Dienstag, 29. Oktober 2013

Unerträglich

Mein Leben in deiner Hand:
Embryo im Alter von zwölf Wochen
Wenn ein Marcel Reich-Ranicki auf der Verleihung des Fernsehpreises einen Eklat verursachte, weil er den Ausrichtern auf gut deutsch zu verstehen gab, ich nehme euren blödsinnigen Preis nicht an, dann hatte das ein gewisses Format, wenn man natürlich auch erstmal Bauklötze staunt. Es hat was. Auf Auszeichnungen, die man nicht will, kann man verzichten und besser sagt man es spät als nie. (Am Ende nahm er ihn dann übrigens doch, weshalb man von den Formatpunkten wieder etwas abziehen muß.)

Einen Preis, in diesem Falle den Medienpreis der katholischen Kirche, aus den Händen eines Bischofs aber erst dankend anzunehmen, wie Lara Katharina Fritzsche es getan hat und dann herzugehen, und mit einem Schlag ins Gesicht der Preisverleiherin das Preisgeld von 5000 Euronen jener Organisation zu spenden, die sich für ein „Recht auf Abtreibung“ einsetzt, die darauf dringt, Lebensschützer auf offener Straße zu drangsalieren, zu beschimpfen und die von ihnen getragenen Kreuze zu schänden, das ist wohl kaum ehrenhaft zu nennen.

Als Frau ärgere sie sich einfach zu oft über die Kirche. Nun, in diesem Falle habe ich mich als Frau auch über die Kirche geärgert, allerdings aus einem ganz anderen Grunde.

Übrigens: die eigene Freiheit (auch die zur „sexuellen Selbstbestimmung“) stößt regelmäßig dort an ihre Grenzen, wo die Rechte anderer gewahrt werden müssen. In diesem Falle die auf das Leben eines ungeborenen Kindes, man kann aber genausogut an die Rechte solcher denken, die nicht für sich selbst entscheiden können. Mit sexueller Selbstbestimmung kann man nämlich nicht alles rechtfertigen, und deshalb kann sie auch kein „Menschenrecht“ sein oder werden. „Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung“ (man achte auf die vielen uneigennützigen „meins“!) − was ist eigentlich mit: dein Körper, unsere Verantwortung, der Entscheidung des Lebens selbst?

Ich finde es schlimm genug, daß so wenige unserer Bischöfe die Lebensschützer dadurch unterstützen, daß sie nicht nur Grußworte schicken, sondern auch selbst mitgehen, Flagge zeigen und so die Teilnehmer bestärken. Die Frage, warum ein katholischer Medienpreis wohl ausgerechnet vornehmlich an Leute verliehen wird, die sich nicht gerade durch ein sentire cum ecclesia auszeichnen, stelle ich mir schon gar nicht mehr. Aber daß nun Geld der Kirche auf diesem Wege an das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fließt, dessen Wertvorstellungen erklärtermaßen denen der Kirche über das Leben diametral gegenüberstehen, finde ich wirklich unerträglich.

Kommentare:

Psallite Deo hat gesagt…

Das mit den Rechten anderer ist genau der Punkt. "Mein Bauch gehört mir" ist so lange richtig, wie kein Baby drin ist.
Jede Frau hat das Recht zu sagen, sie will kein Kind, aber eben nur, wenn noch keins da (=gezeugt) ist.
Wenn das Kind einmal entstanden ist, hat es ein Lebensrecht, und die Eltern müssen mit den Konsequenzen leben - hätten sie sich eben früher überlegen müssen, es gibt ja Mittel und Wege, gar nicht erst schwanger zu werden - in diesem Zusammenhang finde ich schon, daß sexuelle Selbstbestimmung ein Menschenrecht ist - es darf z.B. niemand zum schwanger werden (oder überhaupt zum Sex) gezwungen werden.
Aber wenn die Schwangerschaft schon besteht, stellt sich diese Frage nicht mehr, denn man hat seine sexuelle Selbstbestimmung dazu genutzt, Sex zu haben, und da muß man wissen, daß auch bei sehr sicheren Verhütungsmitteln eine Restwahrscheinlichkeit bleibt (Ausnahme ist natürlich eine Vergewaltigung, aber das macht nicht den Großteil der Abtreibungen aus, oder?).
Es könnte so einfach sein...

jos.m.betle hat gesagt…

So ist es. Ob es Preisverleihungen oder Würdigungen von Kirchenkritikern sind, ob es Berufungen von Kirchengegnern in kirchliche Gremien sind, ob es Millionengaben an ein kirchliches Unternehmen ist, das ihr Geld u. a. damit verdient, dass moralisch fragwürdige, und historisch wie theologisch unhaltbare Produkte anbietet - es ist einfach ein großes Ärgernis, mindestens.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Problem mit dem Begriff Selbstbestimmung ist (nicht nur) hier, daß er maßlos ausgedehnt wird auf Bereiche, in denen nicht nur das „Selbst“ betroffen ist, sondern unmittelbar auch andere, eine Pervertierung des Begriffes Selbstbestimmung, wenn man so will.

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