Sonntag, 15. Dezember 2013

Von der Jungfrau und Gottesmutter zur „fragenden und glaubenden Frau“

Die folgende Kommentierung des Andachtsteils des neuen Gotteslobs auf explizit.net lädt, finde ich, ein wenig zum Headbanging ein:
[…die liturgischen Veränderungen der letzten 40 Jahre]. Diese kommen insbesondere im Andachtsteil zum Tragen. Hier zeigen sich im Vergleich zum alten Gotteslob veränderte inhaltliche Aspekte. Während das Gesangbuch von 1975 Marienandachten noch unter die Überschriften „Jungfrau“, „Mutter Gottes“ oder „Ohne Erbsünde empfangen“ stellte, ist Maria nun zur „fragenden und glaubenden Frau“ oder zur „Schwester im Glauben“ geworden.

Wenn ich schon lese[1] „noch“ und „veränderte inhaltliche Aspekte“. Nun aber! Sprich: man entkleidet die Gottesmutter ihrer vornehmsten Attribute – immerwährende Jungfrau, Mutter Gottes und ohne Erbsünde empfangen – und holt sie auf Augenhöhe herunter, als „Schwester im Glauben“ und „fragende und glaubende Frau“. Als wenn sich alles das etwa gegenseitig ausschlösse oder auch vorher nicht zum Ausdruck gebracht worden wäre: so kann Maria Jungfrau, Gottesmutter und frei von Erbsünde sein und trotzdem fragend und glaubend. Das Evangelium selbst stellt sie uns als Fragende vor Augen: wie kann das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Und natürlich als Urbild des Glaubens und mithin Mutter der glaubenden und betenden Kirche.

Die Attribute Jungfrau, Theotokos (Gottesgebärerin) und ohne Erbsünde empfangen sind jedoch Teil der Glaubenslehre der Kirche. Das ist doch ein Unterschied zur „Schwester im Glauben“. Schwester im Glauben kann mir jede sein, fragende und glaubende Frau eigentlich auch, immerwährende Jungfrau und doch Gottesgebärerin aber nur eine, die wir daher mit Recht auch Königin der Jungfrauen, der Märtyrer, der Apostel, der Propheten der Engel und der Heiligen nennen.

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[1] (eigentlich wollte ich im Artikel schon nach „Rollenbuch“ nicht weiterlesen. Ich finde diesen Begriff so furchtbar. Ich weiß, daß Theologen ihn verwenden. Trotzdem.)

Kommentare:

Bettina Klix hat gesagt…

Wie wahr, liebe Braut des Lammes!
Deshalb zieht es eine Neukatholikin wie mich auf der Suche nach Orientierung etwa zu den Nachkriegsschriften von Reinhold Schneider, dort heißt es so schön und eindeutig: „Wir sollen eins werden unter dem Sterne der Jungfrau: in diesem Gebote ist vielleicht der Gehalt der Stunde beschlossen. Wo die Frau und Mutter unsäglich missachtet, misshandelt worden ist, wo sie sich auf unbegreifliche Weise selber missachtet und erniedrigt hat, da strahlt endlich das reinste Frauenbild dieser Erde wieder auf, aber in ernster, strenger Majestät: Maria ist die Schutzherrin der Völker, die ihrem Richter entgegengehen, die „Frau am Himmel“, die wider den Drachen steht.“ (in: Von der Streitmacht des Gebetes, erschienen in „Duldet mutig, Millionen“, 1946)

Braut des Lammes hat gesagt…

Wie schön, danke für das Zitat, Bettina. (Ich hab in meinem Beitrag mal noch den letzten Satz entheddert).

Anonym hat gesagt…

Was ist so unglaublich vornehm daran, "immerwährende Jungfrau" zu sein?
Ich persönlich kann mich ja mit "fragende und glaubende Fau" und "Schwester im Glauben" wesentlich mehr identifizieren als mit "immerwährende Jungfrau" und "ohne Erbsünde empfangen", das ist halt Teil der Mythologie, aber das ist noch nicht mal irgendetwas, was zur Vorbildwirkung taugt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Eben darüber, daß das „halt Teil der Mythologie“ sei, sind wir verschiedener Ansicht: es ist Teil dessen, was die Kirche von je her für wahr gehalten hat und daher als verbindlich zu glauben darlegt.

Ich hatte an sich nicht ausgedrückt, es sei unglaublich vornehm, immerwährende Jungfrau zu sein, sondern es sei eines der vornehmsten Eigenschaften, unter denen wir die Gottesmutter verehren. (Weshalb es schade ist, wenn es abgetan wird, als sei es etwas Gestriges). Immerwährende Jungfrau zu sein, braucht nicht per se nobel zu sein – der Herr kennt das Herz. Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen gehört jedoch seit den Zeiten der frühen Kirche zu den Formen der Bindung eines Menschen ganz an Christus.

Andachten dienen wiederum nicht nur dazu, aufzuzeigen, wo mir ein Heiliger Vorbild sein kann, sondern vor allem dem Lobpreis Gottes, der in seinen Heiligen verherrlicht wird. Natürlich kann einem die Gottesmutter Vorbild sein. Im Falle des Ansporns zur Tugend wären mir persönlich nun „fragend“ und „glaubend“, ohne dir nahetreten zu wollen, etwas zu dürr. Fragen tue ich, seit ich sprechen kann.

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