fundamentalistisch“ sein. Wenn es nicht fundamentalistisch ist, dann ist es zumindest „umstritten“. Oder beides! Eine interessante Variante, die mir neulich begegnete: „nicht völlig unumstritten“. Also, das nenne ich wirklich mal Worddropping: wer oder was auf der Welt dürfte denn „völlig unumstritten“ sein? Schmetterlinge vielleicht, die Kühe auf der Wiese schon nicht mehr. Schon aber hat man das Wort „umstritten“ erfolgreich untergebracht. Vielleicht wird mancher Schreiber auch nach Wortzahl bezahlt.

Fundamentalistisch und umstritten, die neuen Geschmacksverstärker? Weil sich das folgende dann besser – oder gruseliger – liest?

Daran, daß man als Christ, vor allem wohl als Katholik, gelegentlich als „Fundamentalist“ bezeichnet wird (durchaus nicht nur von der taz oder der Berliner Zeitung) kann man sich zwar gewöhnen, es gibt Schlimmeres, zumal das, was assoziativ an den Begriff „fundamentalistischer Christ“ geknüpft wird, ja durchaus variieren mag. Auch Huhn meets Ei macht sich dazu Gedanken. Für die einen ist man schon Fundamentalist, wenn man sich beim Kommunizieren hinkniet oder findet, daß es einen Grund hat, daß unsere Kirche die römisch-katholische genannt wird, für andere erst etwa, wenn man freiwillig keinen Strom bezieht und mindestens vierzehn Kinder hat, Ackerbau betreibt und wadenlange Röcke zum Gebetshäubchen trägt (wogegen ich sämtlich nichts gesagt haben will, sondern nur, daß es sich assoziativ für manche damit verbindet).

Letztlich ist fundamentalistisch damit allerdings zur Worthülse geworden. Wenn einem gar nichts anderes einfällt, dann eröffne man entweder mit „der (die, das) umstrittene…“ (irgendwer streitet immer) oder mit „der (die, das) (christlich-)fundamentalistische…“ – irgendein Fundament wird sich schon finden. Wo nicht, hat derjenige auf Sand gebaut.

Zurück zu Weihnachten im Schuhkarton: auch die evangelischen Freikirchen können ja mal eine gute Idee haben. Abgesehen davon, daß ich selbst einen Schuhkarton mit Geschenken drin erst einmal für einen Schuhkarton mit Geschenken drin halten würde: Ist jetzt Mission auch schon pfui-bäh? Mir ist, als hätte Jesus so etwas gesagt wie: Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

Zu Weihnachten im Schuhkarton habe sich „hinter vorgehaltener Hand“ das hiesige Erzbistum kritisch geäußertAuf seiner Facebook-Seite nimmt es sogar die Hand vorm Mund weg, was auch nichts besser macht. Ich werde permanent das Gefühl nicht los, daß da einfach Leute um ihre Spenden besorgt sind. Das in der „Expertenkritik“ (Experte für was, für Schuhkartons?) hier angeführte Beispiel fand ich seinerzeit schon unsäglich. In dem mit dem weihnachtlichen Schuhkarton verteilten Heftchen ist unter anderem ein Junge zu sehen, „der gesteht, ein Sünder zu sein und falsche Entscheidungen getroffen zu haben, bevor er dank seiner Hinwendung zu Gott wieder auf den Pfad der Tugend findet.“ Einer der Experten fand das „zu simpel“. Lieber Herr Seegers, genau darum geht es beim Empfang des Bußsakramentes. So einfach können Dinge sein. Im übrigen heißt es an der entsprechenden Stelle des Heftes:
„Um Gott besser kennenzulernen, sprich mit ihm im Gebet und lies in seinem Buch, der Bibel.“
Ich frage mich, ist daran irgendetwas auszusetzen? Herr Seegers hat mich übrigens schon vor drei Jahren nachhaltig durch seine rhetorische Frage verärgert, ob afrikanische Kinder mit Teddybären überhaupt spielen könnten (weshalb man ihnen im Zweifelsfall lieber überhaupt keinen schenken sollte, nicht daß er sie am Ende noch verdirbt…) Also, ich hab ja selten sowas Freudloses gelesen. Wenn ich mich bis dahin noch nicht an der Aktion beteiligt hätte, nun grade. Heute schaff ichs noch.

Dienstag, 25. November 2014

Wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht

Fruchtfliege in über siebentausendfacher Vergrößerung
Unfreiwillig (denn ich glaube nicht, daß das Heribert Jones Absicht war) führt das von ihm verfaßte Werk (danke, Thomas!) bei mir immer wieder einmal zur Erheiterung.

