Freitag, 27. Dezember 2013

Ein interessantes Attribut – der hl. Johannes der Evangelist und sein Adler

Der hl. Johannes der Evangelist wird meist mit seinem Symbol dargestellt, dem Adler (einige dieser Darstellungen dürften, nebenbei bemerkt, die wohl einzigen sein, auf denen Tiere Heiligenscheine tragen). Vor allem in Stundenbüchern sieht man den Apostel schreibend im Exil auf der Insel Patmos, und seinen Adler, der ihm Gesellschaft zu leisten scheint.

Adler sind machtvolle und kluge Vögel, kein Wunder, daß die Ikonographie den Apostel und sein Attribut teils sich sinnend anblicken läßt. Gelegentlich sitzt der Adler auch wie ein Hund (und in ganz ähnlicher Größe) zu Füßen des hl. Johannes, bringt neue Schriftrollen oder trägt das vollendete Evangelium im Schnabel von dannen, während der hl. Johannes in den Himmel blickt und die Visionen der Offenbarung schaut, die er noch niederschreiben wird.

Nachdem ich mich bei einigen Illuminationen gefragt hatte, was bringt ihm der Adler denn da? Es ist frische Tinte, auf daß der Evangelist sein Werk fortsetze. Und welch wundervolle Worte hat er gefunden! Einer der allerschönsten Momente, ohne den für mich nicht Weihnachten wäre, ist Johannes' wunderbarer Prolog seines Evangeliums:
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt.… Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Kommentare:

Psallite Deo hat gesagt…

Ich mag diesen Text auch sehr - einmal habe ich erlebt, daß ein Priester ihn zu schwierig fand und auch in der 11-Uhr-Messe noch die Texte "Am Morgen" nahm - und da frage ich mich: Kann man den Leuten das vorenthalten?
Schon allein sprachlich hat der Abschnitt eine irre Ästhetik (was man ja nicht von allen Bibeltexten sagen kann - ich verfolge momentan das vielleicht etwas größenwahnsinnige Projekt, die Bibel ganz durchzulesen und hänge gerade in 2 Kön fest - da wiederholt sich soviel, daß es meistens einfach langweilig ist), und selbst wenn man nicht vom Standpunkt eines Gläubigen aus schaut, hat der Johannes-Prolog eine literarische Qualität, die den Text wertvoll macht - ganz abgesehen natürlich von der inhaltlichen Aussage - so anders als bei Lk, aber sich ergänzend.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, die Schönheit und Höhe der Sprache verschafft mir auch ein nahezu sinnliches Vergnügen. Man könnte, wie angedeutet, auch stundenlang drüber meditieren.

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