Donnerstag, 14. November 2013

Herzen und Fragen des Herzens

Im Domradio äußerte sich Frau Dr. Irmgard Schwaetzer, ihres Zeichens die neue Präses (was für eine Wortkonstruktion!) der EKD:
Sich nicht mit den Initiatoren des Marschs für das Leben auf eine Stufe zu stellen, bedeutet nicht, daß man nicht hoch engagiert für den Erhalt des Lebens und für den Lebensschutz kämpft, aber auf eine andere Art. Ich halte es da wirklich mit Papst Franziskus, der ja an dem Tag vorher in Rom noch darum gebeten hat, Barmherzigkeit zu zeigen, auch für die Frauen, die in einer schweren Notlage sich für eine Abtreibung entscheiden. Mit dieser Haltung kann ich mich sehr gut identifizieren.
Aua. Vor dem Hintergrund, daß sich der Papst ausdrücklich mit den Teilnehmern des Marsches für das Leben im Gebet verbunden hat, ist das schon eine etwas aparte Aussage:
Gerne verbindet sich Seine Heiligkeit mit den Teilnehmern am Marsch für das Leben im Gebet und bittet Gott, alle Bemühungen zur Förderung des uneingeschränkten Schutzes des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen mit seinem Segen zu begleiten.
Auch würde mich interessieren, ob noch ergründet werden konnte, auf welche hochengagierte Weise Frau Dr. Schwaetzer für den Erhalt des Lebens und den Lebensschutz kämpft, denn ihren wilhelminischen Prachtbau wollte sie uns als Vorsitzende des evangelischen Domkirchenkolloquiums für den Abschlußgottesdienst des Marsches für das Leben ja nicht geben. Eine Haltung übrigens, über die sich ganz offen jene gefreut und sie gutgeheißen haben, die für die völlige Freigabe der Abtreibung eintreten. Von der großen Arroganz, so empfinde ich es jedenfalls, sich nicht mit jemandem „auf eine Stufe stellen“ zu wollen, der für den Erhalt des Lebens in seiner verletzlichsten Form eintritt, noch ganz abgesehen.

Papst Franziskus, mit dessen Haltung Frau Dr. Schwaetzer sich „gut identifizieren“ kann, hat an die Teilnehmer des Marsches für das Leben ausdrücklich ein Segenswort gerichtet, während die evangelische Domgemeinde des Doms zu Berlin nur verschlossene Türen für sie hatte. Mich hat das ein wenig an die Herbergssuche zu Bethlehem erinnert, nicht weil ich die Teilnehmer des Marsches mit den Herbergssuchenden vergleichen wollte, sondern die Ungeborenen. Womöglich hätten sie Christus selbst auch abgewiesen, da beim Domkirchenkolloquium.

Am Marsch des Lebens in Rom hat sich Papst Franziskus übrigens selbst beteiligt und über 40.000 gingen mit ihm. Vielleicht war das der sich gut mit seiner Haltung identifizieren könnenden Frau Dr. Schwaetzer nicht bekannt?

Sich für den Erhalt des Lebens einzusetzen und Frauen, die abgetrieben haben, Barmherzigkeit zu zeigen, schließt sich übrigens nicht gegenseitig aus, weshalb Papst Franziskus beides tun kann: sich im Gebet mit denen zu verbinden, die für den Schutz des Lebens eintreten und um Barmherzigkeit für jene bitten, die gefehlt haben. Im entsprechenden Kontext kann ein Seelsorger auch darüber predigen, die Sünde zu meiden. Es wundert mich immer wieder, daß man das ausdrücklich feststellen muß. Was an Christi Gebot hinderte uns etwa daran, alles das zu tun? Wenn man aber sieht, daß jemand am Rande eines Abgrunds dahingeht, sollte man ihn dann nicht wenigstens auf die Gefahr hinweisen und ihm beistehen?

Das Herz eines Ungeborenen beginnt etwa am 22. Tag zu arbeiten und wird dann von seinem eigenen Blut durchströmt. Oft weiß die Frau nicht einmal, daß sie schwanger ist, und doch schlägt das Herz ihres Kindes bereits. Wenn nun dieses Kind ein Herz hat, sollten da die Menschen um es herum nicht auch eines haben?

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Mich haben die Aussagen von Frau Schwaetzer auch sehr geschmerzt. Sie zeigen einmal erneut das selektive Hinhören zu den Worten, die Papst Franziskus spricht. Auch sein Klagen über das Nachlassen der Beichtpraxis scheint kein deutsches Medium zu interessieren. Man pickt sich halt die Parolen heraus, die zu "Frauen am Altar" o.ä. passen und strickt sich den Vatikan-Revoluzzer zurecht. Am Ende wird es ein böses Erwachen geben, da bin ich mir sicher.

Tanja Wendl hat gesagt…

Hm, ich versteh das nicht ganz... Frau Schwätzer setzt sich also engagiert für die Erhaltung des Lebens der schwangeren Frauen ein. Eigentlich lobenswert, aber - die Zeiten wo das Wochenbettfieber u. ä. Erkrankungen eine Gefahr für das Leben der Mutter darstellten, sind doch schon lange vorbei?! Grins... Sorry, konnte ich mir nicht verkneifen.

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für diese Darstellung!

Ich fands dann am Ende im Lustgarten auch sehr schön - war ja auch prima Wetter!

LG, JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich habe noch einen Link zum Domradio gesetzt, den konnte ich gestern abend nicht finden, danke, Stanislaus, für den Hinweis auf das Interview.