Jone wollte dem Beichtvater eine Hilfe an die Hand geben. Die Detailfreudigkeit, mit der das indessen tat, ist das, was zumindest bei mir für den gewissen Erheiterungsgrad sorgt. Man kann darin wirklich für jede Lebenslage etwas finden – wenn etwa genau unterschieden wird, wann und in welcher Weise die Einnahme von Tabletten in der Nacht vor dem Empfang der heiligen Kommunion eine läßliche Sünde darstellt oder auch nicht (Hervorhebungen von mir):
Wohl aber wird die Nüchternheit gebrochen, wenn man Zucker oder Tabletten vor Mitternacht in den Mund nimmt, die sich dann nach Mitternacht langsam auflösen und so genossen werden. Hätten sich aber zum Beispiel Hustentabletten, die man lange vor Mitternacht genommen hat, rein aus Zufall nicht aufgelöst, so dürfte man … demnach kommunizieren, wenn man etwas davon nach Mitternacht verschluckt hätte.
Well, thanks for clearing that up! Im Folgenden finden wir unter anderem dann noch, für den Zelebranten zur Beruhigung (unter der Überschrift, daß die eucharistische Nüchternheit nicht gebrochen wird, durch etwas, das zufällig mit ihr in den Mund gelangt, wie auch immer):
Wer bei der ersten Messe an Allerseelen mit dem heiligen Blute zugleich auch eine Mücke verschluckt hat, darf ruhig die beiden anderen Messen lesen.
Nun kann ich als Meßdienerin bestätigen, daß tatsächlich schon öfter Mücken im oder um den Wein gesichtet wurden (was niemanden daran hindert, immer wieder und auch sommers die Kännchen unbedeckt bereitzustellen). Der Erzählung eines altehrwürdigen Küsters zufolge soll es sich auch einmal zugetragen haben, daß beim Abnehmen der Palla eine riesige Fliege aus dem Kelch kroch und in die Runde blickte, woraufhin der Küster schweigend neue Elemente und einen anderen Kelch holen ging. Von meinem Platz aus bin ich schon öfter in würdiger Attitüde zur Kredenz geschritten, um die Kännchen abzudecken, weil über ihnen eine Mücke oder etwas noch Größeres kreiste. Noch besser ist, mit würdiger Attitüde eine Mücke zu entsorgen, die sich bereits ins Vergnügen gestürzt hat, und das womöglich noch rechtzeitig. Ausgerechnet bei der Gabenbereitung eines sehr genauen Zelebranten (ein Ästhet!) entfleuchte eines Tages aus dem Weinkännchen eine Mücke, als er gerade danach griff,  und zog noch ein paar torkelige Kreise über dem Kelch, bis sie mir schließlich ins Gesicht surrte. Neuen Wein wollte er trotzdem nicht (schließlich hatte ich ja die Mücke im Gesicht…).

In Antonia Whites Maifrost äußert eine potentielle Konvertitin bei der Erläuterung des Unterschieds zwischen läßlichen und schweren Sünden: „Ihr Katholiken seid herrlich bestimmt in solchen Dingen! Es muß wunderbar sein, zu wissen, wo man steht.“ Jone hat nun wenigstens klargestellt, daß Mücken im Kelch keine Sünde sind. Nichtsdestotrotz scheint das Aufblasen einer Mücke zu einem Elefanten hier trefflich gelungen. Wer nimmt denn eine Mücke zu sich, um sie genießen?

Irgendwie hat mich das auch an die Geschichte erinnert, als sich vor einiger Zeit rund um Father Z. einmal Kleriker zum Abendessen getroffen hatten, die zu fortgeschrittener Stunde im Scherz die Frage verhandelten, was man als Zelebrant zu tun habe, wenn nach der Wandlung eine Maus auf den Altar spränge und sich mit dem Allerheiligsten davonmachte. Da die verschiedenen Variationen des Umgangs mit dem Leib des Herrn, wenn er aus diesem oder jenem Grund nicht kommuniziert werden kann, entweder Verbrennen oder das Auflösen in Weihwasser hergeben, lag die Lösung nahe: eine Katze hinterherschicken, die die Maus fängt, anschließend die Katze verbrennen und die Asche in Weihwasser auflösen.

Montag, 24. November 2014

Fensterblick zu Christkönig

Auch jeder Menschenseele Los fällt, Herr, von deinen Händen,
und was da birgt der Zeiten Schoß, du lenkst es aller Enden.

Fensterblick, gestern zu Christkönig. Das Lied ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.

Samstag, 22. November 2014

Die hl. Cäcilia und ein Remake

Die hl. Cäcilia mit zwei Engeln, 1620
1613

Leuchtend beginnt der Monat November mit Allerheiligen und Allerseelen, leuchtend geht er allmählich zu Ende. Einen Tag vor dem Fest Christi, des Königs, begegnet uns als eine der letzten Heiligen des Kirchenjahres die hl. Cäcilia, eine der großen Jungfrauen und Märtyrinnen des römischen Kanons. Ich liebe ihr Fest, naturgemäß, weil es ein Jungfrauenfest ist und weil es mir davon spricht, daß der Advent bald kommt. Adventus, die Ankunft dessen, dem sich auch die hl. Cäcilia als Braut vermählt hatte.

Von diesem schönen Bild des Malers Antiveduto Grammatica gibt es zwei Versionen, eine in Treviso vor einer italienischen Renaissancelandschaft und mit Blumen und Früchten, was alles dem Betrachter von Reinheit, Vergänglichkeit und wohl auch dem Hervorbringen der guten Frucht – im Leben wie im Sterben – spricht. Die zweite Version, die sich in Wien befindet, läßt alles dies weg und behält nur die Instrumente und Noten bei. Trotz der Reduktion der ikonographischen Aussage mag ich sie lieber, vielleicht, weil sie konzentrierter scheint. Merke: Remakes müssen nicht immer schlechter sein.

Entweder der Künstler oder seine Auftraggeber scheinen die Heilige geliebt zu haben, es gibt noch mindestens eine dritte Variation der hl. Cäcilia mit zwei musizierenden Engeln aus demselben Jahr. (Auf dem Bild sieht dann der linke Engel besser aus, das Bild wirkt schon wegen prunkvolleren Gewänder aber insgesamt dunkler. Einzig die leuchtende Farbe des Tisches läßt an das im Martyrium vergossene Blut der Heiligen denken.) Heilige Cäcilia, bitte für uns!

