Mittwoch, 18. Dezember 2013

O Adonai


O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Die zweite O-Antiphon kommt uns wohl „am jüdischsten“ vor, führt sie uns doch auf den Berg der Begegnung mit Gott und redet diesen mit einer Umschreibung seines Namens an, die wir in der Liturgie der Kirche nur an diesem einen Tag hören: O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel. 

Wenn ich an die Begegnung Gottes mit Mose denke, fällt mir dabei immer ein, daß Moses Gesicht danach so strahlte, daß er einen Schleier tragen mußte, weil die Menschen um ihn herum den Glanz sonst nicht ertragen hätten, der von seinem Antlitz nach der Begegnung mit Gott noch ausging.

Diese Beschreibung der Begegnung mit Gott birgt noch ein weiteres Mysterium in sich: Gott begegnet im flammenden Dornbusch einem auserwählten Menschen eines auserwählten Volkes von Angesicht zu Angesicht. Der, der kommen wird, erscheint dagegen eingehüllt in die Entsagung dieser Welt und die Armut des menschlichen Fleisches. Er berührt und läßt sich berühren. Er ruft nicht nur das auserwählte Volk, sondern alle Völker. Er gibt uns das neue Gesetz und ändert doch am alten kein Jota. Er befreit uns mit seinem starken Arm, indem er seine Arme sterbend am Kreuz ausbreitet und so alle Menschheit damit umfängt.Täglich läßt er sich von uns finden, wenn wir ihn suchen. Immer aber und unerwartet, wie bei Mose am Dornbusch, kann Gott hinausreichen und den Menschen zu sich rufen, ihn unmittelbar anrühren mit seiner Gnade.

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