Klaus/www.melkendorf.de hat gesagt…

Schwaetzer - Nomen est omen!

Jorge hat gesagt…

Also ich denke, Frau Präses Schwaetzer trifft den wunden Punkt des so gen. "Lebensschutzes" ziemlich genau. Der Kampf gegen Abtreibung ist vollkommen ideologisiert und amerikanisiert; das Bild wird von eifernden Spinnern beherrscht, die zum ernsthaften ethischen Diskurs gar nicht fähig sind und das Thema im Grunde zur Selbstdarstellung und Bestätigung ihres viel zu simplen Schwarz-Weiß-Denkens missbrauchen. Das schreckt differenzierter denkende Zeitgenossen ab. Mit solchen "Lebensschützern" möchte man nicht in einen Topf geworfen werden und distanziert sich fast automatisch, schon rein emotional, selbst wenn man Abtreibungen eigentlich auch sehr kritisch gegenübersteht. Damit tun diese Eiferer der Sache an sich natürlich keinen Gefallen.

Wer wirklich etwas gegen Abtreibung erreichen und die Menschen, die es angeht, nachdenklich machen will (statt im "Kampf" für die "richtige Sache" eigene Selbstbestätigung zu suchen, was der Papst ja seinerzeit m.W. kritisiert hat, und auf diese Äußerungen bezieht sich Schwaetzer hier wohl auch, glaube ich), sollte sich konsequent von dieser militanten Form des "Lebensschutzes" und ihren häufig politisch und ideologisch sehr fragwürdigen Exponenten fernhalten, statt um der "richtigen Sache" willen Bündnisse mit den falschen Leuten einzugehen.

In den katholischen Blogs ist von solcher Vorsicht leider nicht viel zu merken. Die meisten Blogger haben ein klares Freund-Feind-Denken im Kopf und setzen sich argumentativ überhaupt nicht sachlich und konstruktiv mit den wesentlichen Fragen auseinander. Zeig mir eine wirklich weiter führende Diskussion über das Thema auf irgendeinem Blogozesen-Blog in den letzten Jahren, dann nehme ich das liebend gern wieder zurück. Ansatzweise gab es das mal vor ein paar Wochen bei Elsa, weil sich ein höflicher Abtreibungsbefürworter meldete und darum bat, nicht polemisch angegriffen zu werden; aber auch da wurden die wesentlichen ethischen Fragen gar nicht angesprochen, obwohl man dem Abtreibungsbefürworter seine kurzschlüssige Denkweise leicht hätte verdeutlichen können. Offenbar liegen die Positionen so weit auseinander, dass man sich in die Argumentationsweise des anderen gar nicht hineindenken kann und einem darum nicht einmal die richtigen Fragen einfallen.

Militante Abtreibungsgegner sind viel zu sehr in festgefahrenen Denkschemata befangen, um diese Diskussion überhaupt sinnvoll führen zu können. Das bemerkt der Außenstehende rasch und wendet sich kopfschüttelnd ab. Damit erreicht die Bewegung genau das Gegenteil von dem, was sie (angeblich) eigentlich erreichen will. Leute, die sowieso nie abtreiben würden, machen viel Radau und bekräftigen damit nur die Vorbehalte derjenigen, die das Thema sachlich angehen wollen oder eher unbedarft sind. Das, wogegen sich solche Verrückten so vehement wehren, kann ja so falsch nicht sein. Radikale Abtreibungsbefürworter haben so ganz leichtes Spiel.

Braut des Lammes hat gesagt…

Etwas harsch, so insgesamt betrachtet. Mich würde interessieren, Jorge, ob du schon einmal beim Marsch für das Leben gewesen bist? Der Punkt ist nämlich, es geht hier ganz konkret um den „Marsch“, sowohl in der Äußerung Frau Präses Schwaetzers als auch in der Redaktion. Man kann daher nicht, etwas undifferenziert, wie ich finde, jegliche Aktion, die irgendwie dem Lebensschutz zuzuordnen ist in den Topf packen, in den man nicht geworfen werden möchte. Wiewohl es hier Aktionen gibt, die ich grenzwertig befremdlich finde, haben sie mit der schweigenden Prozession, die alljährlich eigentlich nur den Blick der Gesellschaft darauf lenken will, wie viele Kinder nicht geboren werden, doch nichts zu tun. Bisher hab ich an jedem Marsch für das Leben teilgenommen, „eifernde Spinner“ sind mir aber, wo überhaupt, eher auf Seiten der Gegendemonstranten begegnet. Wer den demonstrierenden Frauen auf dem Marsch des Lebens ein Transparent mit der Aufschrift „Religiösen Fanatikerinnen das Sorgerecht entziehen“ entgegenhält, den nenne ich, denke ich, mit Recht einen Eiferer, einen, der sich vom Denkmuster her nahtlos einreiht in die solcher Unrechtsregimes wie das der Nationalsozialisten.

Zu Frau Präses Schwaetzer und der Handlungsweise des Domkirchenkolloquiums sei noch ergänzend gesagt, daß es mich überrascht hat, auf den Seiten des Domgemeinde den Hinweis auf die Gegendemonstration zu finden, mit Treffpunkt und Uhrzeit und in einem Atemzug mit den Worten Hilfe, Ermutigung, Beistand und Liebe. Die „zahlreichen Menschenrechtsorganisationen“, die dort erwähnt worden sind (unter ihnen Antifa, Femen, um nur einige wenige zu nennen), setzen sich, wie bereits bemerkt, offen für die völlige Freigabe der Abtreibung in Deutschland ein. Soviel zum Thema differenzierte Sichtweise.

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