…und nochmal 1620, nun in Lissabon.

Mittwoch, 12. November 2014

Das Lied, das kein anderer singen kann

Abbildung eines Kometen von 1577 in dem Buch
 Tarcuma-I Cifr al-Cami  des Mohammed b. Kamaladdin
Über zehn Jahre hat es gedauert, nun setzt die Sonde Philae zur Landung auf Churyumov-Gerasimenko an, fraglich ist dabei wohl noch, wo auf der „Badeente“ der Orbiter dann landen wird und ob das wegen der geringen Schwerkraft des „nur“ etwas über vier Kilometer großen Kometen gelingen wird.

Dabei ist jüngst etwas ausgesprochen Erstaunliches und Unerwartetes entdeckt worden: der Komet singt. Zwar oszilliert er auf einer Frequenz von 40-50 Millihertz, was, gesetzt den Fall, ein Mensch wäre dort draußen, jenseits seines Hörvermögens läge, nichtsdestoweniger. Die Wissenschaftler, die das entdeckt haben, rätseln noch daran herum, wie das Lied zustandekommt, sie vermuten, daß Partikel, die vom Kometen ausgehen, sich im All elektrisch aufladen, „but the precise physical mechanism behind the oscillations remains a mystery“. Der Komet singt also nicht nur, was kein Ohr je gehört hat, sondern auch das Lied, das kein anderer singen kann. Kometen sind ohnehin schon so wunderbar, sie sich jetzt auch noch singend vorzustellen, während sie das Weltall umkreisen, setzt dem Ganzen gewissermaßen die Krone auf.

Montag, 10. November 2014

25 Jahre später: Mauern – solche und solche

Am vergangenen Wochenende blieb vor allem wegen des Streiks der Lokomotivführer, der mir unter anderem eine eineinhalbstündige Anfahrt zur Kathedrale bescherte, wenig Zeit und Kraft für tiefsinnige Betrachtungen, auch wollte ich an diesen Tagen natürlich so viel wie möglich unterwegs sein. (Im übertragenen Sinne war ich das dann auch: bedenke wohl, worum du bittest, denn es könnte dir gewährt werden ;) So kam es jedenfalls, daß ich am Abend des 8. November völlig erschossen aufs Lager sank, nachdem ich am frühen Abend dem schieren Erdrücktwerden in der U2 nur mühsam entgangen war.)

Ein bewegender Moment war das Pontifikalamt der Deutschen Bischofskonferenz zum Dank für den Fall der Berliner Mauer, nach guter liturgischer Tradition am Vorabend[1] gefeiert – es war proppvoll, so viele Menschen waren gekommen, Gott für dieses Ereignis, das unsere damaligen Bischöfe ein Wunder nannten, zu danken. Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen erklang es dann auch. …der große Dinge tut, an uns und allen Enden ist für ein solches Ereignis höchst angemessen.

Auch den Gang an Teilen der Lichtinstallation entlang habe ich als schön empfunden. Im Vorfeld hatte ich mich mit jemandem unterhalten, der die Ankündigung der Aktion auf der U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz gesehen hatte und mich fragte, was das bedeuten solle? Später im Zug haben wir dann noch Erinnerungen an die Nachwendezeit in Berlin und die schöne Stimmung bei Christos Reichstagsverhüllung ausgetauscht. In der Tat konnte man bei der Installation mit dem Luftballons erstmal fragen, ich denke aber, die Gewaltlosigkeit und die Macht jenes Umbruchs sind durch diese leuchtende und durchlässige zweite Mauer, bei der man ohne weiteres von hüben nach „drüben“ konnte, gut symbolisiert worden. Ich hatte vorher allenfalls gedacht, die Ballons schweben alle gleichzeitig los, so daß die Mauer quasi nach oben abhebt, aber nacheinander war natürlich auch in Ordnung.

Ich habe Berlin noch als geteilte Stadt kennengelernt, nicht bei einer der obligatorischen Fahrten nach Berlin, wo man wie eine Schafherde zum versperrten Brandenburger Tor getrieben wurde, sondern ich habe einige Zeit in ihr gelebt. Das versperrte Brandenburger Tor und gelegentliche Blicke auf die Mauer hatte ich dann später. Seinerzeit sah ich einen Film von Ingrid Oppermann über den seit kurzer Zeit in der Stadt bestehenden Karmel und schrieb an die Priorin; so reiste ich im Vorfeld diverse Male durch die Transitzone, um ein Wochenende oder ein paar Wochen im Kloster zu verbringen. Von Berlin habe ich bei diesen Gelegenheiten naturgemäß kaum etwas gesehen, jedenfalls die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, deren beruhigendes Blau ich immer noch liebe, und eben, wenn ich mich recht erinnere, auch das Brandenburger Tor.

In Erinnerung geblieben sind mir von diesen Fahrten auf der Transitstrecke über Büchen vor allem die Ausweiskontrollen, bei denen man immer etwas nervös war, und der Moment, in dem der Zug in Staaken eine ganze Weile hielt und es hieß, nun suchten Hunde unterm Zug nach potentiellen Republikflüchtlingen. Einmal konnte ich bei der Kontrolle meinen Ausweis nicht finden und geriet daraufhin in gelinde Panik. Ich stellte mir schon vor, wie man mich dabehielte und in der DDR zwangseinbürgerte. Schließlich fiel mir ein, daß ich während der Fahrt das Abteil gewechselt hatte. Im vorigen Abteil lag der vermißte Ausweis dann unter dem Sitz. Alles in Ordnung und ich blieb Bürgerin der BRD – der Grenzer war bei dieser Aktion wesentlich ruhiger als ich, wahrscheinlich weil er gar nicht vorgehabt hätte, mich zu verhaften.  Auch mußte man sich nach solchen Fahrten wegen des allgegenwärtigen Geruchs nach Lysol immer von Kopf bis Fuß umziehen und möglichst auch die Haare waschen, trotzdem ist man mit Reichsbahn und Mitropa meines Dafürhaltens zu jeder Zeit besser und gemütlicher gefahren als heutzutage mit dem ICE und seinen eiskalten Turboröhren.

