Donnerstag, 26. Dezember 2013

Liturgische Weihnachtsgeschenke

Schön ist es, wenn man am Weihnachtstag zur Vesperzeit feststellt, daß einem immer noch Weihrauchduft anhaftet und man auch das gesungene Evangelium und Halleluja der Evangeliumsprozession nicht mehr aus dem Ohr bekommt, zumal der Diakon das Evangelium über das Wort, das im Anfang war, und das Gott war, wirklich schön gesungen hat. Ich glaub, ich hab in der Nacht davon geträumt. Daraus wird deutlich, daß einen ein solcher Ritus wirklich mit allen Sinnen ergreifen kann, eben weil sie alle beteiligt sind. Das Schöne daran, wenn einer das Evangelium singt, ist, daß man mehr Zeit hat, innerlich an Sätzen wie allen …, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind, hängenzubleiben und darüber zu meditieren.

Einen heiteren Moment gab es in der Christmette, als die Einzugsprozession etwa auf Höhe der Kathedra ankam und dort beim Christbaum erstmal ein weiß-rot-gestreiftes Plastikabsperrband, ein Relikt der Vorbereitungen für den Fernsehgottesdienst, aus dem Weg schaffen mußte. Hihi! Wirklich, ohne liturgische Pannen und deren möglichst würdige Behebung würde vielleicht auch etwas fehlen. (Zur Ehrenrettung des dicken Baumes hier muß man sagen, daß er beleuchtet tatsächlich viel besser aussieht. Große Augen hab ich gestern abend gemacht, als der Mann, der abends immer da sitzt, quasi im Baum gesessen hat.)

Als weiteres Weihnachtsgeschenk gab es dann noch die Predigt unseres früheren Pfarrers, Regens Karlson, am Stephanustag über einen Hymnus Ephräms des Syrers (der in voller Länge 140 Seiten hat – oder waren es 140 Strophen?).

Selber hab ich mich in der unmittelbaren Vorbereitung auf das Weihnachtsfest mit der zweiten Homilie des hl. Johannes Chrysostomus zur Geburt unseres Erlösers beschäftigt, die dieser in Antiochia irgendwann zwischen 383 und 395 gehalten hat, und über das Faszinosum gestaunt, daß der Kirchenlehrer acht Seiten über das Wunder der Menschwerdung, und nur darüber, gepredigt hat; ja, eigentlich hat er das Wunder regelrecht besungen. Gegenüber mancher politisch oder sozial aufgeladenen oder auch banalisierten Predigt unserer Tage empfinde ich solche Predigt immer regelrecht wie eine Erlösung. Vielleicht ist ein solcher Vergleich aber auch etwas ungerecht, weil uns von den Predigten der frühen Kirche womöglich nur das beste erhalten geblieben ist. Immerhin kam ich nicht umhin, mir zu wünschen, es möge auch heute einmal wieder jemand den Mut haben, seine Predigt einmal nur über das Wunder und Mysterium der Menschwerdung zu halten.

Fußnote – eine interessante Randerscheinung: Wenn ich meinen Schleier trage, kommt der Kollektenkorb nicht zu mir. (Andererseits bin ich bei den vergleichsweise seltenen Anlässen, bei denen ich auf der Kirchbank sitze, auch nie wirklich drauf eingestellt, daß der Kollektenkorb zu mir kommt.)

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Ja, hab Dich gesehen. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

;) Dieses Evangelium mit seiner Prozession war ein echtes Highlight. Auf FB hat man uns hingegen wegen unseres ernsthaften Gesichtsausdrucks getadelt. Sollten wir zu Honigkuchenpferden mutieren?

Admiral hat gesagt…

Ihr wart schon schwer ernst!

Erinnerte mich an den Game of Thrones Charakter Brien von Tart.... #duckundwech

Braut des Lammes hat gesagt…

LOL – den kenn ich jetzt nicht, aber das hat mir einen zusätzlichen heiteren Moment verschafft.

Admiral hat gesagt…

My pleasure!

Hab mich allerdings verschrieben. Sie heißte Brienne von Tart. :-) ( Bevor mich jetzt irgendwelche Game of Thrones Fans steinigen!)

Braut des Lammes hat gesagt…

Mittlerweile hab ich mir ein Bildchen angesehen. Nun gut, ob Kampf mit dem Breitschwert oder Dienst am Leuchter… ;}

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...