Mittwoch, 27. November 2013

Stuhlkreis ahoi!

Eigentlich ist es ja ein Stuhlhalbkreis, aber wir haben ihn – jetzt auch in der Kathedrale. Gestern beim Einzug ist mir leider kurzfristig der Gesichtsausdruck leicht entgleist. Also, bei der Anordnung bin ich froh, daß die Ministranten nicht von den Sedilien aus ministrieren. Welche Sedilien überhaupt?

Im Ernst, den Sinn dieser Aktion hat wohl keiner verstanden: hier standen einmal eine Reihe durchaus bequemer und würdiger Sedilien und eine Kirchbank, auf der fünf oder sechs Leute knien konnten. In der Liturgie kommen dort die Konzelebranten zu sitzen, beim Stundengebet die Domkapitulare (bei meiner Weihe hab ich mit den Paranymphen dort gesessen). Nun haben wir dort den Stuhlkreis, nur hat das halbkreisige Sitzen leider gerade an dieser Stelle überhaupt keinen Sinn, da sich Hochaltar mit Tabernakel und Ambo genau gegenüber befinden. Warum sich alle Stühle also zu den Kniebänken in ihrer Mitte hindrehen, bleibt völlig schleierhaft. Wer etwa links außen zu sitzen kommt, dreht sich beim Evangelium anstatt zum Wort Gottes seitlich zum Priestersitz und schaut den oder die anderen an. Auch steht er womöglich künftig bei der Konsekration, falls er sich nicht für den nackten Steinboden entscheidet. Anstatt die Einrichtung dem Sinn und Ziel der Liturgie folgt, folgt sie nunmehr einer Rundung der Innenwand, die sich an dieser Stelle befindet. (Es wurde übrigens bereits der erste gesichtet, der im liturgischen Gewand die Beine übereinander schlägt.) Vielleicht wollte jemand vor anstehenden architektonischen Veränderungen „etwas in Bewegung bringen“. Das jetzt sieht allerdings aus wie gewollt, aber nicht gekonnt.

Bei der sakramentalen Anbetung und der Ölbergstunde sind jetzt jedenfalls die sinnvollsten Plätze dahin. Vielleicht sollte man sich ein Kniebänkchen (und eine Decke?) mitbringen.

1 Kommentar:

Psallite Deo hat gesagt…

Solche Fragen stellt man sich so manches Mal - ich kenne eine neo-gotische Kirche, die innen völlig entkernt wurde, die Apsis wurde mittels einer Mauer abgetrennt und zur Sakristei umfunktioniert, die Anordnung der Bänke um 90 Grad gedreht, im Halbkreis um den Altarraum, der an der ehemals rechten Wand plaziert ist - die Orgel an der neuen Sakristeiwand, dazu das Gewölbe einer relativ niedrigen Holzbretterdecke geopfert - adieu Akustik…

Es ist was anderes, wenn man eine neue Kirche baut, da kann man architektonisch was anderes machen, aber ein bestehendes Gebäude zu verschandeln, geht gar nicht, finde ich.

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