Als ich das erste Mal zu Gast im Karmel war, kam ich gerade zum Stundengebet zurecht (den Weg zum Chor an der Goldwand hinter der Pietà vorbei habe ich eher durch Zufall gefunden  – kann man oder kann man da jetzt nicht reingehen?) und stellte meine Reisetasche daher in der Vorhalle ab. Die empfangende Schwester war darüber später mittelschwer entsetzt, in einer Stadt wie Berlin könne man sowas nicht machen. Aha.

Eine der eindringlichsten Erinnerungen habe ich an die Fahrt, an deren Ende ich dann eintrat (ein Freund fuhr mich mit Sack und Pack und mit dem Auto), wie ich einem Grenzsoldaten zuwinkte, der unterwegs irgendwo postiert war, und er winkte wie wild zurück. Später, als die Mauer dann gefallen war, habe ich noch oft an diesen jungen Soldaten gedacht und was wohl aus ihm geworden ist? Auch gab mir diese Fahrt reichlich Gelegenheit, die Transitstrecke einmal anders zu studieren und so wundervolle Werbeplakate wie „Plaste und Elaste aus Schkopau“ von Angesicht zu Angesicht zu bestaunen.

Ein Teil des Konventes war in Ostberlin, da die Schwestern dort eingetreten waren, und so treckte die Priorin mit der Novizenmeisterin hin und her, gelegentlich nahm sie auch andere Schwestern in den Osten mit, schließlich war das als ein Konvent gedacht. Gestaunt haben, wir, die wir eigentlich fast alle aus Westdeutschland, aus der Schweiz oder von noch weiter her stammten, bei solchen Gelegenheiten über die unglaublich schlechte Qualität ohnehin einfachster Lebensmittel wie etwa Margarine, und dabei galt es noch, die Gefühle der Mitschwestern, die froh waren, uns damit bewirten zu können, nicht zu verletzen.

Zu bestimmten Anlässen, wie etwa einer feierlichen Profeß, durfte jeweils nach aufwendigem vorherigen Genehmigungsverfahren dann eine Schwester aus dem östlichen Konventteil herüberkommen. Den Grenzern waren die Nonnen suspekt (was Wunder!) und sie machten sich ein Vergnügen daraus, die in erkennbar ärmlichem Habit daherkommenden Sandalenträgerinnen genau zu filzen, ob sie nicht etwa goldbemalte Ikonen, eine Statue des hl. Antonius oder doch wenigstens subversive Bücher in ihren Jutesäcken oder unter ihren Skapulieren mit sich herumtrugen. Als bei einer solchen Grenzkontrolle einmal die Novizenmeisterin mit wahrnehmbarer Ironie dem Grenzer ein paar sichtlich gut getragene Ledersandalen entgegenstreckte, hatten auch wir einmal ein Vergnügen.

Dennoch blieb das beständige Gefühl, von einer Grenze umgeben zu sein, sogar an einem derart abgeschiedenen Ort, der selbst von Mauern umgeben ist. Der Unterschied liegt wohl in der Art der Mauer. Hinter der einen bleibt man freiwillig, hinter die andere wurde man gepreßt. Für die Menschen in der geteilten Stadt zu beten war einer der Gründe, warum die Karmelitinnen aus Dachau gerade in Berlin eine Neugründung errichtet hatten. Zu meinen ersten Arbeiten im Postulat gehörte die Verzierung von Kerzen, die das Motiv des geteilten Berlin trugen, mit Grenze und Stacheldraht aus Wachsplatten ausgeschnitten. Diese Kerzen brauchte man einige Zeit später dann so gar nicht mehr und niemand hat ihnen wohl nachgetrauert. Auch das Haus im Osten gab es schon bald nicht mehr, die Schwestern zogen in den Konvent, zu dem sie eigentlich gehörten. Den Niedergang des DDR-Regimes und die Vereinigung ihrer Schwestern zu einem Konvent an einem Ort hat die damalige Priorin, Sr. Gemma Hinricher, wiewohl bereits schwer krank, noch erleben dürfen. Auch dafür sei Gott gedankt.

25 Jahre danach bin ich eigentlich immer noch voller Staunen darüber, daß es dieses Wunder gegeben hat.

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[1] wenn auch verwirrenderweise nicht im Weiß des Weihetags der Lateranbasilika oder etwa einer Votivmesse, sondern in Grün und zum 32. Sonntag im Jahreskreis. Dabei hätte ersterer den letzteren glatt gestochen. Das bescherte uns aber immerhin das endzeitliche und schöne Evangelium von den zehn Jungfrauen.

Sonntag, 9. November 2014

25 Jahre später

Mein Bild des Tages: die Mauer – weg ist sie. Deo Gratias!

