Montag, 2. Dezember 2013

Du schenkst das Wollen und das Vollbringen… – Advent


Mit einer gewissen Faszination hab ich in den vergangenen Tagen festgestellt, daß der Advent als eigenständige Zeit aus der Wahrnehmung der „Welt“ verschwunden scheint. Stattdessen gibts um den Martinstag herum erste Dekorationsansätze und zum ersten Advent dann gleich „das volle Programm“. Auch triviales, das noch vor einigen Jahren mit Weihnachten verbunden war, wie etwa bestimmte Fernsehfilme – zu denen aus mir unbegreiflichen Gründen Märchenfilme, besonders aber Drei Nüsse für Aschenbrödel gehören, aber auch sämtliche Variationen von Dickens' Christmas carol – werden zum ersten Advent vorverlagert. Über den Plüschweihnachtsmann bei Karstadt hab ich mich belustigt, weil er genauso groß ist wie ich, und im Kaufland festgestellt, daß die von mir bevorzugte Sorte bunter Lebkuchen mit Schokoladenrückseite in diesem Jahr bereits anderthalb Wochen vor dem ersten Advent ausverkauft war. Überhaupt hab ich das Gefühl, mit diesem Zeugs wird es irgendwann so kommen wie mit Schuhen: Winterstiefel muß man scheints im August kaufen, im November ist es viel zu spät. Warum sollte das mit Dominosteinen und Lebkuchen eigentlich noch anders sein?

Die Frage, die sich mir bei alledem stellt, ist: wenn man am ersten Advent (sehet, die erste Kerze brennt), so loslegt, was bleibt einem dann eigentlich noch als Steigerung, wenn es am 25. Dezember wirklich Weihnachten ist? Den Zelebranten gestern trieben offenbar ganz ähnliche Gedanken um, denn er erwähnte sein Befremden über die Ankündigung einer Fernsehsendung „Das Adventsfest der hunderttausend Lichter“ (oder so). Nochmals: am Kranz brennt eine Kerze. Selbst auf Weihnachten bezogen hielte ich „hunderttausend Lichter“ übrigens für falsch: Weihnachten ist nicht das Fest, an dem wir 100.000 Lichter feiern, sondern das eine Licht, das Gottes Sohn ist, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht.

Das oben beschriebene Faszinosum ist eher kultureller Natur, ich halte es für sinnlos, sich darüber aufzuregen. Wohl ist mir zwischendurch durch den Sinn gegangen, daß auch die Kirche selbst weiland einen Teil zur Entwertung der Adventszeit beigetragen haben mag, indem sie die Adventszeit zwar nicht der violetten Paramente entkleidete, aber ihres Charakters als Fastenzeit. (Daß es im Advent kein Gloria gibt, überrascht mich dagegen jedes Jahr irgendwie aufs Neue, aber Gottseidank immer während des Eingangslieds, also noch rechtzeitig vor dem Tagesgebet.) Mittlerweile bestehen die Vermeldungen häufig aus der Ankündigung von gemütlichen Zusammenkünften „mit Glühwein und Kuchen“ und geistlicher Umrandung. Wo die Kirche ihre eigene Traditionen nicht mehr so ernst zu nehmen scheint, oder selbst künstlich kleinhält, indem sie so wenig wie möglich davon hermacht, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Welt das gleiche tut. Nichtsdestotrotz: Angelus Silesius' Wort wäre Christus tausendmal geboren und nicht in mir… läßt sich auch auf diese Situation anwenden: wäre tausendmal Advent und nicht in mir…

Die Liturgie der Adventszeit ist ungeheuer reich, gleich einem eigenen Adventskalender hat sie für jeden Tag etwas Neues hinter dem Türchen. Es liegt vor allem an uns, nicht an der Welt, was wir aus der Adventszeit machen. Die Adventszeit beginnt mit einem der schönsten Tagesgebete im Missale überhaupt:
Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen…
Du schenkst das Wollen und das Vollbringen – ich finde diesen Gedanken wunderschön. Beides, auch, daß uns das Wollen überhaupt geschenkt wird, ist letztlich göttliche Gnade und Grund zur Dankbarkeit. Auch die schöne Antiphon faßte diesen Gedanken zusammen: Freut euch, allezeit, wir ziehn dem Herrn entgegen.

Kommentare:

Klaus hat gesagt…

Der Kölner Dom erhält eine Reliquie
von Papst Johannes Paul II. (1978-2005).
Dabei handelt es sich um ein Stoffläppchen
mit einem Blutstropfen des Papstes,
wie das Erzbistum Köln am Freitag mitteilte.
Das Geschenk aus Rom
wird in einem 40 cm hohen Schaubehälter aus Silber gezeigt,
aus der Werkstatt des Düsseldorfers Bildhauer Bert Gerresheim.
Wie viele dieser blutigen Stoffläppchen im Umlauf sind,
ist derzeit nicht bekannt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Wolltest du das vielleicht hier anfügen? Der Zusammenhang mit meinem Beitrag erschließt sich mir sonst nicht recht.

Bei einer Reliquie geht es meines Erachtens nicht um Quantität (= wieviele gibts davon), sondern womöglich um Authentizität.

Psallite Deo hat gesagt…

Leider macht die Kirche das an manchen Stellen zu sehr mit: Rorate-Messen werden auf Lichterschein reduziert, jede Gruppe muß noch schnell ne Adventsfeier machen…
Ich mag eigentlich am liebsten die Messen kurz vor Weihnachten, wenn man zwischen allen Sonderproben mal kurz ne halbe Stunde Ruhe hat (und oft ist die Messe wirklich die entspannteste halbe Stunde des Tages) - oder die Werktagsmessen nach Weihnachten.

Anonym hat gesagt…

und ich liebe die O-Antiphonen, da ich zu Beginn geboren bin und auch meine Taufe noch am 21. 12 feiern darf.

Cassandra hat gesagt…

Im Kindergottesdienst (parallel zu Messe) gab es eine Geschichte über ein Maus, die in einem Keller in einem Haus nahe Jerusalem wohnt und sich wundert, wo denn all' die menschen mit Laternen hingehen. Laternenumzug? Nein, da strömten die Menschenmassen zur Krippe, wie ein kleines Mädchen der Maus erklärte. Und die nächsten Wochen wird diese Maus sich mit aufmachen...

Heiliger Nicasius, steh uns bei!

Ich weiß, man soll nicht schlechtmachen wenn andere sich die Mühe machen, Kindergottesdienst vorzubereiten. Aber unsere Kinder sind die künftigen Kirchgänger, Priester, Ordensleute. Wenn wir den Advent damit verbringen, ihnen Mäusegeschichten zu erzählen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Weihnachten immer mehr verkitscht und aus dem Zusammenhang gerissen wird. Am Ende (jedenfalls dem vorläufigen) steht dann mit gemütlichem Zusammensein bei Glühwein da.

Mein Vorschlag: wir machen Glühweintrinken und Lebkuchenessen zu einer Wintertradition, völlig losgelöst von Weihnachten. Dann kann man auch an einem kalten Februarabend noch heißen Rotwein mit Nelken und Zimt trinken oder das gemütliche Zusammensein genießen, ist ja an sich nichts verkehrtes, und die Adventszeit wird wieder frei für den Advent.

Der Weihnachtsbaum in der Schule meines Sohnes stand übrigens schon vor dem 1. Advent. Das schulische Adventsbasteln hatten wir da auch schon erledigt, was, da wir in Bremen ja säkularistisch sind, wenig mit Weihnachten zu tun hatte. Paßte also :-)

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