Mittwoch, 27. November 2013

Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis − Belsazar

Die Lesungen der letzten Wochen im Jahreskreis sind alle endzeitlich, kreisen um die letzten Dinge.

Heute Belsazar und sein Gastmahl, eine Lesung, die vielen aus der Dichtung vertraut ist (mir etwa, weil ich mir zwischendurch im Unterricht mit geheimem Gruseln Heines Gedicht reingezogen habe, das in meinem Lesebuch stand). Beide, der Prophet Daniel und Heine, beschreiben das Ereignis, das dazu führt, daß eine geisterhafte Hand an der Wand erscheint und schreibt und schreibt und man weiß, der König ist verloren. Als Kind hab ich mich über des Königs offenen Hohn Gott gegenüber erschrocken, sowas kann nicht ohne Folgen bleiben. Mene mene tekel u-parsin − gezählt (und zu Ende gehend), gewogen (und für zu leicht befunden), zerteilt. Was ist nun aber der entscheidende Unterschied zwischen Heines Dichtung und dem Buch Daniel?
Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

„Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!“ (Heinrich Heine)

Du hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben und dir die Gefäße aus seinem Tempel herbeischaffen lassen. Du und deine Großen, deine Frauen und Nebenfrauen, ihr habt daraus Wein getrunken. Du hast die Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein gepriesen, die weder sehen noch hören können und keinen Verstand haben. Aber den Gott, der deinen Lebensatem in seiner Hand hat und dem all deine Wege gehören, den hast du nicht verherrlicht. (Dan 5,23)
Zuerst möchte man meinen, die Handlung, die Belsazars Verderben wird, ist die Sache mit dem liturgischen Gerät − eine vom König sakrilegisch gemeinte Handlung, ohne Zweifel. Die eigentliche Lästerung aber ist tatsächlich: den Gott, der deinen Lebensatem in seiner Hand hat und dem all deine Wege gehören, den hast du nicht verherrlicht.

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