Montag, 3. November 2014

Neulich, beim Einkaufen…

…drehte ich neugierigerweise ein paar Preisschilder um, schon weil ich früher™ Auftragsarbeiten und Filmrequisiten (die natürlich auch Auftragsarbeiten waren) gestrickt habe. Daß man damit in theoretischer Hinsicht keinen vernünftigen Stundenlohn erzielen kann, war mir auch damals schon klar, allerdings strickte ich an allen möglichen Orten – also zum Beispiel in Vorlesungen, in der Bahn, bei einfachen oder glatten Mustern auch beim Lesen oder beim Fernsehen. Wenn man sowieso liest oder durch die Gegend fährt, kann man dabei auch stricken, finde ich. Man könnte auch stricken, anstatt im Internet zu surfen und hätte dabei immer noch Zeit übrig. Man kann auch noch mehr gleichzeitig tun, etwa beim Lesen in der Bahn stricken. Oder statt auf dem Klo lesen auf dem Klo… – ach, lassen wir das.

Irgendwann jedoch, wohl mit der zunehmenden Öffnung des Ostblocks und der Verlagerung der Aufträge in noch ganz andere Länder, lohnte es sich das Auftragsstricken einfach nicht mehr; zwischenzeitlich waren handgestrickte oder handgestrickt wirkende Sachen (ja, da ist ein qualitativer Unterschied!) auch mal völlig out. Dann kamen Strickanleitungen und Wolle auf und in Mode, bei denen die Arbeiten so richtig schön grobschlächtig aussehen, möglichst mit Nadeln anzufertigen, die so dick sind wie Baseballschläger. Sowas zu arbeiten macht einfach keinen Spaß (mir jedenfalls nicht), auch wenn man auf diese Weise an einem einzigen Abend eine ganze Cappa magna stricken könnte.

Nun aber das! Daß in der Sache immer schon ein grobes Mißverhältnis zwischen dem Arbeitslohn, der bei der Strickerin ankommt, und dem, was als Zwischenhandelsspanne draufgeschlagen wird, gesteckt hat, war wie angedeutet, schon klar. Aber soo?! Sagt mal, ihr seid wohl vom wilden Affen gebissen, da bei den Galeries Lafayette?! Und: wer kauft sowas (eine simple Wollmütze) zu diesem Preis? Wer auch immer es sein mag – ich stelle günstiger her.

Wo sich Fuchs und Igel…

Gestern abend auf dem Stichweg kurz vor meiner Wohnung streckte ein kleineres Etwas einen sandfarbenen Kopf aus dem Dunkel. Aus Gewohnheit sagte ich „Na, Hundi?!“ zu dem Tier, erkannte meinen Irrtum jedoch sogleich. „Ein Fuchs! Du bist ein Fuchs!“ (Suuuper! Einem Fuchs sagen, daß er ein Fuchs ist! Immerhin hat er jetzt das Wort schon mal gehört. Wer weiß, wie sie sich selbst nennen?) Der Fuchs beäugte mich ein wenig und spazierte dann in aller Seelenruhe vor mir über den Weg ins nächste Gebüsch. Das war nett! Ich hab schon öfter Füchse gesehen, einen so arglosen aber noch nie. Neulich war da schon ein Igel unter einer Gaslaterne gegenüber, indes werde ich wohl kaum die Gelegenheit haben, auch noch einen Hasen zu sehen, sonst könnte ich sagen, ich wohnte da, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, oder jedenfalls ich ihnen.


Sonntag, 2. November 2014

Schiere Schönheiten an meinem irdischen Weg


Allerheiligen und Allerseelen

Ich finde es immer höchst angemessen und freue mich auch (weil ich das Lied mag), wenn zu Allerheiligen Eine große Stadt ersteht gesungen wird, denn das Lied wirft mit seinen endzeitlichen Bildern ein Licht darauf, wieso Allerheiligen ursprünglich ein Fest war, das in der Osterzeit gefeiert wurde. Die Stadt, die vom Himmel niedergeht, die weder Sonne noch Mond braucht, weil Christus ihr Licht ist, erstreckt sich bis hierher auf die Erde. Wir gehören mittelbar schon zu ihr, wie auch die zu ihr gehören, die uns bereits vorausgegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, wie es im Hochgebet heißt, die aber noch der Läuterung bedürfen. Die innige Verbindung von Allerheiligen und Allerseelen empfinde ich in jedem Jahr deutlicher.

Neben der Präfation mag ich besonders das schlichte und gläubige Vertrauen der Kirche, das aus den Worten des Tagesgebets spricht: Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und schenke uns dein Erbarmen. Unsere Hoffnung ist die, dort anzukommen, wo sie bereits sind, in der unmittelbaren Anschauung Gottes.

Alles im Leben Christi, der Gott ist und Mensch geworden ist, um unseretwillen, will uns zur Heiligkeit hinführen, von der Verkündigung und Menschwerdung bis hin zu seiner Auferstehung, Himmelfahrt und der Sendung des Heiligen Geistes. Die Kirche, die er begründet, die Sakramente, die er selbst gestiftet hat, sollen uns zur Heiligkeit hinführen.

