Sonntag, 29. Dezember 2013

Zum Fest der heiligen Familie

Bilder aus dem Leben der Heiligen Familie führen uns vor Augen, daß Christus den überwiegenden Teil seines Lebens ein „ganz normales“ Leben in der Verborgenheit von Nazareth führte. Da sieht man etwa den hl. Josef mit seinem Ziehsohn in der Werkstatt bei der Arbeit, manchmal leistet ihnen auch die Gottesmutter mit einer Handarbeit Gesellschaft. Auf einem Kirchenfenster sieht man Jesus die Stube fegen, mit dem Wort aus der Schrift darunter, er war ihnen gehorsam (Lk 2,51). Auf einer Darstellung im Benziger Missale sieht man den halbwüchsigen Jesus in die Arme seiner Mutter laufen, auf anderen Bildern füttern die Gottesmutter oder der hl. Josef ihr Kind mit Brei – Leben, wie es ist, wenn ein Kind im Haus ist.

Die erste Darstellung der heiligen Familie ist natürlich die friedvolle Krippe oder das Haus, in dem Jesus geboren wurde, mit dem Kind, von dem alles Licht ausgeht, in der Wiege liegend, und die Anbetung der Hirten und Sterndeuter. Solcherart friedliches Bild führt allerdings gleich zum nächsten: die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

In diesem Kirchenjahr folgen das Fest der unschuldigen Kinder und das der Heiligen Familie unmittelbar aufeinander/liegen eng zusammen. Über das Leben der Heiligen Familie in Ägypten erfahren wir nichts, nur, daß sie dort blieben bis zum Tode des Herodes, was noch im selben Jahr der Fall gewesen sein mag. Sicher ist, sie mußten ihr Heimatland bei Nacht und Nebel verlassen und waren wohl auch auf die Hilfe und Güte Fremder angewiesen, Fremde in einem fremden Land. Auch dieses Bild der Heiligen Familie stellt leider für Menschen aller Zeiten etwas dar, das ihnen vertraut ist: Flucht, Vertreibung, Armut, Leben in der Fremde.

Wieviele Menschen sind derzeit auf der Flucht vor Verfolgung und Gewalttat und hoffen womöglich, daß ihnen die Fremde Sicherheit biete oder ihnen wenigstens mit Güte begegne? Wieviele unschuldige Kinder unserer Tage gibt es, die sterben müssen, weil ein anderer es so will? Die Welt sieht es und schweigt größtenteils. Gestern hat China einen Entschluß zur  Reform seiner Ein-Kind-Politik gefaßt, der im bedeuten mag, daß zahllose ungeborene Mädchen, die sonst abgetrieben würden, weil das einzige Kind unbedingt ein Sohn sein soll, nun vielleicht am Leben bleiben dürfen. – Mögen die heilige Muttergottes und der hl. Josef jenen gute  Fürsprecher sein, die sie in ganz ähnlichen Nöten anrufen wie die, die sie selbst erfahren haben.

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