Der orthodoxe Bischof Anthony Bloom führt den Unterschied zwischen einem Heiligen und uns darauf zurück, daß er sagt, daß diese heilig sind, weil sie sich, nachdem sie gesündigt hatten, immer aufrafften, bereuten und es von neuem versuchten, bis sie schließlich die Heiligkeit erlangten, während wir nur allzuoft aufgeben. Ich stelle mir das bildlich vor, daß man liegen – oder meinethalben stehen – bleibt, wo man ist, entweder, weil es einem da im Grunde gefällt oder weil man denkt, nun sei es genug. Die Antwort auf die Frage, wenn dieser oder jener es konnte, warum nicht auch ich?, ist womöglich einzig darin zu finden, daß er oder sie sich immer wieder aufgerafft hat – und ich? Der Weg ist klar. –

Nach diesen hehren Gedanken entschwebte ich gestern abend in das Pontifikalamt zu Allerheiligen, in dem (zumindest für mich) dann prompt leider wenig Andacht zu finden war. Der Kirchenchor hatte sich anscheinend vorgenommen, Mozarts Krönungsmesse unmittelbar vor dem Gottesdienst und bis zum letzten Glockenläuten noch so oft durchzusingen, daß es mir im Amt dann so vorkam als hörte ich dieselbe schreckliche Platte zum fünftenmal oder sie sei hängengeblieben. Wirklich schlimm und eben daher der Andacht abträglich war es, daß sich das Amt im Grunde ausnahm wie ein Konzert mit liturgischen Elementen. Das Gloria schloß sich unmittelbar an das Kyrie an, ohne ein Ehre sei Gott in der Höhe des Zelebranten und auch ohne daß sich irgendjemand wenigstens zwischendurch einmal von den Sedilien erhoben hätte. Entspannt (oder vielleicht auch wider Willen verspannt) saßen die Zelebranten und der Diakon da und lauschten, selbiges wiederholte sich dann noch einmal, als uns Chor und Solisten konzertant vortrugen, was wir glauben, woraufhin natürlich auch die Gemeinde sitzend zuhörte. Und das an Allerheiligen, wo das große Credo so wundervolle Worte wie Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt geboten hätte. Zum Ausgleich sang der Chor dafür später zur fühlbaren Überraschung zumindest der Ministranten nur das halbe Sanctus. Ich möchte solche Betrachtungen nicht immer damit abschließen, daß ich mir für nächstes Jahr um diese Zeit etwas anderes überlege, in der Tat denke ich aber immer öfter daran. Andererseits, wer weiß, wie es nächstes Jahr um diese Zeit aussieht? Ein gewisses Highlight war die Predigt des apostolischen Nuntius Eterović, die ich als angenehm konservativ empfunden habe – der Erzbischof predigte über die Berufung des Menschen zur Heiligkeit.

Heute sah es dann andachtsmäßig und liturgisch schon viel schöner aus, das lateinische Hochamt gehört mit zu den besten Dingen an Allerseelen; der Zelebrant hat eine gute Stimme und singt auch gern. Aus irgendeinem Grund hatte ich indes das unbestimmte Gefühl, daß die meisten Anwesenden irgendwie mit einer anderen Messe gerechnet hatten, auch wenn nun auf dem Handzettel darauf hingewiesen wird, daß die lateinischen Akklamationen und Gebete im Gotteslob stünden, blieb die Gemeinde seltsam stumm und schien sich auch über die Gräbersegnung in der Unterkirche eher zu wundern.

Freitag, 31. Oktober 2014

Vigil des Hochfestes Allerheiligen

Besser als hier kann ich es in diesem Jahr auch nicht sagen. Daß ich Halloween mit seinen Kürbissen und Verkleidungen nicht für einen Aufreger halten kann, sondern eher für eine Möglichkeit, dürfte hinreichend bekannt sein. Die reizenden Kinderchen unten sind ein gutes Beispiel dafür, wie man die Vigil des Festes Allerheiligen sinnvoll nutzen könnte (irgendwo war da auch noch ein Minidominikaner mit Schnuller). Eine andere wäre natürlich, wirklich eine Vigil zu feiern, auch solche Möglichkeiten gibt es.

Als ich unter der Woche in Tempelhof an einem Sperrmüllhaufen vorüberkam, auf dem unter anderem ein Hexenhut lag, mußte ich lachen und kam fast ein wenig in Versuchung; wann sonst könnte ich wohl beim Arbeiten einen Hexenhut tragen? Und nachdem ich heuer Kürbisse selber angebaut habe (ein Mischling aus rotem und gelbem Zentner ist einigermaßen groß geworden, wenn auch weit entfernt von der Gewichtsangabe, die er im Namen trägt) finde ich sie fast noch netter als vorher.

Wundern tue ich mich eigentlich nur, wenn das Erzbistum mir schreibt, heute wäre nicht Halloween, sondern Reformationstag. Äh, nein, liebe Redaktion, für mich nicht – nicht im mindesten. Was habt ihr denn für einen liturgischen Kalender? Für mich ist heute der Vorabend von Allerheiligen, einem der wunderbarsten Feste des Kirchenjahres.





Samstag, 25. Oktober 2014

Neue Reihe: Köstliches aus alten Büchern

heute: wie Hausarbeit verrichtet werden soll

Der spezielle Wert der Hausarbeit liegt in ihrer unendlichen Vielseitigkeit. Die ausgeklügelste Gymnastik wäre nicht imstande, soviel Abwechslung an Übungen aufzustellen, wie sie die Hausarbeit ganz von selbst mit sich bringt. Sie beschäftigt alle Muskelpartien in gleicher Weise, durchblutet, erschüttert und ernährt sie in einer solchen Vollkommenheit, wie sie niemals in einer anderen Tätigkeit wieder erreicht werden könnte. Für viele im Bureauleben und in Fabriken verkümmerte Frauen ist sie schon heute die einzige Rettung, zu normalen weiblichen Kräften und richtigem Ausleben zu kommen. (Antonie Steimann, Die tüchtige Hausfrau, 1913)

Dienstag, 21. Oktober 2014

Duc nos, o virgo pia – zum Fest der hl. Ursula




Cum cælesti ierarchia
duc nos, o virgo pia,
per tot mundi maria.

Mit der himmlischen Hierarchie
führe uns, o gottgeweihte Jungfrau,
durch die vielen Meere der Welt.
(aus dem Hymnus Felix virgo Ursula eines unbekannten Dichters)

Beim letzten Bloggertreffen konnte ich mich über diesen Ursulabrunnen freuen, vor allem über das vorn auf dem Bug thronende Bärchen (natürlich!), das Ausschau zu halten scheint. Auf der anderen Seite saß noch, etwas versteckt, ein Pelikan (id est, ein Christussymbol) mit an Bord, auch wenn er, wie die Jungfrauen selbst, etwas besorgt aussieht – vielleicht kamen die Hunnen gerade in Sicht.

Montag, 20. Oktober 2014

Thoreau im Praxistest

Immer wenn ich in die Natur hinausgehe und dort mit Thoreaus
I went into the woods…  anheben will, passiert sowas… 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Selfie im Fahrstuhl

(nun gut, außerhalb von Fahrstühlen
sieht man meist viel besser aus als darin.
Im Freien gibts nicht so viele Spiegel.)

…nach wenig Schlaf, etwas anstrengender Anreise wegen des Lokführerstreiks, aber mit neuem Gilet. Das hab ich mir ziemlich spontan gekauft, weil ich es wirklich gut brauchen kann. Meine Befürchtung war, daß ich mit einem solchen Kleidungsstück aussehen würde wie das Michelinmännchen. Tue ich nicht, deshalb hatte ich doch etwas zu lachen.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Freiheit – Weihbischof Weider bringt es auf den Punkt

Für unseren Weihbischof emeritus müssen wir Gott danken. Wenn er predigt, tut er das immer so schlicht und klar, daß ihn eigentlich auch ein zwölfjähriges Kind verstehen würde. Bei der Begegnung mit einem portugiesischen Ehepaar, das vom Weihbischof in einer eigenen kleinen Feier gesegnet wurde, bei der ich dolmetschen durfte, gab es einmal einen rührenden Moment, als ich dem Ehepaar vorher über den Weihbischof sagte (in der Meinung, dieser spräche gar kein Englisch) „This is our auxiliary bishop. He is very good“ und der Weihbischof ganz bescheiden und freundlich lächelnd dazu sagte: „I am auxiliar“.

Auf Fotos sieht man ihm schon am Gesicht an, wie gut er ist. Der Bischof fährt übrigens seit Jahr und Tag mit der U-Bahn und trägt sein überaus schlichtes Pektorale schon auch einmal in einer Pralinenschachtel mit sich herum, auch ohne daß die Medien darüber schrieben.

Hier bringt er es wieder einmal auf den Punkt, wenn er über die Freiheit des Menschen, insbesondere über die nach der Wiedervereinigung Deutschlands wiedergewonnene Freiheit sagt:
Wenn wir nun auf die vergangenen 25 Jahre in der Geschichte unserer Stadt und unseres Volkes zurückschauen und auf die neugeschenkte Einheit Berlins und unseres Landes, müssen wir bekennen: Du warst auch uns sehr gnädig, barmherziger Gott. Wir hatten uns so oft gefragt, ob die Mauer wohl einmal fallen wird und wenn das wirklich geschehen sollte, wann und wie das sein wird, wenn sie einmal fällt und ob wir es noch erleben? Es schien uns allen in weiter Ferne – und plötzlich war es da – über Nacht – ohne Blutvergießen - ganz anders als wir es gedacht oder befürchtet hatten. Die Bilder von der Nacht jenes unbegreiflichen 9. November 1989 zeigen in bewegender Weise, wie sich der Traum einer ganzen Stadt, ja eines ganzen Volkes erfüllte – wir konnten wieder zu einander. Wir fielen uns in die Arme und entdeckten, daß wir trotz der langen Zeit der Trennung doch Brüder und Schwestern geblieben waren. Wir waren glücklich, daß wir uns wiederhatten und miteinander neu beginnen konnten, wenn wir uns auch mit der Zeit erst gegenseitig auf vieles Neue im Leben des anderen einstellen mußten.

Wenn wir ehrlich sind: Wir haben uns in den vergangenen Jahren an dieses große Geschenk gewöhnt, als sei es etwas Selbstverständliches. Aber nach all dem, was voraus gegangen war, müssen wir sagen, es ist nicht selbstverständlich, und wir müssen es vor einander immer wieder bezeugen: wir haben die gütige Hand Gottes gespürt, der uns herausgerissen hat aus aller Ausweglosigkeit und Verzweiflung, in die uns die Diktatur der roten Machthaber geführt hatte. Darum müssen wir heute Gottesdienst feiern über die Grenzen von damals hinweg. Wir müssen zusammen kommen als Kinder des gemeinsamen Vaters im Himmel, dem wir das Wunder verdanken. Wir haben zu danken, zu feiern und zu beten. Denn wir sind beschenkt, verbunden und geborgen. Beschenkt mit der Freiheit, verbunden in der Erfahrung als Brüder und Schwestern zusammen zu gehören und geborgen in der Hand Gottes, dessen Allmacht und Güte wir erlebt hatten. Wir danken Gott, weil er uns beschenkt hat mit der Freiheit.

Wir hatten erfahren, was es heißt, ständig kontrolliert oder überwacht zu werden. Wir hatten erlebt, wie sehr Menschen darunter gelitten haben, nicht mehr die nächsten Angehörigen besuchen zu können und daß sie mit dem Tode spielten, wenn sie es eigenmächtig doch versuchten. Und mancher bekam auch Erniedrigung und Gefängnis zu spüren, wenn er sich nicht als linientreu erwies. Wem aus diesem Grund die Freiheit genommen wird, dem wird die Würde des Menschseins genommen. Vielen wurde sie damals in unserem Land genommen. Gott hat sie uns wieder geschenkt, und dafür haben wir zu danken.

In diesem Zusammenhang müssen wir aber auch daran erinnern, daß diese Freiheit heute – sogar hier in Berlin – leider oft schamlos mißbraucht wird. Die Würde des Menschseins besitzen nämlich auch die vielen ungeborenen Kinder, die durch Abtreibung getötet werden. Die Schätzungen in Deutschland liegen pro Jahr über 100 000. Um für diese wehrlosen Menschen einzutreten, ist erst vor wenigen Wochen der „Marsch für das Leben“ durch unsere Stadt gezogen. Papst Franziskus hat sich in einem eigenen Schreiben mit den Teilnehmern dieser Aktion solidarisch erklärt. Doch der Marsch hat in unserer Stadt viele haßerfüllte Gegendemonstranten auf den Plan gerufen, die erstaunliche Unterstützer selbst in den höchsten Kreisen der etablierten Parteien fanden. Diese fanatisierten Verfechter für das Recht auf die Tötung ungeborener Kinder haben sich zu massiven Beschädigungen von Kirchenfassade und Pfarrsaal der Herz-Jesu-Pfarrei in Berlin-Mitte hinreißen lassen, wo der Bundesverband Lebensrecht seinen Sitz hat. Für diesen Mißbrauch hat uns Gott die Freiheit unserer Stadt und unserem Land nicht geschenkt.

Neues aus Erzbloggistan



Sonntag, 5. Oktober 2014

Samstag, 4. Oktober 2014

Der hl. Franziskus und der göttliche Glanz

Zwei Jahre bevor Franziskus seine Seele dem Himmel zurückgab, weilte er in einer Einsiedelei, die nach dem Ort, wo sie gelegen ist, Alverna heißt. (Thomas von Celano, Leben und Wunder des hl. Franziskus

Auf diesem Bild des hl. Franziskus in Ekstase gibt es ziemlich viel zu entdecken. Es zeigt die Stigmatisation des Heiligen, die sich im September 1224 ereignete, als sich der hl. Franziskus auf den Berg Alverna zurückzog, um sich dort durch Gebet und Fasten auf das Fest des hl. Michael vorzubereiten.

Mich hat das Bild ein wenig an Elija erinnert, wie er am Eingang der Höhle steht und der Herr ist nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern im sanften, leisen Säuseln. Von diesem Bild der Stigmatisation kann wohl ähnliches gesagt werden, der Herr naht sich im Säuseln des Windes und in einem stillen Glanz (man achte auf den Lorbeerbaum), ein Glanz, der so intensiv ist, daß der Heilige einen deutlichen Schatten wirft, der in den Eingang seiner Klause fällt. Dieser stille Glanz scheint das ganze Bild zu erfüllen und zu beleben.



Die Tiere im Hintergrund, ein Kranich, ein Esel und auch ein kleiner Hase, der unterhalb der stigmatisierten Hand seinen Kopf aus dem Baus streckt, auch einige der Schafe des Hirten, er selbst und sein Hund, scheinen gleichsam kontemplativ in das Geschehen versunken. Vorn im Bild ein Dornbusch, in dessen Ästen sich ein Zettel, der die Signatur des Malers Bellini trägt, verfangen hat, rechts im Eingang zur Höhle ein Ambo mit dem Stundenbuch (die Regel sah vor, daß die Minderen Brüder Stundenbücher haben durften), vielleicht auch ein Evangeliar. Der Schädel zu Füßen des Kreuzes erinnert an den Schädel Adams auf Golgotha, zugleich an die Endlichkeit allen Seins; ein Gegenstück zum Lorbeer, aus dem der Kranz des Sieges und des ewigen Lebens gewunden wird.





Ein interessantes Detail sind die Sandalen des Heiligen, der ja eigentlich ein Barfüßer war: ziehe deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort wo du stehst, ist heiliger Boden. Schaut man genauer hin, findet man auch Wasser und Weinreben, die Symbole der Eucharistie und der Taufe, wie des Leidens und Sterbens Christi, deren Male der Heilige empfängt.

Freitag, 3. Oktober 2014

Herbst!


Ich finde es schön, daß Zugvögel durch ihre charakteristischen Rufe auf sich aufmerksam machen, so hört man doch, da kommt was. Vorgestern war der erste Tag, den ich wirklich als Beginn des Herbst empfunden habe (morgens Hochnebel und der einzige Laubbaum vor meinem Fenster hat über Nacht entschieden, mit der Blattfarbe nach Gelb zu wechseln. Rundum in anderen Gärten dasselbe. Was war denn das für eine Nacht?). Nachmittags dann mehrere große Flüge Zugvögel.

Das scheint immer an einem bestimmten warmen Tag im Altweibersommer gehäuft der Fall zu sein – Instinkt oder sagen die sich, heute ist gutes Reisewetter, da brechen wir auf? Ja, nun ist es wieder für ein weiteres Jahr soweit. Weil ich sie aber von Mal zu Mal so schön finde und eigentlich als Wunder anstaune, komme ich nicht dazu, so recht melancholisch zu werden. Im Frühjahr kommen sie zurück.

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